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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 2 (1860) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
2 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 7 (sequence 3)
Language
German
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7 ffit dem Talmud zu weihen. Es war daeinzige Ziel aller Denkenden und Frommen jener Zeit, das zugleich den religiösen Eifer und den Ehrgeiz befriedigte, Seelenruhe gewährte, Ruhm eintrug und geistige wie zeitliche Zweck« förderte. Di« Verfolgung der Lehre machte sie Allen um so theurer und heiliger. Der Talmud war dem ganzen Volke ein heiliges Panier, um das es sich schaatt«. Correspondenz. Hamburg im December. In diesen Kagen erschien die Beschreibung der „Hamburger Schillerfeier, ein deutsches Volk-fest", und entnehmen wir aus derselben die Schilderung der in den beiden israelitischen Schulen Hamburgs geschehenen Feier. Die Schillerfeier in der israelitischen Freischule war von Herm Dr. 9t 6« in sehr würdiger und ansprechender Weise arrangirt. Auf die Deklamation und den Gesang der Schiller'schen Poesien folgte der Vortrag de- Schülers Ballin aus der ersten Elasse, der das Leben des Dichters vom Standpunkt der Knaben aus recht hübsch barst,Ute. Herr Dr. Piza entwickelte in schwungvoller und gediegener Rede die ideale Größe Schiller'- und ermahnte die versammelte Zugend, in den Wirren de- Lebens sich bestmöglichst solche reine Gesinnung zu bewahren; hierauf wurden Scenen aus Schiller'- Tell und Wallenstrin mit recht vieler Gewandtheit von Zöglingen der Schule dargestellt. ' Dann^ntwickelte Herr Dr. Ree den Gedankengana) der in Schiller'- letztem Gedicht: „Abschied vom Leser" liegt (nachdem ein Theit der Glocke mit Goethe'- Nachruf deklamirt worden) und knüpfte an diese Poesie eine sehr warme und ergreifende Ansprache, in welcher er nochmals den jungen Festtheilnehmern Schiller'- hohe Bedeutsamkeit vor Augen stellte , und mit-einem recht patriotischen Hinweis auf die Einigung 'Deutschlandschloß, zur Verherrlichung Schiller'-, der ja so fest an seinem Vaterland« und dessen idealer Einigung gehangen. Auch setzte er den Knaben auseinander, daß gottlob, so Manches, was Schiller als Ideal erschienen, jetzt zur Wirklichkeit geworden und wir dafür dem Freiheitskämpfer, dessen Andenken heute gefeiert wird, ewigen Dank schuldig seien. Zwei jung« Damen setzten dann bei dem Klange der Ouvertüre zur Zauberflöte der Schillerbüste den Lordeerkranz auf und die schöne Feier, der eine sehr zahlreiche Versammlung beiwohnte, schloß mit dem Lied „an die »Freude." Eine der ansprechendsten und erhebendsten Schulfeierlichkeiten fand ebenfalls in der Lehr - und Pensions-Anstalt des Herrn Dr. Nathan Statt. Der Vorsteher dieses Zostituts hatte nicht nur die Eltern der Zöglinge und andere Bekannte, sondern auch die früheren Zöglinge der Anstalt, so weit diese zu erreichen waren, eingeladen und war in Folge dessen ein zahlreiches Publikum zu der Festlichkeit versammelt. Eröffnet wurde dieselbe mit einem ernsten Musikstücke, davon einem Zögling des Instituts auf dem Piano mit vieler Fertigkeit vorgetragen wurde. Hierauf folgte eine ergreifende Rede, von Herm Dr. Nathan gesprochen, in welcher dieser auf Schiller'- Einfluß vom sittlichreligiösen Standpunkt hinwies und erörterte, wie derselbe durch die Reinheit und Lauterkeit seiner Gesinnungen insbesondere zum Lieblings-Dichter der Zugend geworden sei. Der Redner schloß! mit einer warmen Ansprache an die Zöglinge, denen er> eS an das Herz legt«, diesen Dichter in allen Lebensverhältnissen als einen aufrichtigen undetreue» Freund zu betracht,». Don der wohlbekannten Lehrerin Fräul. Wolffsohn wurde darauf der jüngst componirte Schillermarsch vorg^tragen. Es folgte nun der sehr gelungene Dortrag de- Dialog-' zwischen Schiller und dem Herzog aus Laube'S „Karlsschülern" und die Verlesung de- Briefe- Dalbecg'S, in welchem dieser über die Aufnahme der „Räuber" auf dem Mannheimer Theater berichtet. Unter den Klängen einer ergreifenden Musik geschah jetzt die Enthüllung des bekannten Bildes: „Die erste Vorlesung der Räuber von Schiller" und einer Mit Lorbeer» umhüllten Schillecstatue mit den Worten Theodor Komer's: ,^rinen Grabstein kann die Zeit zermalmen, deine Lorbeem werden dort zu Palmen!" Zwei Kemverse aus dem Epilog zur Glocke, mit Wärme und Begeisterung declamirt, schlossen diesen ersten Theil der Feier, deren Träger vorzugsweise der Festredner selbst war. Nachdem die Zöglinge, welche sämmtlich mit Schillermedailleo geschmückt waren, schon vorher in begeistertesoch.äuf den Dichter eingestimmk hatten, begannen die Recitar onen derselben, welche mit einstimmigem Beifall ausgenommen wurden. Zunächst „das Lied von der Glocke," bei dkm 14 Knaben milwirkten und welches auf eine höchst interessante Weise gewissermaßen inscenirt war und von musikalischen Vorträgen begleitet wurde. | In ähnlicher Weise, indem theilS einzelne Knaben, theils ein« größere I Zahl derselben beschäftigt war, folgte «in? Scene aus den Piccolomini, die Worte des Glauben-, die TheilunZ der ' Erde, der Alpenjäge^, das' Mädchen aus der Fremde, zwei! Räthsel und das Liedi an die Freude. Von den Musikstücken, ' die noch während des RecitirenS der Gedichte vorgetragen! wurden, nennen wir noch die Teil-Ouvertüre und den I HochzeitSmarsch aus > der Musik zum Sommernachtstraum.! Noch lange wird d^ese Frier bei den Theilnehmem eine ' angenehme Erinnerung zurücklassen. Notizen des Tages. Nach officiellen Mittheilungen kamen in Preußen in den Zähren 1863; bis 1857 durchschnittlich auf 16,168 Verbrecher nur 141 Juden, so daß von 114 Verbrechern erst einer Zud« war, während in Preußen auf 66 Seelen ein Jude kostimt. - I Abermals ist der Hauptführer der Junkerpartei in Preußen Ehef-Präsident von Gerlach bei einer Nachwahl zum Abgeordnetenhause durchgefallen, und diein dem früheren Hauptplatze dieser Partei, im Polziner Kreise. In Nordamerika wollen jetzt die jüdischen Gemeinden durch Delegirte «ine» Mittelpunkt schaffen, durch welchen sie alle gemeinsamen Angelegenheiten, mit Ausschluß des Cultüs berathen und ausführen wollen. Der frühere Lord-Major David SalomonS hat. den Orden der Ehrenlegion vom Kaiser der Franzosen erhalten. In den Donau eine Eonstitution pub ürstenthümern ist einmal wieder feiet worden, die jedoch alle Rechte

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