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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 45 (1859) · p. Seite 178

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
45 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
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178 ».'»Sperren und zischelten sie mit diesem Gefangenen, bald mir jenem, heule gaben sie einem ein Zeichen, morgen ILugAelen sie Sor dem Richter, daß fit den mit ihnen conironrirlen Leidensgefährten kannten, btzld baten fie den alten Mann um Speise, dann wendeten sie sich mit Abscheu von der verbotenen Schüssel ab. und immer lachren ne zusammen unk sprachen ihr kauberwalscheS Hebräisch, wenn, er seinen tfepf durch daS Tbürßenstercken steekre. VS war .ein glücklicher Fang, den die GenSd'armen an der Fraubornmüblc gethan hauen, deny er lieferte nicht nur die HauplrädelSfübrer. sondern, in Folge daran sich knüpfender weiterer glücklicher Nachforschungen, so ein Dutzend »Helfershelfer und Hehler in dile Arme der Gerechrigkeir. » ..Der Vriminal«^chtsdireetor selbst leitete die Untersuchung. Sie war.Äußerst umfangreich dprck die Zahl der Inculparen, wie durch die ideale und Leale Eoncurren; von Verbrechen. Einfache und gualifikine Diebstähle. Raub und Sacrrleg, im Einzelnen und in Landen, Branbstinungen. Freiheitsberaubungen, Körperverletzungen und Morde — alle diese strafwürdigen Handlungen sigurirten mit der Anschuldigung einegroßartig umv conseguent betriebenen Schmuggeleii'vstemS aut der Äctenregistrande. Die Masse der Einzelvernehmungrn, Eonfronrarionen, Localbesichligungen. ReauisitionSschreiben an auswärtige Behörden über den Leumund der fremden Eoinculpaien, die Eommunicationen mit Polizeibebörten wegen Auffindung und Herbeischaffung verborgener DiebeSwaaren, wiederbolte und weitläufige Unterhandlungen mit dem nächsten Gerichte deS Grenzst.iateS, welches beim. Mangel eine- EarkellvenrageS trotz der vorhandenen Eonnerität die 'orenfischen Eompi^en nicht auslieferte, sonder« selbst aburkbcilen wollte, der Erlaß von Steckbriefen und die Bewirkung anderer Vigilanzmaß^egeln —, alle diese Umstande batten dazu beigetragen. den eingrleiteten Proceß zu einem Monstrerroceß zu machen und die Acten riesenmäßig anschwellcn zu lassen. „Die große.Gewandtheit deS Inquirenten. seine Dertraulbeil mir der Diebessprache aus der Zeit der. da er am Rbein« Gelegenheit gehabt hatte den durch List und Verschlagenbeit. körperliche Schönheit u»d Riesenkräfte auSgezeichnerrn und berüchtigten Räuberbauptmaun MofeS Jsaac auS dem Elsaß und seine Spießgesellen — man wollte zu jener Zeit in Deutschland an 12,000 jüdische Räuber zählen — im Inauisiioriate keimen zu lernen, halfen zwar die meisten Schwierigkeiten überwinden, aber daS damalige mangelhafte Gefängnißwesen führte deren immer neue anr. ..DaS Gesängniß war tbeils in einem schlechkcn baulichen Zustande, in Folge dessen schon einige gewaltsame AuSbrüche mit .Erfolg auSgerübrt waren, theils war eS zu kleir/. so daß von einen: Alleinsetzen der Gefangenen keine Rede sein konnte, sondern trotz der Schwere manches Verbrechens, der Verstocktheit, Bosheit und der-sittlichen Entartung manches Verbrechernicht einmal eine Trennung der Geschlechter durchgesührt werden konnte und daß mithin die Aufstinung reuiger Mitgefangenen, die Colluüonen untereinander und die Kaspereien mit den taS Gefangniß umschwärmendr» Angehörigen die Untersuchung erschwerten und den Endabschluß immer aufschoben. „Nur ein einzige- Individüum saß in besonderer Zelle und wurde mit einer gewissen Schonung behandelt. Eö war daS unglückliche Mädchen. Ihr offenes und bescheidenes Wesen nahm nicht nur für ste ein, sondern eS war auch nöthig. sie vor den Mißhandlungen ihre» eigenen VaterS und feiner Eumpanen zu schützen, welche sie alS Geliebte deS jungen ArzreS für eine Verratherin hielten und sie tödlich haßten, weil sie Sslicheneh. (geständig) war. AlleS, waS sie in der.Kammer an jenem verhLngniß. vollen Abende wahrgenommen batte, war von ihr angegeben worden, sie hatte NickrS verschwiegen. Daß die Arme den Verdacht einer vorsätzlichen Brandstiftung und der Mitwiffenschaft an den Verbrechen ibreS VaterS und des Aschkinaß beharrlich von sich abzuwebren suchte, war daS nicht verzeihlich? Lag nickt ihre stete Angabe, daß nur durch ein schuldloses Versehen ihrerseits der Brand erfolgt fein müsse, so nabe? WaS wollte, was kennte sie gegen die gewichtigen Jndicien Vorbringen? Sie war die Tochter deS HauplverbrecherS Leib, die de« Y signirte Krau seines HauptbelferS Aschkinaß. daS Treiben dieser beiden Leute konnte ihr nicht verborgen sein, eS lag auf der Hand, daß sie an jenem Abend nicht zum ersten Male die Kammer mit den darin befindliche!» Gegenständen gesehen. DaS Erscheinen der berittenen GenSd'armen, die Schüsse vom Walde her müssen ihre Angst wach gerufen haben, der eigene Vater nebst Aschkinaß und dessen Köchin erklären sie für eine Person, zu der man sich deS angcschultzigtcn Verbrechens versehen könne, sie selbst gestehe, daß an jenem Abende nur sie die Kammer mit einem Lichte betreten habe, kurz darauf fei hier ein Brand auSgebrochen, ihre Aengstlichkeit den GenSd'armen gegenüber, welche daS Thor erbrochen hätten — sind diese Jndicien nicht so stark, so zusammenhängend und sich ergänzend, daß sie mit Nolhwendigkeit nur darauf -schließen lassen, Znquisilin habe an dem verbrecherischen Treiben ihres Vaters, wenn auch nur alS Hehlerin Theil genommen und wissentlich ein bewohntes Gebäude mit Gefahr für Menschen angezünvet? . Der Untersuchungsrichter war ein humaner Mann, aber ergraut in iinmer intensiver gewordenem. Mißtrauen gegen die- Menschen. fAortikyvag folgt) Davids ReuL. Den Rabbiner Bernhard Löwenstein in Botschowitz. Auf seinem Throne sitzet. Von Sckwcrmuth übermannt. Der golterkorne David, Der Fürst in Zuda'S Land. Gar arger Schmerz, ach, naget Ihm heftig am Gemüth, Da greift er schnell zur Harfe, Will fingen sich ein Lied. Er schlägt und schlägt die Saiten. Doch sie versagen ihm, Sie wollen nicht erklingen. Trotz seinem Ungestüm.

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