Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 3 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 3)
- Language
- German
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11 b<n, daer ihm behändigm werde, eigenhändig dem Adressaten überreichen. Noch an demselben Abend erhielt Abraham ein Schreiben an den Grafen von Dyllen, Generaladjuranre» des Königin Stuttgart. Hier angelangt, suchte Abraham die Garküche de- R?»bbi Baruch Schochet, Vater der Gebrüder Benedikt auf und theilre diesem die Ursache seiner Reise mit, klagte aber auch, wie er sich nicht getraue, allein zum Grafen Dyllen zu gehen. Rabbi Baruch wußte Rath, er empfahl ihn einemangesehenen Glaubensgenossen in Stuttgart und dieser führte ihn bei dem Grafen ein. Der Graf, aler da- Schreiben de- Herrn v. Liebenstein gelesen, lachte herzlich über da- Mißgeschick, de- Baron R. §. 8., dessen despotische Grillen allgemein bekannt waren, und der einem Juden seine Leben-rerrung nun verdanken mußt,. Der Graf beschied den Abraham, der von der Leut» seligkeit dehohen Herrn ganz entzückt war, auf den andem Vormittag in di« Hofkanzlri, wo er, um die bestimmte Stunde, ein mir dem Siegel de- König!. Geheimkabinetversiegelle- Schreiben an den König!. Landvogr Baron v. Liebenstein erhielt. Inzwischen hatte letzterer al-König!. Commiffär auch von Herrn v. N. ä. L. die Huldigung im Namen de- Könige entgegengenommen und ihn seiner Souverainerar entkleidet. Aler von Abraham da-^Rescript de- Grafen v. Dyllen erhielt, übergab er dem nun überglücklichen Bräutigam den Königl. Schutzbrief mit der Heirath-erlaubniß, jedoch mit dem gemessenen Befehle, nächsten Sabbath am Arme seiner Braut den Herm Baron v. N. L. 8. zur Hochzeit zu laden. Die Aussteuer der Braut war natürlich langst schon fertig, so daß da« Brautgewand etwaauder Mode gekommen war, dahielt aber da- Brautpaar nicht ad, alsbald, am nächsten. Neumond Hochzeit zu halten. Baron N. ä. 8. wurde zur Hochzeit geladen, ist aber nicht al- Hochzeitsgast erschienen; doch störte dieda- Hochzeit-fest nichtdie Braut war froh, unter die Haube zu kommen und daß der Reich-baron die Souverainetat verloren, schmerzte sie und die Hochzeit-gaste nicht. Verwandte de- Abraham besitzen und bewohnen jetzt da- Schloß de- Herm Bacon v. N. a. 8. und daß da- Brautpaar durch dessen Schuld etwaspät unter den Ehehimmel kam, hat dennoch dessen zahlreicher Nachkommenschaft keinen Einnag gethan. Ehrensaal. Baron von 8iebenstein nahm Ende devorigen Jahrhundertheimathlose Israeliten in seinm beiden Besitzungen Buttenhausen und Jedmhausen ln unbeschränkter Zahl gegen, ein sehr mäßige- Schutzgeld auf, so daß beide Gemeinden im Laufe weniger Jahre zu großen Gemeinden mit Synagogen und Rabbinen heranwuchsen. Alder Freiherr einmal nach Buttenhausen kam, den Gotte-dienst der Israeliten besuchte und daärmliche Betlokal sah, lieh er der Gemeinde ein unverzinsliche- Kapital, dadieselbe in beliebigen Raten abbezahlen durfte, zur Erbauung.einer neuen Synagoge. Beide Gemeinden habm sich in einigen Jahrzrhenten durch emsigen Fleiß zu den wohlhabmstm im Lande erhoben. Ueber Erziehung. 1 , v. Sin Wort übefr d i e m o d e r n e T r; i e h u n g Von E. *. in Sch. Wie unsere Weistn der Vorzeit di« Borenthaltung von Leibesfrucht alden Fluch de- Höchsten bezeichnen, so betrachteten sie anderer Seitden'Kindersegen aldatost-' lichste Geschenk ihrehimmlischen Vater-. Und mit Recht: Eine Gabe, ein Geschenk Gotteist da- Kind fürwahr. Ehat eine unsterbliche Seele, Gott har ein'- Dasein gemfm und beschützt eauf so wundervolle Weis«, daß dasselbe mit vollstem I Recht alein unvom Himmel anverttauteköstliche- Kleinod betrachtet werben kann.. Wir dürfen jedoch nicht hoffen, daß in unserer nicht sonderlich glaubensstarken, dafür um so mehr gewinnsüchtigen und materiellen Zeit,' all« Eltern dies« Ansicht mit uutheilen. Was unjedoch die Einen in Gedanken, die Andern in Worten rhellau- Verbildung, rheil-'auandem Gründen verweigern, dagestehm sie durch ihre eigne Handlungsweise zu. Wamm manovrirt, wagt und speculirt der Geschäftsmann, gleichviel ob er in klingmder Münze, Papierchen, Lande-produkten oder Manufakturwaaren „macht", sonder Ruh' und Rast? Thatig wie eine Dime, spornt er seine Arbeitsbienen zu gleichem Feuer, sucht Verbindung mit aller Herren Lander, prodirt, vertraut und wagt Alle-, und trotzt selbst den Klippen und Stürmen der Meere, um mit dem Gewinne.stetneue- Glück zu erjagen. Sollte nur die Gier nach dem selben Metall ihn treibm, welches ein Unfall in fremde Taschen rollt und diese- Dasein um keine Sekunde überdauert? — Warum sägt, feilt, dreht, näht, bohrt, schmiedez, klopft und hämmert der Handwerker vom erstm Tage-graum bis die Steme'am Himmel stehm, daß sich die Hand mit Schwielen bedeckt und der perlmde Schweiß von der Stirne rinnt. Wenigesichert ihm den Leben-- umerßalt, wozu me^r? — Ein Gegenstand ist es, für den sich all« djese Thätigkeit entfaltet, ein Punkt, in dem sich alle diese Anstrengungen concentriren — da-Kind. So gestehen undie verschiedmen Stände, wenn sie auch manchmal eine! andre Ansicht haben, durch die That zu, daß sie da- K^nd für die Freude ihre- Leben-, den süßen Gegenstand ihrer Träume, die Hoffnung ihrer'Tage und dm Trost ihre- Alterhatten, daß da- Kind die köstlichste Perle in ihrem Familimschmucke, ihr Augapfel, ihr Liebling ist, dem sie rastloeine bessere Ledm-stelluNg zu erringen strebm, al« sie selbst einnehmen, sie gestehm zu, daß da- Kind ein Geschmk de- Himmelist, wofür Könige und Bettler gleich dankbar sein müssm, und welchesich Keiner mit allen ererbten oder erworbenen Titeln und Aemtem, mir allem Geld« und allm Gütem, mit allen Obligationen, Actt'm, Scheinm und Couponerkaufm kann. — Ist aber da- Kind ein Geschenk vom Himmel, so suche eauch für den Himmel zu erziehen, damit dadir anverttaute Kleinod eben so rein! wieder dm Häadm desjenigen zurückgegeben werdm kann, aler es dir geschenkt hat. Eine gute Erziehung ohne die Grundlage der Religion ist undmkbar. Hat einmhl da- Kind feine Unschuld und Seelenreinheit verloren, waS nützen ihm all dein Gold und Silber, all deine Schätze, und wärm es Berge, die Köstlichste der Perlen ist dahin.