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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 46 (1859) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
46 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. — . 1_ Zur Belehrung und Anlerhaltung aus jüdischem Hebiete? Herau-gegebcn von ' > Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Magdeburg. . Mo. 4«. 1859.] Bon dieser 4eirslbrikt erscbeillt wöchentlich eine Kummer. Preis dev Iabrgang« I Tblr Bicrreljät>riz »>, Ngr. Llle Bu-bbanklnogen, P^stämtL und Zeitunzserpeditionra nehmen DesreUunzen an.- > [6. Iiiüig. 4- ÄjuartaL] Jüdische Criminalgeschichten. (SrjäWt vom Rechtsanwalt vr. Laim. II. Die Brandstifterin. 4. (Aoylctznng auS Br. 4!. 4». 4L.) „Tie ganze Thal des MatchenS sollte sichauf eine blose Fahrlässigkeit, auf das Resultat eines Streckens rcduciren? Den Netzen gegenüber, welche die gewandten Fragen des Inquirenten, ein diabolisches Zusammentreffen von Zufällen, eine ihr unbekannte Eriminalprocedur auSgeworfen, und täglich immer enger gezogen batten, erlag die Schwungkraft ihres Geistes, wie die Hoffnung ihres Berthcidigcrs immer mebr. „Wer je in der Lage gewesen ist, einen unschuldig Angeklagten im Gefängnisse und seinem Richter gegenüber zu seben, wer nicht mit der Gleichgültigkeit des großen Haufens, mu dem hausbackenen Verstände desselben, der immer in dem (Zirkel sich bewegt: „ES muß doch envas daran sein, sonst säße er ja nichts, sondern, sich selbst in die Lage des Armen denkend ibn überrascht hat, wenn er „in wahrer Todesqual fidi abwindel zwischen Furcht und Hoffnung, Vertrauen und Entsagung, Ingrimm und Ergebenheit, frohen Erinnerungen und bangen Erwartungen, der mag sich vergegenwärtigen, waS ein Mädchen gelitten bat, das im Gefühle der Unschuld Jahre lang im Gefängnisse in einsamer Zelle saß, angeklagt eincS.todes. würdigen Verbrechens, in Gemeinschaft mit Mördern und Räubern — und der Anführer derselben der eigene Vater!! — — „Endlich nach Jahren waren die Acten geschlossen, ans L^bergerichl zur Spruchfällung geschickt und mit den Erkenntnissen zu deren Publication an dic Juhattirten zurückgekommen. „Diese Letzteren standen Alle im großen GerichtSsaale in dichtgedrängten Reihen — abseits, mit grimmiger? Blicken vom Pater und den Uebrigen angesehen, die sanfte Dulderin. "Die Leiden der langjährigen Kerkerhaft batten stch :war mit blasser Tinte in ihr Gesicht geschrieben, aber dieses spiegelte immer noch den Adel ihrer Seele und die unerschütterliche Hoffnung der Unschuld wieder. „Als das Erkennt» iß, welches mit den Freisprechungen begann und kann!von den leichteren Vergehen zu den schwereren Verbrechen überging, den vollen Namen Esthers änfühne, richtete iüi das Mädchen bock auf,"ünd borchtcjcde Fiber ihrer Stele, angespannt mir unterdrücktem - Athem, einer Bildsäule gleich, zu. Es lautere: „daß Esther ../in ... in Anbetracht, daß sie 'nicht - rechlsbehorig übetwiesen ist, von dem rnigeschuldigten - Verbrechen der Brandstiftung für klagfr^ zu erklären, jedenfalls aber la dieselbe schwere und mannichfaltkge Jndicien auf sich geladen bat, daß sie solches gefährliche Verbrechen »er Brandstiftung begangen habe, sie derweil und uiit r dem Vorbehalte weiteren ErkenntnisseS im Falle r 'chtSerbeblicher näherer Entdeckung zu einer 15 Jabre ang andauernden, ibren geschiuächten körperlichen Umfti nden angemessenen, aber darum' nicht wenigrt gesicherrri Verhärtung im Zuchthaus«. wie auch zur Tragung de: Untersuchung-- und VerpstcgungS« kosten zu verunbkilcn sei/ V. R. SB.'' Wie wenn in c nein Vulkane die empörten Elemente kochen, gabren und zischen, noch wölbt sich der tiefblaue Himmel gewölklog über dem Krater und ringS baucht die Lanze Natur Fried ft und jede menschliche Seele und aridere Wesen'arhmrn ruhig da facht ein Dämon die Glutb an und die feirige, gierige Lohe, mit ihrem Rauche den Himmel versins ernd. mit Schwefeldamps alles Leben erstickend, mit fern Lavastrom alle Fluren versengend, entsteigt jach dem K achrn des Ungeheuers — so in Einen gewaltigen Schrei erplotirtcn alle zurückgehaltenen Gefühle des Schmelzes, der getäuschten Hoffnung. teS jabre. langen Kummers ur d als wäre fie vom Schlag« getroffen, wie todr brach das ünglückliche Mädchen zusammen. Die Publication wurde' rnterbrochen. Der Vorsitzende schickte nach weiblicher un» ärztlicher Hülse. Richter und Mitangeklagte blickten t'eilnabmvoll aus die Unglückliche, nur der eigene Väter, md ihr defignirter Ehemann blieben' ruhig stehen. ..Hat sie mich zum Bettler gemacht und inS-Uüglück gestürzt", rief der Alte dem Vorsitzenden zu. der ihm fein . liebloses Betragen wrhielt. „boruch dajon emnieß/ „Aber glückliche weife wurde die Hoffnung deS Vaters getäuscht. Aerztlichfr Beistand rief daS Mädchen bald zu “ sich. Sie wurde in eine der Stuben des GefangenwarterS gebracht, um dort his zu ihrer Abführung ins Zuchthaus, bei unmittelbarer Aufsicht, in besserer Pflege zu sein. „Tie Verkündig mg der Erkenntnisse wurde am Nachmittage fortgesetzt. Leib und Aschkjnaß erkannten daS ibrige^schon auS denjenigen gleich starb bezüchtigter

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