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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 4 (1860) · p. Seite 14

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
4 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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14 Worten Marthas: „Noemi, ist am Leben", hat ganz Italien durchzogen, um sie aufzufioden. aber vergebens. Wittwe geworben, laßt sie sich zu Genua nieder und um leichter in allen Gesellschaften, allen Hausern Zutritt erlangen zu können, macht sie sich zu einer Kartenschlägerin, zu einer Wahrsagerin. Mir diesem doppelten Titel wurde sie viele Leute sehen, sie könnte ausfragen, Geheimnisse erfahren und vielleicht dahin gelangen.... Ader greifen wir den Ereignissen nicht vor. Eines Tage« als sie zu Genua vor den erstaunten Blicken emec unwissenden Menge die Karten ausbreirek, gehet die Gräfin Lomellini mir ihrer Adoptivtochter, die am Arme ihres Lerlpbren hing,-vorüber. Gemea siebt Paula; ihr Her; erkennt sie, sie' zittert. Sie folgt ihren Schritten, dringt in den Palast Lomellini, und läßt sich dort al» Abenteurerin festnehmen. Glücklicher Weise ist sie nicht allein Karlenschlagerin, sie ist auch reich, sie besitzt Schatze, die der Gräfin Lomellina helfen können das Lösegeld ihres Galten, der geftrngen ist, zu zahlen. Die ftölze Gräfin begiebr sich zu der niedrigen Jüdin und stellt ihr ihre Lage vor. Gemea will gern bi« nöthigrn Summen geben; sie macht nur eine Bedingung, die auch angenommen wird, nämlich die, der Gräfin die Karre zu legen. Die- Wahrsagerin befragt die Karten: Paula ist nicht ihre Tochter, sagt sie, indem sie Vi< Gräfin mit ihren forschenden Augen durchbohrt, sie iss ein einer Jüdin geraubtes Kind, die Karren sagen eS bestimmt aus, wagen Sie das Gegentheil zu behaupten! Unid der Gräfin, bestürzt und zitternd, entschlüpft ein schüchlprnes Geständniß. Dies iss hinreichend für die Mutter, sie verschließt ihre Thür hinter der Gräfin und stürzt nach dem Palasse Lomellini. Sie findet Paula.! Sie zittert, sie zweifelt, sif zaudert, sie hak Furcht, sie weiß nicht mehr, die Unglückliche, tpie eine Mutter zu ihrer Tochter spricht. Paula ihrerseits, allein im Hause, weiß nicht, was man von ihr will. >alS sie um Mitternacht dieses Geheimniß zu ihr eintreten sieht, und ist erschreckt und verwirrt bei, dem Blick voll Mitleid, Drohung und unaussprechlicher Zärtlichkeit. Sieempfindet einen ungeheuren Schrecken, aber dieser Schrecken ist mit Mitleid, Sympathie und Verzeihung gemischt. Die Scene iss sehr schön, sie ist mit -Spannung ausgenommen worden. Hier handelt es sich in der Thal nicht um zene gewöhnlichen verlorenen und wiedergefundenen Kinder, die das Drama feit so vielen Jahren auf seinem schlechtgechahlren Gange verfolgt, es handelt sich um eine Mutter und ein Kind,-alle beide Opfer eines unerhörten Angriffs auf das Gewissen und die^ Freiheit. Das ist eS vor Allem, das uns.si» gespannt auf diesen seltsamen Zweikampf zwischen Gemea, der wahren Mutter, und Bianca, der Adoptivmutter, macht. Und jemehr die wahre Mutter für ihre Tochter eine Beängstigung ist, um-so mehr halt die andeire Mutter die Autorität über dieses Kind, ihr Verbrechen trotz ihrer Gewissensbisse fest; je feierlicher der Kampf zwischen diesen beiden sich messenden Gewalten ist, desto mehr fühlt der Zuschauer sich von Zorn und Unwillen gegen die