Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 6 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 3)
- Language
- German
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23 nrn soll«, um einst recht und gerecht.vor dir verklärten Geister meiner Ellen treten zu können. AU' die-, was in dem Feuer meiner Leidenschaft mir nichr in den Sinn ge» kommen, trat jetzt, wo die Erfüllung mir nahe zu sein schien, wo ich an das Ordnen aller meiner Verhältnisse dachte, um so mit meiner Werbung vor Amelie'S Later erscheinen zu können, mir vor die Seele, und füllte diese mir Angst und Schrecken. Weder Anu-lie, noch die JKrigm wußten, daß ich Jude sei, und wenn sie mich die Gebrauche der katholischen Kirche nicht üben sahen, so hielten sie mich für einen Protestanten. Verzweiflung faßte meine Seele; ich irrte einige Tage wie im Rausche umher und nur die lange Gewohnheit ließ mich mechanisch meine Arbeit verrichten. Aber endlich raffte ich mich auf; ich sah ein, daß Etwas geschehen muffe und daß ich das Unrecht meiner Verheimlichung nur durch ein offenes Geständniß einigermaßen sühnen könnte. Vor Allem mußte ich tnit Amelie sprechen und erkennen, welchen Eindruck mein Geständniß auf sie machen würd.e. Ihr Schreck, ihre Betrüdniß, ihre Verwirrung war groß, aber mit dem seelenvollen Takte, der dem echten weiblichen Herzen eigen ist, verscheuchte sie schnell die Wolken, und nachdem sie mir sich ernstlich zu Rarhe gegangen, bekannte sie mir, daß sie ohne mich nicht leben möge, und daß eine Religion^ welcher ich als Mann eine so unerschütterliche Treue bewahre, eine Religion desselben Gottes sein müsse, der uns die Liebe in das Herz gesenkt habe; sie verlangte von mir, ihr über mein Be» kennlniß einigen näheren Aufschluß und Unterricht zu geben, und als ich dies so gut, wie ich vermochte,-gethan, gelobte sie mir, mit dem Leben auf Erden auch den Himmel mit mir theilen zu wollen. Dieser heldenmülhige Entschluß Amölie'S machte mir so vielen Mulh und erhob mich so sehr im Geiste über alle Widerwärtigkeiten, daß ich unverzagt vor ihren Vater trat, ihm Alles gestand und von ihm erbat, mich mit Amelie fortziehen zu lassen, damit wir mit seinem Segen ausgerüstet in Mailand eine Heimath suchten. Da j aber brach das Gewitter los. Nachdem der Vater eine Zeitlang wie erstarrt gestanden, fuhr es wie ein Sturmwind! aus ihm heraus, er überschüttete mich mit Brschimpfungen,' riß Amelie von meiner Seite, und zwang mich, mich eilendaus seinem Hause zu entfernen. WaS sollte ich thuni! Ich wartete einige Zeit, um den Zorn meines Landsmannes; austoben zu lassen, versuchte dann wiederholt, ihn zu de-! fänftigen — atzer Alles vergebens, alle Bitten blieben er- : folglos, Amelie wurde in strengem Gewahrsam gehalten, alle Verbindung mit mir abgeschnitten, und ich hatte nicht einmal den Trost, zu erfahren, wie sie diesen furchtbaren Schlag ertrage. Zur Arbeit unfähig, hatte ich meinen Brotherrn verlassen, keine Seele war mir geblieben, der ich mich nur anverlrauen konnte. So mußte ich zuletzt zu dem Enti schlusse kommen, Besanzon zu verlassen, wenn mir dies nur möglich gewesen wäre, ohne Amelie noch einmal gesprochen zu haben. Endlich erhielt ich durch einen kleinen Bruder Amelie's einige hastig geschriebene Zeilen ihrer Hand, die mir anzeigken, daß sie der rauhen Behandlung ihrer Eltern > sich entziehen, und mit mir fliehen wolle, und bestimmte ' mir zugleich den Ort und die