Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 5 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
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19 gegangen? Es ist zuerst und vor Allem: daß Alle« unlergehr, wanicht göttlich ist. Sie sah Geschlechter auf Geschlechter kommen und gehen, Staaten sich bilden, Reiche erstehen. Throne aufschlagen; aber die Staaten fielen auseinander, die Reiche lösten sich auf, die Throne wurden zertrümmert. Wo war eine Hand, die das Scepter länger hielt, als eine andere? Wo eine Krone, deren Edelsteine nicht am Ende dennoch in den Staub fielen? Ja, sie sah: menschlicher Glanz gehr unter. Dann sah sie große gewaltige Eroberer aufkommen, deren Schwert durch die Länder flammte, deren Schild Welttheile bedeckte, deren Fuß Heere zertrat; aber ihr Schwert ward stumpf, ihr Schild zerbrach, ihr Fuß vermoderte. Ja, sie sah: menschliche Stärke geht unter. Darauf sah sie weise Männer sich aufrichten, von deren Lippen viel Honig troff, die die Geheimniffe der Welt offenkundig zu machen versprachen, deren Blick die Schleier des Seins zu durchschauen verhieß; aber was heute Wahrheit schien, war morgen Jrrthum, was heute als Weisheit gepriesen, ward morgen als Wahn und Aberwitz verschrieen; ach, war erst die Lippe de- Redners stumm, und da- Auge des Sehergebrochen, fo sah man: menschliche Weisheit geht unter. Und wie sah die Menschheit erst Schätze aufhäufen, und wieder zerrinnen, Schönheit die Herrschaft führen, und verbleichen, Hinterlist und Bosheit die Spitze erreichen, um desto tiefer zu sinken, Entsittlichung und Ueppigkeir Volker entnerven, daß sie allüberall gewahrte: da - blos Menschliche gehr unter. — Denn sie sah ja im Gegensätze doch ringsum die Schöpfung Gottes ewig bleiben, ewig die Sonne leuchten, die Sterne funkeln, die Meere rauschen, den Frühling kommen, des Lebens Pulse schlagen — was göttlich ist, besteht. Sie sah ja doch Tugend und Frömmigkeit, Recht und Lied« immer triumphiren, die Stürme beschwichtigen, in den Kämpfen siegen, allein zum Ziele kommen — was göttlich ist, besteht. — Aber die Menschheit erfuhr ferner: daß, was vom Menschen übrig bleibt, das ist allein das Geistige. Was der Mensch mit seinem Geiste geschaffen, dem er einen schöpferischen Gedanken ausgeprägt, das überdauert den Wechsel der Zeit. Denn was ist es, was zuletzt übrig bleibet von Allen? Die Geschichte, d. i. die Erinnerung, der Gedanke, aber nicht an die, die überhaupt gewesen, sondern an die, so geschaffen und gewirkt haben. Alle Andern bedeckt die Nacht der Dergeffenheit. Und was von den Werken der Menschen übrig bleibt, eS sind nur die Werke des Geistes. Die Paläste von PersipoliS sanken in den Staub, die Burgen und Thürme und Maler zerfallen allesammt wieder — aber die einfache Rolle, die der Geist des Menschen beschrieben, sie bleibet, und spricht noch nach Jahrtausenden zu verwandten Geistern. Also geschah es, daß die Menschheit eine dritte große Erfahrung gemacht: sie sah nämlich, daß ein langer, hoch heute andauernder, aber immer mehr sich entscheidender Kampf sich auSkämpfte — zw ifchen der rohen Gewalt der Faust und der Kraft des Geistes; — und da ist sie zur Gewißheit gekommen: daß am Errr^ doch der Geist sieget über die rohe Gewalt, diese fesselt und sich unkerthan macht. Zuerst war die rohe Gewalt allein herrschend, sie