Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 6 (1860) · p. Seite 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
6 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/4908862-5999354-6026341--1556-4910089
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

24 Initialen versehen. Höchst auffallend findet es Hefrner- Alteneck, daß die orientalischen Gesichtszüjge und Geberden dieser Juden karrikatucartig übertrieben si»d; auch baS ist ein charakteristisches Zeichen jener Zeit. Der! christliche Künstler, welcher dieses großartige Werk seltener Art für die Juden anferngte, schafft seinem etwa beschwerten gewissen dadurch Erleichterung, daß er den ihm mir schwerem Golde lohnenden Juden statt Bilder Karrikaluren lieferte. > Nur um ein Weniges unterscheiden |tcft die Trachten der auf diesem Gemälde erscheinenden Judqn von der chrfst- ^ichen HauSlracht: der eine ist in einen '■ weißen Mantel gehüllt, welcher nach damaliger Sitte mit! rothen Streifen besetzt ist, der andere tragt ein gelbes Unterkleid und einen ^rübrotben Mantel. ' i ' Die Zeichnung einer andern Gruppe asts dem Anfänge j de« 15. Jahrhundert« findet sich in der handschriftlichen' Chronik de« Ulrich von -Reichenkbal auf de^n Rarhbause zu \ Constanz. E« find Juden im feierlichen Aufzuge. An solchen HuldigungSceremonien hätten es die Nachkommen Israel« das ganze Mittelalter hindurch nicht fehlen lassen. Bei dem großen Feste der Befitzstakme eines erwählten Papstes von dem apostolischen Stühle mußten die Juden Rom« m festlicher Deputation ibm entgegen kommen. . Mil ihrem heiligsten Kleinod, dem PentatLtch, erschienen sie dann an dem Wege, wo der päpstliche Äriumphzug vorüber kam; sie sangen Loblieder , boten toml Äirdjenfürftm, gleichsam 'als die Bibliothekare der christlichen Religion die Gesetzrollt dar, gewöhnlich nahm er sie an, darin oder, stellte sich al« ob er lese, reichte sich und sprach einige Worte, welche in der las eine Weile sie dann hinter meisten Fällen ckmtzei bittenden Ju-; die Herzen der umv Erneuerung de« den wir Dolchstiche verwunderen. Diese Feierlichkeiten waren ein Vorrecht! der Juden in der alten Weltstadt; nur xinmal war es über dir in Constanz verhängt, in die Rechte ihrer römischen Brüder tinzugreifen, und zwar bei der Weihe des in ihrer Stadt wahrend der großen Kirchenversammlung gewählten Papstes Martin > Keiner seiner Vorgänger und Nachfolger ist ja so feierlich geweiht worden. Er ritt auf einem weißen Rosse, das der Kaiser Sigismund und der Kurfürst von der Pfalz, Beide zu Fuß, beim Zügel führten Eine Mc^ge von Fürsten und die ganze Kirchcnvecsammlung bildeten!ben Zug. Ulrich von Reichenrhal, welcher um diese Zeit al« Ddmherr in Constanz lebte, war Augenzeuge die er 1417 staltqefundenen Feierlichkeit und beschreibt sie folgendermaßen: „Do er kam für das hu« zum fchlege^ bv sanr laurenzen, und gingen im die Juden entgegen nir vil großen brinenden kertzen und Herten all iren Habit an als sy an irem langen tag Hand — und trugen ire zeh i gebott under ainem güldnen tuch mir Per stanqen an ein m küssen, da« was rot samarri und hell vier zipfel uni an jeglichem zipfel zwo schellen und wenn sy den stecken n ainem küsse rücken, so lütten die schellen, und jungen vast hebräisch und da sy zu dem babst kamen, do knüwett! i sy alle nider und butten im die zehn bott und batten in! daß er. inen ihr /reyhail bestatt,, al« sy denn von ander» bapften bisher