Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 5 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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18 Sein Name strahlt im Buch der Wettgeschichte Und in unS lebt sein Geist noch <rt>i& fort! Drum blicke stolz hinaus zu Deinen Helden, Mein Israel; sie fochten für den Geist, Für alle Zeiten und für alle Welten, Und leben fort, so lang' der Ecvvvll kreist. - Ja, groß und hehr ist Israel'« Geschichte, ' 1 Drei Moses bot ihm die Vergangenheit, ES prangt sein Dreigesiirn in gvld'nem Lichte Und sichert Israel die Ewigkeit! Tie Erfahrungen vcr Menschheit. i. Wenn die Jugend vergeht mit all' ihren Blürhetagen, mit all' ihrem freien, unbeschrankten Wesen; wenn die Kraft des Mannes sich aufceidt im Kampfe de« Lebens, im Ringen und Streben, entweder um die'Bedürfnisse des Tages, oder um ein, doch nur rh.eilweife zu erreichendes Ziel; wenn all' die Mühen und Verluste, die Genüsse- und Täuschungen, die das Leben Jeglichem durch die Seele führt, an uns vorüber gehen — da« Einzige, was wir uns da an wirklichem Besitze, an bleibendem Gewinn herüberretten, ist— die Erfahrung; di,Erfahrung, diedurch kein Wissen, durch keine Fülle des Gastes ersetzt werden kann, die erst de« greifenden Hauptes Schmuck wird, bitterst um die benarbte Brust, um den viel bewahrten Streiter des Lebens als Schild sich legt, als wehrender und blinkender. DenNoch ist die Erfahrung nur de« Menschen Ehrenpreis, der durch die Tage deS Lebens mit Bewußtsein schreitet, als Beobachter'seiner selbst und Andrer, der die Ereignisse in ihrem wahren Werthe, die Höhen und Niederungen des Lebens in ihrer wirtlichen Größe und Tiefe zu bemessen gelernt; nicht der Gleichgültige, nicht der Stumpfsinnige sammelt Erfahrung, sondern — wer lebt und liebt, und auf diesem Boden den Thau der Frömmigkeit und des Friedens, aber auch den M-ehllhau des Hasses und der Verfolgung, die Sommersonne des Glückes, aber auch die Winternebel des Mißgeschickes empfangen.hat. Dann aber ist die Erfahrung die Frucht des ganzen Lebens, die Leuchte auf dem dunkeln Pfade zum Grabe, der Stab in der zitternden Hand des Greises, aber auch das Ehrenzeichen auf der festen, sichern Brust. $ DaS Individuum ist die Frucht der ganzen Menschheit. Lrötz der desondern Persönlichkeit, trotz der eigenen Richtung und Entwickelung, die jeder Einzelne unter der Eigenthümlichkeit seiner Geistesanlage, Verhältnisse und Schicksal« Einschläge, konnte doch so und so «in Individuum nur werden nach der ganzen Vergangenheit feines Volkes, seiner Zeit, also nach der Vergangenheit des ganzen Menschengeschlechtes. Nehmet ein bedeutendes Ereigniß aus der ganzen Kette der Begebenheiten,, seitdem die Menschheit zum Seldstbewußrsein erwacht ist, heraus, und ganz andere Folgen waren dadurch gekommen, die wieder Ursachen ganz anderer' Erscheinungen geworden wären. So ist jeder einzelne Mensch ein Reis, gepfropft auf den großen Stamm der Menschheit, aus dem ec Leben und Nahrung ziehet. So gehört die ganze Vergangenheit des Menschengeschlechtes zum Leben jedes Einzelnen, weil sie feine Grundlage, sein Boden ist, aus dem er erwuchs; der große Hintergrund, auS dem auch feine Figur) auf di« Dauer seines Lebens wenigstens, hervortritt. Von der andern Seite ist die ganze Menschheit ein Individuum, ein Wesen, mit vollständigem Leben, mit ganzer, gegliederter Organisation. Ob auch in Völker und Stamme getrennt, ob auch in verschiedene Welrrheile vrrtheilt, ob auch im Läufe der Zeiten mit ganz verschiedenen Gliedern versehen: alle menschlichen Einzelwesen zusammen genommen, bilden ein Ganzes, das in den Zeiten sein regelmäßiges Leben, feine stufenmäßige Entwickelung durchmacht. Wenn es aber also ist, wenn die ganze Menschheit unS, mitten in unsrer Einzelnheit, angehört, und wir, trotz unsrer Einzelnheit, der ganzen Menschheit angehören; wenn wir nicht also lebten, ohne ihr ganzes Leben, und sie nicht also lebte, ohne unser Dasein: siehe, so ist ihre Geschichte auch unsere Geschichte, ihre Erlebnisse auch unsere, ihre Erfahrung auch unsere. Wir stehen nicht da, einzeln im Gewühlt des LebenS, isolirl, hingeworfen alS ein Stein unter großer Sammlung von Steinen, sondern wir sind lebendige Theile des großen lebendigen Ganzen, wir geboren der Gesammtheit, die Gesammrheit uns an, wir haben Ansprüche auf sie, sie auf uns. Wir waren in allen vecübergegangenen Geschlechtern, wir sind mit unserer ganzen Zeit, wir werden sein in allen Kommenden, die noch nicht gelandet auf diesem Erdenrund auS dem großen, unbekannten Schlummerlande. Es ist Alles Ein Leben. Aber dieses Eine Leben, worin sindet es seine Einigung? Was bindet alle diese zahllosen Einzelwesen, von denen ein jedes nur sich vertrikk, nur sich im Auge hat, für sich wird, für. sich abtritt, zu einer Einheit zusammen? WaS knüpft alle diese verschiedenen Richtungen, alle diese auseinanderfahrenden Bestrebungen, alle diese sich so oft geradezu durchkreuzenden Interessen in Ein Bündel zusammen, schürzt sie zuletzt doch zu Einem Knoten? Es kann dies nur Gort, nur die göttliche Dor- I sehung sein, die die Fäden ausspinnet und in einander-! webet in ihrer unermeßlichen Hand. Doch davon einan- I der Mal. __ l 2. So lasser an uns nicht voruberrauschen den großen Strom der Menschengeschichte, als ginge sie uns nichts an, als habe sie uns keine andere Kunde zu geben, denn wie sie hießen und wandelten, die vor uns waren, alS hatte sie lediglich die Neugierde' zu befriedigen, und keine höheren Erkenntnisse, keine auch uns ergreifenden, läuternden und leitenden Erfahrungen mitzukheilen. Lasser sie nicht bloS als «m Schattenspiel ihre Personen und Handlungen vor uns aufbauen, sondern alS ein ernstes Spiel des Lebens, in bas . auch wir gehören, und in welchem wir die Rollen der Väter weckrhätig weilerführen, um sie einst unfern Kindern zu übergeben. Wir wollen mitsammen einen Blick werfen auf die allgemeinen Erfahrungen, die die Menschheit gemacht. Und zwar zuerst, wie diese Licht ausstrahlen aus die Natur alles Menschlichen selbst. , Was die Menschheit erfahren har an all' den vielen Völkern und Personen, an all' den Hohen und Niedrigen, an all' den Massen und ihren Leitern, die in ihr vorüber-