Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1860)
- Issue
- 1 (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdiches Kolksblatt. Zar Refehrung und^nterhaflung auf jüdischem ^elttele. Herausgegrben von Rainer vr. Ludwig Philippsoll in Magdeburg. [Mo. 1. 1860.1 tif «icitirtiriu «rfctxiat wocheullich rin« ttvnmrr. Preis de» Jahr« gang» ßhtr. r»ieneljahri- 7 R§r. »Uc Puchdanrlunqeil, Poftamier und Zkliunarcsp^ktnoorrr »e-me» BrkieUungcn »A. -- - - (7. Jahrg. 1. Quartal.] @ I ft d Wir haben diese Ueberschrift nie gewählt, um unfern Lesern zum Beginne deneuen IakckngS ein „Glü«< auf!" zuzurufen, da wir von Herzen dl ganz« Jahr hindurch ihnen das beste Wohlergehen wünsen. Auch nicht, wa« in den Ohren so Mancher besser küßt, ein laute- 21V bt« . .— denn wir sind kein Freund dier Gratulationsformel;! da sie — denn sie heißt eigentlich* guter Stern!" einen! astrologischen, also abergläubischen Beigeschmack har, und wenn auch der Kaiser Napoleon o> von seinem „Sterne" sprach, und der dritte Napoleon ih. auch bierin nachahmen soll, so mag <- großen Geistern eüudr sein, etwa- Ader-1 glauben zu hegen, da si, sonsiigeVorzüge genug haben,! wir kleine Geister aber müssen ein» Vorzug darin sinben, jeden unjübischen und jüdischen Atrglauben von uns fern zu Hallen. Auch das ist nicht unsere AbsiL, den Leser heute damrt zu beschäftigen, worin eigentlich »ö wahre Glück bestehe, worin er eS zu suchen habe, wenmr eS in dauernder Weife erreichen will; such nicht einmal dmahnen wollen wir ihn von allem Haschen nach falschem ßlück, oder gar von jener Glücksjägerei, welche in der Regel »ur ins Verderben fthrt. Aber eine Phrase, die man öt von den Leuten Hort, oft von sehr vernünftigen und schafsinnigen Menschen, und womit sie vor ihrem eignen Bewißtsein und vor Anderen mancherlei Gebrechen und verfehlt Lebensbahnen verdecken wollen, mögen wir hier einmal »leuchten, und in ihrer irreligiösen Bedeutung Nachweisen die Phrase: ein und daandere Mal wiederholen solle, um da- Versäumte gut zu machen und den Schaden au-zubesser«. Sann pflegt sich an den verfehlt«» Moment ein lange-, mühselige« Ringen zu knüpfen, ein Kampf mit den widerwärtigen Winden de- Lebens, die unser Fahrzeug nicht vorwärt« kommen lassen, vielmehr oft «ioiröer zurückschleudern, nachdem-emir Anstrengung eine. Strecke-überwunden harre. Da hört man denn von selbigen Leuten den Au-ruf: „Ich habe kein Glück gehab^!" Sie schieden also der göttlichen Vorsehung unter, w!»-sie selbst verbrochen haben; sie schceioen der göttlichen Fügung zu, si« mit Ungunst und Täuschung verfolgt zu haben;! sie geben damit, selbst unbewußt, zu verstehen, daß sie wohl Kraft, Energie, Fleiß genug besessen, baß ihnen aber da- Geschick hie Gelegenheit entzogen, Gebrauch davon zu.machen, sonst würden sie e- Brgünstigteren wahrlich l gleir^ gethan haben. Wir wollen nicht läugnendaß Menschen Vorkommen, denen da- Glück Vielegleschsttm in den Schoß wirft, denen die günstige Gelegenheit sich so oft wiederholt, br< sie sie wirklich einmal ergreifen; über eine aufmerksame Beobachtung hat ungelehrt, -hast dieüberauselten der Fall ist, und daß vielmehr die Meisten derer, di« emporgekommen, eder Geschicklichkeit zu verdanken hatten, der Entschlossenheit, der Ausdauer, dem Fleiß«, mit denen sie die günstigen Verhältnisse benutzt^ hatten. Unsere Weisen habm die«!xlleS wohl gewußt und daher au-gesagr TV» ib pee» bi« “jb r* „ Eist kein Mensch, der nicht feine Stunde hat; „Ich habe kein Glick gehabt!" De- Menschen Lebensereignisse weben, wenn wir sie klar beschauen, allesammt durch zwei ßactoren gestaltet: durch die von Gott ausgehende Fügung der Umstände und Verhältnisse, und durch den Willen und die Tharkrafr de- Menfchen. Nun wird wohl schwerlich irgend «in Mensch in seinem Leben nicht einmal ein« so günstig, Fügung, ein so angemessene-Zusammentreffen der Umstände gehabt haben, daß, wenn er dieselben mir festem Willen und rascher Tharkraft ergriffen hätte, er nicht zu einem gedeihlichen Ziele gekommen wäre, und sich nicht audiesem Knotenpunkte seine» Geschicke« Drrgunst nach Vergunst entwickelt hätte. Aber viele Menschen sind viel zu langsam, viel zu trage, viel zu leichtfertig mit unwesentlichen Dingen beschäftigt, um de» rechten Zeitpunkt, die günstige Gelegenheit nicht vorübergehen zu lassen; selten ist e« dann, und auch gar nicht zu fordern, daß sich die Gunst de« Schicksalnoch e« ist also kein Mensch, der nicht nach seiner Art einen glückliches Leden-pfad beschreiwa und verfolgen könnt«, wenn er diesen,, da er sich ihm dardletet, schnell und entschieden betritt. Darum hinweg mit der Entschuldigung „ich Hab« kein Glück gehabt" — sonhern mir Emst nachgeforscht, wie edurch eigne Schuld gekommen, dm rechten Weg verfehlt zu haben. Diese Selbsterknmmiß wird vor ähnlichm Jrrthümem bewahren, und läßt un« jedenfalls die recht« demürhige und dankdaoe Stellung der göttlichen Vorsehung und Gnade gegenüber einnehmm. Eine glänzendie Anerkennung. Vor Kurzem ist von dem bekannten Palästinawanderer vr. Titu« Tvdler eine Beschreibung seiner letzrm Reise