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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 50 (1859) · p. Seite 199

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
50 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 199 (sequence 3)
Language
German
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199 Kosaken und dem ander» tauscndffngrigen Ungemach der Bellona. Keine Kugel, nickt Seuche batte den Arzt gelödtei, die Beresina batte ihm ein kühle» Grab bereiicr, d,e Eissckollen bildeten seinen Sarg, da» Jammern der Ertrinkenden. da- Seufzen der Verfolgenden war seine Grabmusik. ‘ So meldete der immer und immer neck ans Nack« rickt darrenden Braut ein BerufSgenoffc des Unglücklichen, ein PredigerSsohn auS der Nachbarschaft, der glücklich dem ' Verderben entronnen war. treu zu dem Verstorbenen gehalten und nähere Kunde über Esthers Geschick durch ihn erhalten hatte. DeS alten Vaters 'Angst und Ahnen war in Erfüllung gegangen. „Wenn diesem Sohne, aus dem Wege, welchen er gebt, ein Unglück widerfährt, dann wird mein graues Haupt in Kummer in die Gruft fahren", so haue er sich oit gesagt, wie der Stammvater Jacob, und so war es. Er batte bald daS Irdische überstanden. Esther war keiner Lhranc mächtig bei der schrecklichen Kunde, sie sprach kein Wort. Der Wahnsinn war in den Tempel ihre- Geistes durch die mit ihrem Herzblut besprengte Psone deS furchtbaren SeelenschmcrzeS eingezvgen — die schöne Jüdin, die. tugendhafte Drantstislerin. die »reue Braut ward eine traurige Hülle ihres früheren Glanzes. Jbr Haar bleichte, ibre Gestalt siel zusammen, sie schlich als jugendliche Greisin umher. Niemanden störte unv beirrte ihr Wesen. Du kannst sie noch sehen, betagt, baßlick, eine Jammergestalt. So wankt sie durch die Straßen der Stadt bis zur Gegend, wo ihres Paters Haus stank. Jetzt ist dort ein Trockenplatz. Mit dem Stocke zeigt sic die Stelle, wo der Tisch in der Wohnstube gestanden und vor dem Tifcke den Stuhl, auf dem er gesessen und dann benscht sie, so viel sie vom Tischgebete noch weiß. Die Straßenbubcn verfolgen ne oft und rufen: „Esther, wo ist Tein Haman?" Dann entflieht sie, wie ein gescheuchtes Reh. mit einer Geberke. als brenne eS lichterloh, bis zum naben Flüßchen, wo sie still stebr und die Hand ausstreckk, wie um einen Ertrinkenden zu retten. Die grausige Nackt ihres Geistes ist noch Himmelswobltbat gegen die Wüste deS freudenlosen TaseinS, die ihrer gewartet. ..Und Aschkinaß? Und Leib?" srug ich bewegt meinen Freund! „Ach", antwortete er. ..Du willst ethischen. Schluß. Sühne teS Unrecht-, Vergeltung — hier ist sie. Beide batten sich alö Helfer und Bediente von Lieferanten Napoleonscken Auriliar-Truppen angeschloffen, waren aber in Polen geblieben. wo sic in den geängsteten Dörfern alS Marodeure reiche Beute erpreßten und. immer frecher wurden in ihrem frevlen Ucbermukhc. Ihr Unstern wollte, daß sie auf dem Rückzüge in dasselbe Dorf und zu demselben Bauer bettelnd kamen, der durch ihre Plünderung zum armen Manne gemacht war. Sie flohen zwar bei seinem Anblick, wurden aber von den mit Sensen und Mistgabeln nacheilenden Bauern ergriffen und starben Beide einen Tod. den nickt eininal das Uneffaneh Tokepbgebet kennt. Leib — eS ist buchstäblich wahr — legten sie platt mir dem Gesickr aur die Erbe. Hände und Füße wurden durch Stricke festgebunden — und nun trieb die gereckte Volksrache in beklagenswertbem Ercessc 2 Pferde mit einer Ackerwalze übcr ihn weg und so walzten sie ihn zu Tode, zu Knotckenresten. r Aschkinaß. der sich auf einen Baum geflüchtet batte, wurde um einen starken Zweig gebunden und! nun begann daS „Vogelschießen". Von hunderten von Bolzen durchbohrt, blieb sein Leich. ,nam als Speise der Raubthrere. Auch die andern Glieder der Bande har die gerechte Nemesis erreicht, als I die Zeiten geordneter Ruhe und sicherer RechlSpsiene wieder erschienen waren. Schnabelmtne fristete ldr Kümmerliches Dasein noch lange sor^— der Schrecken rer Jugend beim Ma nach den Le Pen Dr. I. : eßbegierigeri. inS Backhaus dringenden zehbackrn. — Sonett die Erzählung meine- Freundes, der als literarischer MauUolirs ist den Gräbern assyrischer Mitige, im fernen Weltthkije. wenn ihm die Ohren klingen, gewiß nicht daran denkt, daß ick von seiner Schnabelmine erzähle! — Unv als die e Erzählung vor meinem Geiste eben vorüberg,zogen nar,!oa trug mich das schaukelnde Boot über die weißgrü > gesäuselten Wellen deS Rheines nach KönigSwinter, uid noch auf dem Drachenfelftn, beim G ühen des Sielengebirges in der sinkenden Abendsonne dachte ich weduiü ttig der unglücklicken Esther. — Erlaubt eS meine knappe Ruß^. führe ich Euch demnächst freundlichere Gestalten vor. I J.tzt aber, plaudite! Die Bäume rcn| t?c8 Talmud unv Midrasch, am^urger, Landrabbiner in Ltrelitz. > Fcilsshlliig an» Nr. 47. 4»., Ausführliche sind die Bilder, die übcr die Thaten und den zu e^arre^den Lohn deS Gerechten spreche». Warum vergleich^ der! Psalmist. so heißt eS. die Zukunft deS Gerechten zll, eineir Palme und einer Zeder nach den Worten: der Geheckte wird wie die Palme grünen, wie die Zeder auf deck Libanon emporsckießen (Psalm. 92,33)? Das soll uns aüs sollendes, sehr lehrreiche- Bild '.aufmerksam machen. 1 Unser allen Bäumen sind es die Zeder j und die Palme tzlleinj die durch ihren hoben Wuchs em- | porragen und wjeuhiii -gesehen werden/ so «daß Alle sie betrachten, bei ichnen Schutz suchen — tifi ist die Andeutung aus die Zukunft deS Gerechten, den Gott erheben wird, selbst noH im Diesseits. Die Zeder und die Palme, so heißt rt weiter, sind unter allen Bäumen wieder diejenigcff'allein, die, sobald sie umgrbauen sind, nicht einmal dürH Umpflanzung ihrer Arste so bald ersitzt werden können, olso ist eS.mtt dem Tode heS Gerechten, der nicht leickt erfttzt isird.*) Wie die Palme und die Zeder in ihrem Wuchse^fchlank und gerade ohne Krümmung und entstellende Nebepgewüchse dasteben, also sind die Gerechten ohne Krümmungen und Windungen — wie die Palme und die Zeder weithin ihnen Schälten au-senden, also weithin erstreckt sich der Lo^n der Gereckten, wie die Zeter- und Palmmitte nach oberh gerichtet ist. also lenkt sie daS Herz der Gereckten Äott ,u.' j>w.?*) Noch schärfer als *) Tanchuma lg. löj m: *jb y: und Bamibbar S. 175. **> Midi*. r. 1. M. Abschn. 41 und daselbst 4. M. Abschn. 3 ' und Tanchuma zu!Bamidbar S. 175.

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