bezwang die ganze Menschheit, sie schrieb den Menschen di«! Gesetze vor, daS Schwert ward überall in die Wagschale geworfen, und entschied. Der Gedanke, die Wahrheit und dts Recht mußten seufzend schweigen. Aber diese drei, in Kr Natur des Menschen begründeten Stimmen fingen dochl an laut zu werden, und immer lauter in den Menschengeisteen. schufen sich Raum, und drangen durch: da begann der heftige Kampf. Will sich die Menschheit ewig vor d«^ rohen Gewalt beugen, soll Kr .Ohnmacht stetS auf her Spitze des Schwertes, auf der Sehne des Bogens, in Kr Mündung des Feurrgewehrruhen? oder sollen Gedanke^, Wahrheit, Recht den Thron der Welt besteigen? DieS' war die Fraget diese Frage ward durch hundert Nationen, auf tausend Schlachtfeldern, in Millionen Geistern aufgeworfen und durchgekämpft. Ader immer bleicher, matter, ohnmächtiger wird die rohe Gewalt, immer fester, entschiedener, siegreicher ergreifen Recht, Wahrheit und Gedanke das'Sce »ter der Menschheit. Denn — wenn also A leS, was nicht göttlich ist, un» tergeht, wenn demnach von Menschen nur übrig bleibt daS Geistige, und der Geist über die rohe Gewalt den viel bestrittenen Sieg erringt: so ist der Menschheit aufgegangen als höchste, erhabenste Erfatrung — daß eeine Fortbildung giebet in der Menfchenwelr durch das Geistige zum Göttlichen. >— Ja, die Menschheit bleibet nicht stehen, wo ffe stehet; ja, die Menschheit gewieder, wie Thier und Pflanze, sondern indem sie ihre geistigen Schöpfungen immer mehr cufeinanver häuft, und der Geist den Sieg erlangt, schreitet sie vorwärts zum G ö ttlichen. biert sich nicht bloS immer Geschlechter auf Geschlechter So ist eS. Immer weiter, der Erkenn lniß durch mächtiger wird die Gewalt immer-stärker dringt das Licht die alten^Finsternisse; immer de- Recht», und zwingt die Völker zur Billigkeit; immer entschiedener wird die Herrschaft der Liebe und des! Frieden«, die verstummen macht den Donner der Kaüonen, die Schwerter zu Minzermesscrn, die Lanzen zu Äicheln schmiedet, den Krieg in die Höhlen der Vergangenheit fesselt; die im Westen sammelt, um im Osten Thränen zu trocknen, die im Süden schaffet, um im Nordenau erfreuen. Ja, wa« Gott ist im Menschen, tritt immer heutlicher, kräftiger, bestimmter, siegreicher hervor, da« gedeiht,^ wächst, überschattet alle Menschheit. Diese sah eS säen, keimen, sprießen, blühen, flkcht eS jetzt reifen zu erquickender Flucht. S. auch D..fi rtheit Jede Erscheinung hat il um seinetwillen, sondern Ganzen. Allem ist sein Beschaffenheit und Richtung Stellung in der Gefamin So in der Natur, so in Je mehr wir die« erkennen, als ein Produkt der Gotkhei in der Natur Alle« Pröduk in der Geschichte Alles Produk Vorsehung ist, innerhalb der, sehr wohl besteht. — So h.: feine eigenthümlich« Aufgabe stimmte Rolle aus der gr Während eS, selbstsüchtig i eigennützigen Zwecke verfolgt, ren Zweck, nicht blos für sich, in der Gliederung des großen sein, mit dessen ganzer Anlage, Zweck, und dann wieder seine unv seine Wirkung auf diese. >er Geschichte der Menschheit, lernen wir diese nicht minder ir begreifen, als jene, nur daß de« göttlichen Gesetzes, k der göttlichen Leitung, r die Freiheit beS Individuums denn insbesondere jede- Volk seine Mifsion, hat seine be- Bühne der Menschenwelt. höchsten Grade, nur seine nur daS, was ihm nützt (so cßen n