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Jüdisches Volksblatt · 1860-01-01 · 1 (1860) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1860)
Issue
1 (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 unter dem Titel 7 „Dritte Wanderung nach Palästina im Jahre 1857." herausgekommen. Die „AugSb. Allg. Zeit." enthält eine Kritik dieser Schrift. auS welcher wir eine Stelle hervorheben, die eine glänzende Anerkennung de- Jüdischen Volkes enthält, eine Anerkennung, welche um so erfreulicher durch ihren Platz in einem, den Juden sonst übelgesinnten Blatte ist. Söe lautet: . „ Sind die Reisebemerkungen VeS Verfassers im allgemeinen vielseitiger, hier und da selbst feiner und gründlicher als bei manchen feiner Eoncurremen, so cheitt er doch mir allen seinen Vor- und Nebenyangern diesonderbare Eigenschaft, um nicht zu sagen engherzige Beschränktheit, niemals und nirgends etwas zu Elfte und Nutzen, zu Preis und Lob der früheren Besitzer Palästina'-, der.Kinder Israel, vorzudrinqen. Und doch hätten die Christen, besonderdie Deutschen, viele Sünden und große- Unrecht gegen damerkwürdige und hochbegtzbte, weiland kriegerische Bauernvolk der Juden gut zu machen. Oder erlaubt etwa unser Jahrhundert nicht jedermann gegen jede Ueberzeugung und gegen jede nachhaltige Krafterscheinung gerecht zu sevn ( Vergleicht man die jedesmalige Weltlage und die zermalmende Uebermacht defeindlichen Angriffs, auf der einen Seite mit der Kleinheit de- Lande- und mir der Schwäche der Hülfsmittel der jüdischen Abwehr auf der andem Seite, so darf man ohne Scheu behaupte»: kein Volk des AltertkumS habe mir so viel Mutb, St.mdhaftigkeit und Todesverachtung Freiheit und Gesetz yerrheidigt wie Israel. Wie ärmlich und lahm hat Hellas gegen die Legionen, Stand gehalten! Und man weiß in der Tdat nicht, ob, außer den gepriesenen Hellenen, noch irgendwo auf der civilisirren Erde ein zweiter Nationalcompler so aufgelöst und innerlich verkommen war, um nach der ersten Unterjochung keine allgemeine Insurrektion zu wagen. Doch: selbst dastreitbare Gallien glaubte nach der Niederlage de- Derringetorir und der Uebergabe von Alesia da- Joch der römischen Dienstbarkeit ohne weitere Protestarion in Geduld tragen zu müssen. Hingegen die Juden erhoben sich, durch daunglückliche Ende dekrsten großen Aufstandes unter Nero und Vespasianus und durch die furchtbaren Scenen von sNasada und Jerusalem ungebeugt^ fech-undsechzig Jahre nach dem Brande der Hauptstadt »nd de- Tempelunter Führung ihrer Schriftgelehrten zum zweiten Mal in allgemeinem, verzweiflung-vollem Kampf gegen die Tvrannei von Rom.*) Nur mit Mühe und nach entsetzlichen Gräueln vermochte die Gesammtmachr der Legionen Hadriandie ausgebrochene Bewegung wieder;» ersticken, und durch Ueberwältigung deneuen Centralpünkteder Insurrektion in Bet-tir der besorgten Welt vor dem verzweifelten Freiheitssinn der Kinder Israel endlich Ruhe zu schaffen. Schade daß der letzte „Schmerzensschrei" Judäa's nicht gleich dem ersten seinen FlaviuS IofepbuS gefunden bat, und daß er nur in dm mangelhaften Bruchstücken eines i Dio CaisiuS oder im Bilde phantalstischer Ungeheuerlichkeit der Talmudisien auf unsere Zeiten gekommen ist. Die Grabstätte der,juüischen Nationalunadhängigkeit ist indessen heute noch wohl bekannt. Sie liegt in einer fruchtbaren und wasserreichen Gegend, etwa vier Wegstunden westwärts von Jerusalem, auf einem mit modernen Ruinen bedeckten *) Xec Bers. spricht hier von Cett Aufstande unter öai» Lochba Red. d. L. Z. d. Z. 