Stunde de> Nacht, wo sie mich treffen wolle. Ich bereitete Alles vor, und es gelang. , Wir verfolgten Seitenwege, um nicht etwa erreicht zu werden, und kamen auf Kreuz - und Querzügen über die Grenze nach Neurnburg, wo wir vierzehn Tage verweilten und; gelangten heute über Vverdois hierher, um weiter nach Mailand zu reisen. Von Neueüdurg aus schrieb ich an meinen Oheim, fetzte ihm alle meinie Erlebnisse auseinander, bar um seinen Beistand, weil in Judenthume übertreten und Mailand meine. Amelie zum dann zwischen uns Beiden die eheliche Verbindung geschlofen werden sollte. Hier aber begann die Reihe von Unglucksfätten, welche uns in die Traurigkeit versetzten, die Sie an uns gewahren. (Schieb loigl.) Etwas über hie Trachten der Juden im Mittelalter. Wenn wir unsere nach neuester Mode und im reichsten Lurus gekleideten Damen, wenn wir unsere an Eleganz und Schmuck ihre christlichen Mitbürger noch überdirtenben jungen Herren betrachten, so Drängt! sich uns unwillkürlich die Frage auf: War es .ehedem wohl Ebenso im deutschen Reich, oder , ist diese Prunk- und Gefallsucht nur ein — ich möchte . sagen, krankhafter Zug unserer Tagek Leider fließen die \ Quellen, welche diese wahrlich nicht aus Neugierde aufgej worfene Frage beantworten kannten, nur sehe spärlich; Modezeitungen und Journale aus der Zeit des Mittelalters sind! uns nicht aufbenuchkt, und wären sie es auch — von den 1 Juden, wurde^in dieser Beziehung wenig Notiz genommen. Es mag dieses der Vergangenheit sehr zu Nutzen kommen und ihr d^Dchn^» der. „guten, alten Zeit" vielleicht mehr zuwenden, als sie> es verdient. Hiermit soll keineswegs der Aufwand, wie er in der Jejtztzeit sich kund gibt, entfstfiildigt werden, in einer solchen auffallenden und mir Recht oft gegeißelten Weise haben es > unser« durch die Umstände an Einfachheit und Schlichtheit gewöhnten Altvordern auf deutschem Boden nicht getriebe», wiewohl auch sie im Großen und Ganzen ihrer Zeit Rechnung getragen haben. Die jüdischen Frauen kleideten sich! während des Mittelalters schlicht und recht wie die Christinnen , nur ihr Kopfputz war verschieden; die silbischen Männer harten keine andere Tracht, als die einfache ihrer christlichen Mitbürger und kennzeichnrren sich durch nichts anderes als durch den Judenbart (?). Nein, sie kennzeichneten sich! durch nichts anderes als durch den gelben, trichterartig geformten Judenhut, diesen Hut, dem in einer Geschichte der Juden des Mittelalter« ein ganzes Kapitel müßte eingeräumt werden. , Der Judenhut fehlt nirgends. Nicht allein das Haupt des schachernden und feilschenden Juden, sondem auch das deS frommen BererS vom jüdischen Stamme ist mit dieser Coiffure gezeichnet, die wahrlich nicht ihn schändet und ihrer Bestimmung gemäß nicht ihm zur Entwürdigung gereicht. Die Bilder einiger betenden Juden, dreien der Zahl, finden sich in dem Miniaturgemälde eines Machsors, welche nach dem in der Universitätsbibliothek zu Leipzig aufdewahrtm Original von Hefsner-Altenrck, dem Herausgeber des vor wenigen Jahren vollendeten Prachtwerkes „Trachten des christlichen MittelalterSss gezeichnet und seiner schätzbaren Sammlung einverleibt worden sind: Das Machsor besteht aus einer Pergament-Handschrift in zwei großen Bänden, deren ganz« Ausschmückung im Gcjschmack der christlichen Missalien auS derselben Periode behandelt ist. Es ist reichlich mit Gemälden, so wie mit vergoldeten ünb ornamennrten hebräischen \ *