Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 52 (1859) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
52 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/4908862-5999350-6000951--1514-4910053
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Jüdisches Vvlksblatt. Zur! unn und llnteröaTtuua nuf iüötfcfiem i JüpfrOrung uuö Auterhuftuug nuf j HerauSgegedm von ischem gebiete. Rabbiucr Ve. Ludwig Philippson in Mägde! uxg. lNo. 32.1859 ] Boa dieser Zritschr^It erscheint wöchentlich eine Nummer. Preis drs Iabrgaazs I T»lr. Vierteljadrig 7>,Ngr. Alle BinböaAdtnogen. P>stämter und Zettuazs«kverit»onea aebmcu Bestellungen an. C [6. Slahrg. 4. Quartal] X f ft ä ii n f m n ch u n fl. Januar 1860 beginnen wir den siebenten Jahrgang dieserZeitschrift,—JBii werden eifrigst forlfabren, den Inhalt derselben möglich belehrend, anregend und unterhaltend Schriftsteller ihre Beihülfe verheißen und bereitin schönen Beiträgen bewährt Die Eigentbümlichkeit de- Jahres nölbigt- UN-, diesmal 53 Nu zu macken, wozu uns sehr namhafte haben. nmern;u geben. Die Redactiou. Das Erdbeben zu Santarem. Bon M. Kavsrrfing.*) Die Neuen Christen oder geheimen Juden nehmen in der neuern Geschichte der Pyrenäischen Halbinsel eine zu merkwurrige und beteutngsvoUe Stellung ein, aldaß wir auf diese in ihrer Ar» einzige Erscheinung nicht zum^ öftern die Aufmerksamkeit unserer Leser lenken sollten. Durch bekehrungSwüthige Geistliche zur Taufe getrieben, lebten sie . dem äußern Schein nach al- Christen, in der Tbat jedoch waren sie den Grundwahrheiten de- Juden» tbumS. ihrer Siaminreligion. so tre^r geblieben, daß sie die ihnen gewissermaßen zur Gewohnheit gewordenen religiösen. Gebräuche mit Sorgfalt beobachteten und mit den jüdischen Observanzen in die geheimsten Gemächer ihrer Wohnungen stüchreten. Ueber zwanzig Jahre hatten sie rnlter Unbill und ^Verfolgung desie hassenden Volkin Portugal verbracht, alder große Manuel, der Beglücker! seine- Reichs, starb. An seinen Tod und den Regierungsantritt seineschwachköpsigen Sohne-, Johanns III.. knüpft sich eine neue Epoche für die Neuen Christen. Wie auch Manuel, verleitet durch die Liebe zu seiner Gemahlin, der spanischen Jsabella, dieser der großen Mutter so ähn». lichen Tochter, die Anhänger dejüdischen Glaubenverfolgte und mißhandelte, so ist doch nicht zu läugnen. daß er in den letzten fünfzehn Jahreo der toleranteste Fürsl. geworben war und den früher von ihm Gehetzten königlichen Schutz angedeihen ließ. Ganz anderverfuhr sein Sohn. Johann hatte sich ganz der Geistlichkeit in die Arme geworfen. — Daunter dem Vater herrschend gewesene System der Toleranz wurde verworfen. daalte Ministerium entlassen und ein neueaus Männern im Prieftertalor zusammengesetzt. Jetzt war auch die Einführung der Jnauisition mit Gewißheit zu erwarten; denn Johann war absoluter Monarch und der Monarch wünschte da- Tribunal. Ist aber in dem Gemütb eineunum» *) Au- Pr uv' Museum. schrankten Herrschers gehr sie auch früher dem Willen dcS gesellte sich Volks. Die unkeri Christen, wie der einmal eine Idee aufqestiegen. so oder später zur Thar über. Zu König- und seiner geistlichen Rärbe der ioimer lebhafter werdende-Wunsch, de- BolkSklaffen verabscheuten die Neuen önig selbst sie haßte. Während dieser LLs. religiösem Far atiSmuS ibr Verderben begehrte, so erweckten bet dem Art da- Verlangen Volke bcsopverS Interessen materieller sie gänzlich vernichtet zu sehen. Der Handel, derWeichtlmm. die Industrie lagen in den Händen lüdenrace. Neue Christen batten sich «»stellen emporgescbwungen und sogar waren nicht selten in ihrem Besitz. atiSmüS mit DolkSwntb. Unwissenheit der verabscheuten zu den höchsten Ed geistliche Pfründen So paarte sich Far mit Aberglauben. Plötzlich setzte ein Naturereigniß auch die etwa »och schlummernden Geirüther in Bewegung und beschleunigte die Einführung des menschenmordenden Tribunal-. Kometen, Erdbeben und ähnliche Phänomene sind ihrer räthselhasten Natur und ibreanscheinend wunderbaren Eintreffens vegen nicht nur Gegenstand deS StaunenS, sondern deS Bangen- und der abergläubischen Furcht auch noch heute; im wie viel mehr mußten sie in jenen mittelalterlichen Anken. im katholischen Portugal Veranlassung werden,|£in leichterregbare- Volk zu alarmiren und Crceffe gegen eine verabscheute Race bervorzurufen. Ein- Erdbeben wurde nämlich zu Santarem. in der Nähe der Hauptstadt Portugal-, 1531. in demselben Augenblick verspuit, in welchem die portugiesischen Gesandten bie Erlar bniß zur Einführung der Jnguisition beim apostolischen Atuble nachfuchten. Der heilige Barer, an und für sich dm Ketzergericht abbold, trug zum nicht geringen Erstaunen der Bittsteller lange Bedenken, seine Genehmigung zu^ertheilen. .Erst später durchschauten sie die Motive seiner hartnäckigen Weigerung, alsie erfuhren, daß Cardinal Puecki, seinerzeit der einflußreichste Mann der Curie, einen jüdischen Freund portugiesischer Abkunft Hane, welcher asiedaran setzte, seine Glaubez^brüder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.