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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 46 (1859) · p. Seite 182

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
46 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 182 (sequence 2)
Language
German
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182 (Scinculrotcn. Als cS endlich kabin wider sw verlündet wart:' ' ..(Ls wird wider Leib -... aus ... und Aschkinaß von ta. wegen Tbeilnabmc am Morde, intellektueller Urbeber» schau an gewaltsamen Tiebstablcn. we^en Theilnabme daran. Raubes, (folg! der weitere Inder)« auf geschehene Anreigc, cingezogenc Kundschaft und erhobene Beweise, auf geführte Vertbeidigung;u Unbcil und Recht erkannt, daß Inauisitcn der Theilnabme am Morde, res RaubeS wcacn u. f. w. dem Nackrichler zu Händen unk Vairrcn geliefert und von demselben zur wohlverdienten Strafe, Ändern aber zum Abscheu unk Beispiele mit rem Schwerte, vom Leben zum Tode gebracht werken sollen. -Wie sie repn auch wirklich bierzu verurrbcilr werden. P. R. W." lächelten beide so.rubig und still, als wäre ibnen. eine Polireiürafe von 10 Groschen zudicrirr werden. „Aschkinaß naderte sich der Barrwre,, verbeugte sich und sagte zum Vorsitzenden bcbnisch: „Wir werden nicht appelliren. Wir Ulkten uns nur als Henkersmahlzeit zum nächsten SLabbcsj einen Blätter» lakschen aus. Den besten liefert die Garküche rer krummen Ssorch in der Kcilgaffe." ..Weder diese 9tuhe. angesichts der furchtbaren Strafen? Hierüber wird Dir das folgende (rapide! Astischluß geben", sagte mein Freund scherzend. „Nur die ')!eugierde, welche aus Deinem Gesichte brennt, seit ick - den Sarg erwäbnt babe, muß ick noch befriedigen.' In der Nabe von Leibchens Wohnort lag da- Torr' P.... Der ra;u gehörige Kirchbo^ war wobl ein Bieri^kstündchen davon entfernt, darr m rer H..schen Grenze. „Hs war nichts Ungewöhnliches, daß die Dorfbewohner, meistens arme Tagelöhner und Holzbauer, welche am'Tage il'uiu Broterwerb nachgeben mußten. anr späten Ab/nd oder iil frühester Dämmerung die Leichen der Lrrsange» -börigen bnrattelen. „Tao wußten die DoüanierS und GenSd'armen und hauen daraus weiter keine Acht. Nun hauen Leibchen und Aschkinaß hierauf folgenden Plan in Ver Zeit unserer Erzählung gebaut. „Der Pfarrer jcneS Dorfes harre eige nicht unbeträchlltche Summe az»s einer Eollecre für den Neubau seiner Dorrkirche an Stelle der alten verfallenen zusam» mcngcbrachr. ' Tas^Geld wollte er am a»tcrn Tage an den Vorgesetzten seiner Diverse abliefern. Des Nachtwurde er in aller Stille von vermummten Männern über-, fallen, mir seiner Hausballerin geknebelt und derganzen colleetirren Summe beraubt. Der alte Mann kennte sich nicht;ur Wehr setzen. Nur sein dicker, wohlgenährter Mops batre einige schwache Bestandsversuche durch Knurren und Bellen kundgegeben. .Da griff ibu die kräftige Kaust Leibchens unk nachdem er das zappelnde Tbier einige Male um den Kopf des zur Erde geftrecklm Pfarrers geschwungen baue, schrie er zu diesem „sebkapnroscho" und stach vor den Augen des Herrn mit einem spitzen Pfeile rief'in den Hals des treuen ThiercS. Dann stellten sie den mitgebrachten Sarg zwischen den Pfarrer und seine Dienerin, die beide dadurch zum Tode erschreckt um Schonung für ibr Leben baren. Der alte Mann erkannte sie nicht, noch verstand er ihre Sprache, .die Haushälrerin war "vom ersten Augenblicke des Schreckens sprachunv sinnlos geworden. Man batte also beite nichr zu fürchten und begnügte sich, die Gcldsäcke in den Sarg zu entleeren, auch die silbernen Kirchengeräthe, welche der neue Seelenbirt in Veranlassung der vielen jüngst in der Nachbarschaft stattgefunkcnen Kirchcndiebstable zur größeren Sicher» heil in seinem Hause beherbergte, darein zu thun. Der Zug setzte sich sodann schon in Bewegung, als Aschkinaß den Sargdeckel abnabm und mir Hobngelachter ansrufend: „Der Schäumer feblr noch", den blutigen Cadaver aus die Kirchengeräthe unm. Dann rüttelte er den alten Mann und sang lachend den Vers aus einem alten Gaunerlied: Gallach! Der Gans, der sich nicht lang bedacht, Ter schranzt (spricht) ich preb'ge bei der Nacht, Wenn Alles joschent in strenger Rub. Zwar löget (hört) mir dann Niemand zu, Doch glaubt, Herr Gallach. Freund und Feind Oü über meinen Sschel weint. „Ungestört folgte der Trauerzug durch die mitternächtlich stille Doristraße dem Sarge. Auf dem Ktrchbose angelangt, spähte man nach allen Seiten W^-unb als nirgends die Spur eines Menschen wabrgenommcir wurde, trug man den'Sarg in den naben Wald und vergrub ihn dort. Am frühen Morgen desandern TageS fuhr ein Wagen mit Holz in ras Tbor des Leibchen'scken Hauses. Die Nachbarn lobten den guten W«rtb, der an» ehesten«von ihnen für seinen Feuerbedarf sorge. Nur das billigte man nickt, daß fremde Holrbauer mitgckommen waren, so daß der Verdienst armen Städtern entginge. „Taber, mein Freund, der Sarg mit seinen Blutflecken. In derselben Nacht wollte der Vater das corpuz delicti zerhacken unk verbrennen, in welcher die Tochter vor dessen Awklicke sich entsetzte und wider Willen den Sarg den Flammen übergab. ' 5.! „Am Nachmittage vor der llttbeilspublication gingen die Gefangenen unter Aufsicht im Gesangnißhofe spazieren. Je paarweise gingen sie, wie die Noachilen. Man konnte dem Leib und seinem Gefährten die Angst vor dem Tage des weltlichen Gerichts vom Gesichte ablefen. Vergebens schauten sie nach den Mauern hinaus Bei ihrer Höbe war an keine Flucht zu denken. Da horch, Trompetengeschmttkkr. Trommelwirbel, Fußtritte, Wagengeraffel. Das Regiment ... zog vorbei, um in der Hauptstadt vor dem General Revüe zu passircn und sodann zu dem Armeecorps zu stoßen, ras sich dem nordischen Zuge des neuen (s'äsar anschließcn sollte. „Alles war draußen wieder still geworren, die Gefangenen sollten in ihre Zellen eben zurückkehren, als dickt vor den Füßen veS Aschkinaß ein zettelumklebtes Steinchen niederfiel. Schnell nahm er es in den Mund. In der Zelle machten sie beide daS Papier auf. Es war ein Blättchen, aus einem Machsor gerissen. Tarauf stand der Gcbetsvers:• „— Unsere Stimme wird von Abend aufsteigen. Und die Rechtfertigung wird vom Morgen kommen. Und unsere Erlösung wird erscheinen bis zum Abend —"

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