Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 52 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 2)
- Language
- German
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in der ehemaligen Heimalb von dem Feuerrote zu rerrrn, und es war ihm in der Thar auch gelungen. den Cardinal sowie den Papst rür seine Zwecke \ zu gewinnen. Sehnsuchtsvoll Harne Portugal der eulschcjdhnden Antwort; die Bestätigung erfolgte inän. Da fanden ^ie Portugiesen in dem Erdbeben einen Vorwand. big Juden ohne Jnguisikion und Sckeiterdaueen gewaltsam zu morden. Allgemein hieß eS. die Neuen Christen oi^d ihre Unglaubig7eil verschuldeten das Erdbeben, wclcketz so schreckliche Verheerungen' anrichlere und im ganzeff Lande einen panischen Schrecken verbreitete. Die Mößche, stau kaS Polk zu trösten und zu beruhigen, benutzten diese Gelegenheit. um von allen Previgtstühlen gjgen diejenigen losrutonnern. welche die Juden oder die '»treuen Christen unter sich duldeten und Umgang mit ihtten pflogen, ja Ne stellten das Erdbeben als eine Strafe choueS für diese Duldung seiner Feinde dar und drohten mit einer Wieder« holung desselben., die ste sogar auf Zest und Stunde genau angabcn. falls das Volk in seinen Sünden beharren sollte. Dieses jcCodi, das nur willig solchen Aufhetzungen folgte, ließ nicht lange aus sich warten : die Neuen Christen wurden aus ihre» Wohnungen gejagt und mußten im Gebirge Zuflucht suchen.! Als diese Scene in Sarttarcm vorsi^l., besand sich zufällig ein Mann dort, welchen die Portugiesen. ihren PlauiuS, ihren Shakespeare, den Vater ^ibrer Komödie nennen. Es war dieses der Meister r.sj portugiesischen Dramas, der gefeierte Gil Vincente. - Der sechzigjäbrlge Grets erinnert sich jejneS schrecklichen Schlachrens. welches bei einer ahnUchen Gelegenheit unter den Neuen Christen verübt werde!, war; er belrachler mitleidsvoll die rüditchen Fraueniund die zu seinen Füßen liegenden Leichen, er siebt die^Wutb deS aufgeregten Volks, die Gefahr der unschuldigen' Sühnopfer, hört die unaufhörlich eiternden Mönche uyk run die beredten Anstifter dieser Jammerscene in tje nahe gelegene Franciscancrkirche. Tort erinnert der Phiestu Thaliens die' Prediger deS Evangeliums an il'je!wabre Mission der Liebe und VerjPhnnng und er. rer Dramatiker, ermahnt die Diener der Kirche mit folgenden Worten: ..Ehrwürdige Väter! Der hohe unk» erhabene Gott verlieb uns zwei Welten.' Die einev^ar immer unk wirk immer sein; sie, mir ihrer bimmiischch» Seligkeit, der dauernden Rübe, dem ewigen Frieden, her Rübe ohne Streik, dem Vergnügen ebne Störung, her triumpbirenden Eintracht, das ist die 'eine Welk. Die andere, in welcher wir leben. erbaute der allmächtig^ Gon in setner unergründlichen WeisbcN: ein Ganzes obste Ruhe, obni bestimmte Festigkeit, obne sicheres Vergnügen. ohne währenden Glanz; alles in dieser Welt ist kur^, allrS schwach. alleS. voller Lug. voller Furcht, voller'Verdruß, alles man. alles unvollkommen. Durch die Äegensätze muß die Vollkommcabeir der Glorie jener ’5Jelt anerkannt werten; damit wir unS von ihrer trostl ringenden Harmonie noch beff.r überzeugen, erzeugte der Allmächtige in dieser Welt alle Bewegungen unk die Neigungen und die Leidenschaften. Nichts toll üuf dir Erdoberfläche von beständiger Dauer fein, deshalb