'Hügel, im Munde b, lmwohner „Juden-Ruine, Okoerdet el*Jeliud" genannt. Auch ein Dorf Bet-tir ist in; nächster Nahe noch t bewohnt." „Alle diese Oert »keilen hat der Verfasser <102 ff.) wiederholt besucht, di Namen Bet-tir, Bether und Bither mit gewohnter Schars kritisch abgewogen, den „entzückenden Wasserreichthum"1nd die strategische Opportunität der Lage nicht übersehen, sich die kriegerischen Ereignisse nach Robinson kur; beruh!, sie aber nirgendmit gehöriger Warme und mit gebiiendem Nachdruck herau-gesiellt und anerkannt. VielleichPintersagte ihm die ganze Anlage seines Wanderbuche- K> sein helvetisches Christenphlegma in gleicher Weise denüdischen Freikeit-bestrebungen mit -besonderer Gunst zu pdenken. Tadeln will man diese Richtung nicht, aber f beweist, daß der berühmte Lagunenspruch: prima siani Veneziani, e poi Cristiani, nicht Bekenntnißwort Dr. ÄlerS ist. AuS demselben Grunde mag ihm auch der Unpnb nicht aufgefallenssein, daß sich vorzüglich in der Rundem Bet-tir der Beisatz „Choerbel“ (desertus vasiusquc lois) an eine Unzahl von Dörfern hängt — ein nicht gaq schwaches Argument, daß der Sitz degroßen Kampfe- Wirklich um Chörbet el-Jehud gewesen ist. Bekanntlich wurdetsnach Erstürmung de- Hauptquartierder jüdischen Inspektion die Häupter der Patrioten militärisch hingerichtet, stinv zugleich alle Ortschaften des rebellischen Landeverbtznnt und demolirt, was bei dem vorherrschenden Steinbai selbst für ein zornentbranntes Heer keine leichte Aufgabe jar. und innerhalb der heutigen Chörbetdörfer im wesenkchen seine Grenze gefunden haben mag. Die Nachkommen kr Jnsurgfnten von Bet-tir leben aber heute noch, zwar gtppenweise zerstreut über, den ganzen Erdboden, .aber ungebroienen Muthes und im Geist ihres heldenmuthig vertheidigm Gesetzes doch vereint zu einer unzerstörbaren compactenNationalität. Vielleicht ist dieses Volk heute sogar zahlrecher, und trotz seines confiskirten Landein der Wagschle der menschlichen Dinge schwerer wiegend, als es selbst in-er Blütkezeit seines Staates war. Es ist ein alter Streitsitz der Philosophen: ob der Mensch oder da- Uebel — die uns überall verfolgende ultio des Tacitus — stärker sei. Die Juden haben das Problem entschieden, und den BeveiS hergestellt, daß der willensstarte Mensch der feindlichen statur, ja dem Fatum selber, überlegen sei. Das Argummt war freilich lang, und es bedurfte achtzehnhundert Jahre voller Kampf, Widerstand, Leiden und Geduld, bidie bösartige Gewalt den ganzen Borrath ihrer Kraft erschöpft und den letzten Pfeil verschossen hatte. Das war gewiß der längste Krieg, von welchem die Geschichte zu erzählen weiß. Jetzt ist der Streit zu Ende, und wenigstens eine Ungerechtigkeit weniger m der Welt. Israel hat da- Spiel gewonnen, und beginnt nun die Ernte säkularer Arbeit und Noth einzuthun. Von den Sueven sagten die alten Deutschen: sie seien so stark, daß ihnen ne dii quidem immorlales pares esse possint. Auf die Frage: ob nach der langen Gefahr das Gefühl der Sicherheit und des unbestrittenen Genusses am Ende nicht etwa dadiamantene Gefüge des Mosai-mulockern müsse, kann nur die Zukunft Antwort geben. Gewiß ist nur, daß die Künste der Ueberredung und des Syllogismus theologicuS heute noch ebenso machtlos sind,

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