Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 48 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Als der Aelteste mit dem Beispiele vorangegangen war. drängten sich die andern recht- und links an den Baron, um seine Hand an ihre Lippen zu führen und dem alten Herrn schien eS. als wäre ihm. schon lange nicht so wohl zu Muthe gewesen. elS hätte er fich schon lange nicht in so interessanter Gesellschaft befunden, wie eben jetzt. Er nahm baS jüngste Lmd auf den Schoß und reichte ibm Zuckerwerk, während er mit dem ältesten. Sohne über die Lehren der heiligen Schrift sprach. Als er fich in dieser Weise Aber den Stand der In« telli-enz in der kleinen Gemeinde Isak unterrichtet hatte, sagte der alte Herr zu der Witwe: „Seien Sie beruhigt, liebe Frau, ich werde für Ihre Linder sorgen." Und vr hielt Wort; den Lindern wurde eine glänzende Erziehung zu Theil und sie erreichten alle eine Stellung in der Gesellschaft, auf welcher der großmüthiqe Vormund ste mit Befriedigung sehen konnte. — — Und daS ist daS Recept zur billigsten und glücklichsten Versorgung der Linder. — Ein Uebelstand ist freilich dabei: der hochherzige Apotheker, der ein solches Recept respecürte, ist gestorben und wir wissen nicht, ob Jemand „sein Geschäft fortsetzl." R. Die italienischen Israeliten. (AuS dm Xred. Ur. de Fr.) Wahrend in Italien große Ereignisse vorgeben, die im Begriffe sind seine politische Gestalt zu verändern, ist es Pflicht der israelitischen Presse, sich ernstlich mit ihren Glaubensbrüdern zu beschäftigen, deren Verdienste zu ver» zeichnen, deren Fehler zu vermerken und sie auf dem Wege der (Zivilisation, der zugleich auch der Weg der Freiheit ist. zu ermuthigen. Wir sipd nicht mehr eine Nation inmitten einer anderen Nation, sondern wir sind ein Verein von Bürgern, den man noch verantwortlich macht für die individuellen Handlungen eineS jeden seiner Glieder. DieS kann ein großes Gut für unsein, wenn wir davon Nutzen zu ziehen verstehen. Indessen, wenn man danach urthrilt, wie die italienischen Juden sich in der letzten Zeit benommen, wenn man bedenkt, daß fie erst seit einigen Zähren als Menschen betrachtet werden, und zwar nur an einigen Orten, so steht man, daß fie sich wohl um daS Vaterland verdient gemacht haben! Sie werden sicherlich in den Journalen gelesen habm, daß Herr 3. Luzzati auS Triest eine Beue Methode gefunden hat, die Fieber zu behandeln, die sehr einfach ist, und die man für sehr nützlich erachtet. Die Israeliten haben nur die Beharrlichkeit ihm Vorväter in den Studien der Medicin nachzuahmen, und sie werden große Erfolge erzielen. Diese Wissenschaft, die während de» MittelalterS fast ausschließlich in ihrer Hand war. ist aufS Neue mit Eifer von unseren jungen Leuten ergriffen worden. Wir sahen zwei unter ihnen, Segre und Saluzzo und noch einen anderen, dessen Namen ich mich nicht mehr erinnere, schleunigst nach Suzo eilen, als die Erplosion einer Dampfmaschine, durch den Zusammenstoß zweier Züge verursacht, erfolgt war. Diese braven jungen Leute spendeten unentgeltlich ihre ganze Sorgfalt den unglücklichen Verwundeten und ernteten dafür den Dank, sowohl von Seiten der Eisenbahndirection, Viktor Emanuel, als auch von der Regierung. Dies von den Medicinern; «aS soll ich Ihnen aber sagen von Denen, die öffentliche Aemter beNkjiden? ES gibt deren an der Post, jm Finanzfach, in den Ministerien, in den städtischen Behörden; selbst einen Syndikus (Joseph Colombo) in einem kleinen Dorfe (Nichelliua in der Nahe von Turin), wanoch bemerkenSwertber, als wenn er dies in einer stark bevölkerten Stadt wäre, weil man ihn von Bauern, die viel abergläubischer sind als die Städter, gewählt und wieder gewählt sieht und in drei -hinter einander folgenden Jahren. Wenn man politische oder commrrcielle Vereine gründet,I so wählt man die Direktoren unter den Juden. Man w^rf, wie Sie wissen, unseren Glaubensbrüvern den Wucher vor; ich kann Sie versichern, daß mit wenigen Ausnahmen, dieser Vorwurf nicht verdient ist. Zch spreche von Piemont, wo die Jude« seit 1848 ihre Zeit und ihr Geld auf ehrenhaftere Weife anwenden können. Mehrere von ihnen haben den Handelsstand verlassen und Domänen gekauft. Werden Sie eS wohl glauben, daß die Bauern sich am wohlsten unter den Juden fühlen? Viele verkaufen im Einzelnen an die Dauern das Land,. daS sie im Ganzen kaufen. Ich weiß wohl, daß man in Frankreich diese Art Geschäfte nicht liebt, und wenn ich mich nicht irre, so nennt man diejenigen, die sich mit solchen befassen, zur „schwarzen Bande" gehörig. Ohne unS auf die Gründe einzulassen, .die diesen Handel in einem Lande verächtlich machen, während derselbe in einem anderen ^anz achtbar ist. betrachten wir dessen Folgen bei. unS. In Frankreich war der Bauer, der ein Stück Land von den Detaillisten kaufte. ruinirt. Um die Zahlung für dasselbe zu sichern, hyporhezirte er das väterliche Eibe, aber er mußte dieses bald fammr dem gekauften Stück. Landes verkaufen, und die Losten verschlangen AlleS. In Piemont hatte der Bauer einige Ersparnisse für sich, die er nicht anderverwerthen konnte, als dafür Land zu kaufen. Dieses Mittel war ihm durch die Juden geboten. Man hat öfter- Bauern ein Stück Land mit dem Ertrage von einem oder zwei Jahren höchstens bezahlen gesehen. Der Ackerbau hat dadurch sehr gewonnen und der. Staat bat in diesen Bauern treue Bürger erhalten, die. von jetzt ab ein Interesse an seinem Bestände haben. . WaS unsere niedrige Classe jüdischer Bevölkerung betrifft, so werde ich Ihnen nächstenüber ste berichten. Eie wissen, daß eS nicht in ihrer Macht liegt, plötzlich ihre Gewohnheiten zu ändern; Eie werden indessen jedoch sehen, wie sie dieselben schon vielfach verbessert haben, obgleich eS dieselbe Generation ist, die inmitten der Sklaverei geboren worden. Wir haben AlleS von ihr mit der Zeit zu hoffen, wenn wir eS verstehen, ste bei ihrer Wiedergeburt zu unterstützen. Aber jemehr die Israeliten streben, die Liebe ihrer Mitbürger zu verdienen , und - jemahr die Freiheit mit ihrem Lichte die Schatten de- Aberglaubenverscheucht, um so mehr suchen die klerikalen Journale diese- Verdienst zu schmälern und die Finsterniß zurückzuführen. Man las jüngstens in „Piemonle“ (einem Turiner Journal). davon dieser Richtung ist, daß uysere Armee sich befleckt Haie (bedenken Ste diesen Au-druck), indem fie die Juden in ihrer Mitte ausgenommen, ebeklagt sich, daß man schon über -0 jüdische