gebaut hatten, do wolt der bapst der gebott nicht — aber unser Herr der knug (Kaiser SigiSmun)» empfing fr Ber, ttarteg ocn 9«Kag*cta<r’ und sprach: moyscS gebott sind gut und rächt, aber fy wollen sy nit Version noch rache halten. Do rebt der bapst etwas heimlich-, do« nir jederman Version kond und kart sich herumb zu den Juden und sprach lut, daS e« meneklich Hort: Omnipotens ckeus sverlsl velsmen sh oeulis vestris ut possilis videre lumen «lerne vite*), und segnet sy und sprach: io nomine patris et iltii et Spiritus sancti und rail von dannen "). Den Zug eröffneren die vier Vornehmsten der Gemeinde; sie trugen die Stangen des Baldachins, dessen Tuch roth gemalt war; ein weißes goldgestickte« Tuch hatte ein Jeder über dem Kopfe. Ihre Kleidung bestand in rvtheck Ueberkleibem, au« welchen blaue Aermel hervorsahen. Der die zehn Gebote trug im rothen Umhang mit goldenen Schellen hatte einen grünen Mantel mit weißem Futter unv goldnen Agraffen und ein grünes Unterkleid. ' Mehrere schritten in grünen Ueber- und rothen Unterkleidern mir brennenden Kerzen voran. Die Tracht der übrigen Juden, welche sich dem Zuge angeschlossen hatten, war roth. f) *) „Möge der allmächtige Gott rse Binde von euren Augen nebmen, auf daß ihr das Lichr des ewigen Lebens schauen könnt." **) Als Hauer »arl V. nach Prag kam, gingen ibm die Juden in einem „Aufzug" entgegen. Ueber tieie Feierlichkeit leien wir bei Horn« ayer .Archiv für Geographie unv Historie, 1811, 2. 6331: „darüber find an die drei Hundert Juden gckommen mit einem gar schönen Pannier und ihrer Lade, oder den zehn Geboten und dem Talmud «'?). Voraus gingen die Rabbiner und was der Synagoge angchörig; bernack-die Aellesten und Mittlrer in schwarzen langen Mänteln und «appen: dann die Jünglinge und Knaben in weißen Mitteln mit Gold schön geschmückt, wie fie das au ihren Festen wagen. Lirranf kamen die jungen Ehemänner in idren Tales ..." +> Nack dieier Beschreibung sollte man annchmcn, dass der damalige Luxus doch noch größer war al« der gegenwärtige. Denn bei solcher Gelegenheit' würden unsere Männer iämmrlich nur im schwarztuchencu Auzug ericbeinen. Allerdings ist der Luxus tu den Anzügen — namentlich lei den Frauen — im steigen, aber nur gegen die Einfachheit im vorigen Jahrhundert Das Mittelalter und die darauf folgende Zeit frödnteu dem Luxus! außerordentlich, wie die. immer crneueten Geieve dagegen, die ■ „Kleiderordnung" erweüen Die Redaktion. Die israelitische Bibelanstalt. Die Spenden zur Herstellung und Verbreitung hebräischer und hebräisch-deutscher Bibeln erreichten die Hobe von: 3644 Tbalern 11 Ngr. — Allgemeine Zeitung des Iudenlbums. No. 5». ld-M. Leitende Artikel: Wochenschau.— Die Schweiz. — Preußen. — Oesterreich. — Da» gewöbitticbe Mattoeuvre der Iukenfeinde. - Zur Ge'chjchte der preußischen Reaction. - Pom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. — Landwindüchafttickes Institut für Juden zu Stadtoldendorf (Braun'cbweigj, — Die israelitische Bibelanstati. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt am Main, Floß, Gießen. Preußen: Breslau, Schönlanke, Berlin, Crefeld, Magdeburg, Eüstrin. Die Schweiz: Ober - Eutingen. gy Zu beziehen durch jrdes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tdaler, vierteljährlich % Tbaler. qntwortticher Redattenr: K. Nabe. B«rha»rliu>8 in Loipzia Drua von 0*. ffreofisfl in <«**!(?.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.