unbarmherzigen Zerstörer des Familienlebens erfüllt. ES iss also wahr, daß daS. geraubte Kind seinen Vater und seines Mutter und den Ort, wo seine Wiege gestanden, vergißts? Es ist also wahr, daß man dasselbe von seiner Familie, seinem Glauben, feinem Daterhause, von seinem ganze» Selbst vollständig loSreißen kann? Es ist also wahr, baß diese nach ihrem Kinde schmachtende Mutter diese» Kind zittern und bei der bloßen Berührung ihrer sieberburchglühten Hand schaudem sieht? Und wenn die Mutter, endlich anerkannt, dieses durch ein Wunder wiedergefunbene Kind in ihr mir Blumen und Genüssen auSgeschmücktes Haus versetzt, so wird man dieses Kind, von einer Mutter zur anderen übergehend und beide eifersichtig machend, wo sie zwxi glückliche Frauen machen sollte, nur gefoltert sehen! Das sind die traurigen Folgen dieser außergen^hnlichen Verbrechen, dieser Schlangenwege, welche die alten Gesetze nicht vorausgesehen halten. Wohlan, wenn das Drama zum Schlüsse gewagt hätte, die religiöse Frage zu erörtern und stolz bewußt den Kampf zwischen Mose« und St. Paulus aufzunehmcn, wie ehemals in einer einfachen Oper, die Hugenotten von Scribe und Meyerbeer, die Frage zwischen Protestanten und Katholiken, so würde ohne Zweifel ein viel mächtigerer' Effect auf die Seelen erzielt worden fein durch die religiösen Kämpfe, von denen der große Corneille in seinem I'olveuele das erste und erhabene Beispiel gegeben. „Wohin führst du mich?— Zum Tobe!— Zum Siege!" Ach, sw sind vorüber diese Zeilen, wo die Poesie zum Zeugniß für den Glauben angerufen-worden ist; sie sind vorüber mit den großen Poeten und den großen denkenden Seelen! Deshalb haben wir nach dem sehr schönen vierren Acte des neuen Drama's, nach dem gewagten, unbarmherzigen Begegnen der beiden Mütter vor dem Richterstuhle Salomen'« (dieses Schauspiel von ihren Müttern geraubten Kindern gebt dis in die ältesten Zeitalter zurück) die Phantasie wieder erscheinen sehen. Aber die Phantasie ist ohnmächtig. die siirchtbaren gordischen Knoten zu lösen. Aber das neue Drama hat so viele Thronen über sv schöne Antlitze fließen lassen, es hat eine so große Menge Zuschauer ebenso sehr gespannt auf da« erhalten, was der Autor nicht zu. sagen wagte, wie theilnahmvoll für da«, was er erzählte! Fügen wir dem noch den Muth und das Talent, die Energie und die Willenskraft der Madame Laurent, die abwechselnd leidenschaftlich und zärtlich und zugleich bis zum Erhabenen pathetisch war, hinzu, und die rührende Anmutd der Mabmoiselle Lia Felix, ein beredter Scharren der ersten Rachel, und bringen wir vor Allem das in einem solchen Sujet enthaltene Interesse, Mitgefühl in Anschlag, so wird man in wenigen Worten den Ausdruck und die Erklärung des Erfolges dieses Drama's haben, der ein dauernder Erfolg sein muß, oder ich verstehe mich nicht darauf. Die Juden in Cairo. Ä^^vr. L. A Frankl'S „R-ub Aegvplen". Die Juden in Aegypten, 6000 an der Zahl, wohnen meist nur in Alerandrien und Eairo; nur sehr wenige außerhalb dieser Stabte. In Eairo ist eS daS engste, dunkelste und schmutzigste Quartier, das sie inne haben. Sie unterscheiden sich von l^n Aegyprekn nicht durch ihre GesichtSzüge; jene erkennen sie aber an der Farbe des TurbanS, die mit brr des Ehristenturbans gleich ist, und wohl auch an ihrem sonstigen vemachlässigten Anzuge, den sie^üdrigenS

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