be.: ändere Gott in der Weltorknung. daß ein Zusianvrem . ndern ein Ende fetze unr daß jeccr Glanzsene auch die Sc>altenseike folge. Folgt nicht der Schönheit des Früblings die Glutb des Sommers? Naht nicht der irdischen Eitelkeit dir Hoffnung nach dem Tode? Folgt nicht dem blühenden Aussehen Hinfälligkeit und Schwache. dem kraftvollen Mauueealter Gebrechen und Leioen. der Gnnst der Fürsten Neid und Argwobn? Folgt nicht dem Reichtbum Mangel und Enrbebrung? Werren nicht starke und bobe Bäume durch die Heftigkeit der Winke entwurzelt? Stürzen nicht schöne Tempel und prächtige Gebäude durch Erdbeben zusammen? Durch diese Naturerscheinungen sind schon on viele Hauser, viele Städte in verschiedenen Theilen des Landes zur Erde geworfen. Derartige Ereignisse aber find Wirkungen der Natur und deshalb nicht verzeichnet worden, wie es alle kiejeniaen sind, welche den Wundern anbeimsielen, wie der Kriekenslempei in Ronl, welcher ganz plötzlich in demselben Augenblick zusammenstürzte. als die Jungfrau gebar, oder das Verschwinden der fünf volkreichen Städte Sodoms, das Versinken der Aegvpter im Rotben Meere, krr Untergang derjenigen, welche gegen Moses und Aron, murrten, die Zerstörung Jerusalems — sie waren wunderbar, geschehen durch unmittelbare Fügung des Höchsten: ste wurden als Wunder verzeichnet. Erdbeben fanden in rer Geschichte nie eineir Platz. Ich berbeure, daß dieses fürchterliche Erdbeben nicht Knnbgebwng des göttlichen Zornes gewesen ist!" - Auch die tbörichte Propbezeibung rer Mönche, daß arn 25. Februar die Erde von neuem beben und das Meer sich erbeben würde, würdigte Gil Vicenrc einiacr Worte der Widerlegung. Er versicherte, daß ..weder Seraphim, noch Engel, noch Erzengel, weder Mann noch Weib, weder ein Heiliger noch eine Heilige, daß kein Staubgeborencr so vermessen sein dürfe, die Plane rer Vorsehung ergrünten zu wollen: ein bevorsiebeudes Erdbeben wisse niemand als der Herr allein." ES gelang dem vorurtbeilsfreien Dramatiker, Rübe und Frieden da berzustellen, wo die ..Diener der Kirche Drachenzähne gesäer hatten"; er betrachtete'diese Tbat als einen der schönsten Dienste, welche er ie seinem Könige erwiesen. Gil Vincente stattete selbst seinem frömmelnden Monarchen Bericht über diesen Vorfall in Santarem ab und kdeilte ihm seine Reden mit. Nachbemerkung rer Redaction deS ..Jür. Volksbl." Als ras Verbannungsvecret des Königs Ferdinand 141*2 über die spanischen Juden erging, verließ bekanntlich ein großer Tbeil derselben das Vaterland, setzte sich allen Gefahren und Mübsalen der Auswanderung aus. um in fernen und fremden Ländern dein Gotte treu zu bleiben, den sie erkannt und verebrren. Ein anderer Tbeil ließ sich tauten und, während sie äußerlich den Vorschriften und Gebräuchen der katholischen Kirche sich unterwarfen, üblen sie heimlich die Vorschriften und Gebräuche ihrer angestammten Religion. Ob die Individuen dies tbaten oder nicht, sie blieben als „Neu Christen" vom Volke abgesondert und gehaßt, und von der Jnguisirion verfolgt. Jenes metzelte in wiederholten Aufständen sic haufenweise nieder; diese sühne sie einzeln, aber zu Tausenden auf den Scheiterhaufen. So erfuhren sie das bitterste Schicksal ihres Volkeohne die Tröstung der Glanbensrreue zu haben. Es ist VaS Schicksal, welches t