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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 45 (1859) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
45 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt Zur Letehrung und Unterhaltung aus jüdischem gebiete. Heraulgegcbm von.!' Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. Mo. 4L. 1859.] 6oa Vieser Arilschrift erscheint »öchenllich «ine Sknmnter. Brei» de« Jahrgangs 1 Lhlr BirrleljLhng 7',, Rgr. Alle Bnchbaorlonge», Postämter und ZeituagSerpeditionea nehmen Bestellungen an. , _B [6. Jjahrg. 4. Quartal.] Jüdische Criminalgeschichten. Erzählt vom RechtSauwall vr. Ealm. II. Die Brandstifterin. 3. (Fortsetzung au» Nr. 4S. 44.) „Leibchen und Lohnen Balwaker (ein früherer österreichischer Soldat) waren entsprungen. Der Letztere, ein kühner Schwimmer, hatte flch über da- Brückengeländer in den Bach gestürzt und war mit Hülfe der Dunkelheit im Walde entkommen. Leibchen, der schon einem GenS« d'arm. als er seinen Mantel gefaßt hatte, dadurch entgangen war, daß er ihm den bloßen Mantel ließ, hatte so eben von einem Anderen einen Hieb mit scharfer Klinge über die Backen erhalten. DaS Blut spritzte ihm in die Augen, aber die Gefahr ließ ihn den rechten Augenblick ersehen. Mit einem Stilet stach er den GenSd'arm inS Handgelenk, daß dieser wcherufend den Degen fallen ließ. Leibchen entkam. Durch den Wald irrend, schlug er den Weg nach seiner Heimath ein. Die Wunde hatte er mit frischem Ouellwaffer gewaschen, durch aufgelegten Schwamm und Compreffen den Blutlauf einigermaßen gestillt und so gelangte er mit verbundenem Gesichte am Saume des Waldes just zu der Zeit an. als die Feuer« säule seines brennenden Haufedie Umgegend mit TageS« helle erleuchtete. „Der Gedanke beflügelte feine Schritte, baß der Feuerlärm jede- Augenmerk von ihm abwenden würde. Und Aschkinaß mußte er um jeden Preis sprechen, dieser allein konnte ihn eine Zeit lang verbergen, dieser mußte ihm Raih und Hülfe schaffen. „Konnte er wissen, daß in diesem Augenblicke sein wackerer Gefährt, zwischen zwei Schleiferkarren, einherschritt, um nicht im eigenen Hause, sondern im Jnguist« toriare der Hauptstadt Hütten zu bauend „Fester zog er seine Mütze inS Gesicht und als ein sogenanntes Sturmfaß vorteifuhr, sprang er behend, wie ein Feuermann hinten auf und fort ging ,S im Galopp nach dem nahen Städtchen zu. „Wo mochte da- Feuer sein? Keiner wußte evon den RettungSleuten, denn sie kamen eben erst an und weit her. Da bogen die Pferde um eine Ecke — und Leibchen sah auS benj rauchenden Trümmern feineeigenen Hausedie Feuttlohe zum Himmel steigen. „WaS die Schrecken und Leiden der Nacht nicht vermocht hatten, dabewirkte dieser Anblick. Nicht die Angst um seine Kinder, aber der Schmelz um die verlorenen Güter, um hie Vereitelung aller Mühseligkeiten, um den Ruin der iaufgespeicherten Maaren, von denen fast jede ein corpns delicti bildete, bezwang seine herkulische Körperkrast, sein stahlgewappnete- Herz —. er fiel vom Wagen und blieb bewußtlos am Wege liegen. „Wohl öffnete er noch einmal die Augen, a^sr—alü ein auszischender Fevlerstrahl ihm da- Gesicht seine- Neffen zeigte, der kühn apf. einer Giebelmauer stand und da- Spritzenrohr lenkte. desselben Neffen. der ihn und seine Gefährten ins Verderben gebracht hatte, da umnachteten ihn Wuth.und Aergek^ er riß Tuch und Compreffen von sein» D»»de, um zu verbluten. Ein Glück" für ihn, daß er abflrttlag» sonst wäre er zertreten oder ükdr» fghrett worden. So wurde er dirrch Zufall bald anfgefunden und injüdische Krankenhaugebracht, freilich nicht ohne polizeiliche EScorte und öbne daß man gegen jeden Fluchtversuch die gehörigen Vorkehrungen getroffen hätte. „Die verfolgenden GenSd'aryien hatten ihn, wie wir gesehen haben, nicht erreicht, sondern eS waren einige von ihnen, nachdem sie wiederholt alS Signal für dlt nachfolgenden Sicherheit-beamtet, mehrere Schüsse abgefeuert hatten, nach scharfem Ritte just zu der Zeit vor Leibchen- Wohnung angekommen und begehrten dort Einlaß, al- Esther zum zweiten Male im Begriffe stand, in da- Hauder lAschkinaß zu eilen. Wada weiter erfolgte, habe ich Dir/schon erzählt. „)m Gefängnisse zu P... befände» sich eine solche Masse Arrestanten^ daß der alte Gefangenwärker. wenn er die langen Cotridore mit seinem schweren Schlüsselbunde durchächzte, Kreppe auf Trepp« ab in die dunkel^ Gänge stieg, „bei glethen und allen Helden seiner Jugendzeit" schwur/ er müsse feine mürben Knochen bei dieser Hauptaffaire lassen. Mit solchem Packe habe der alte Fritz sich nicht einmal herumzuschlagen brauchen. Und dawaren doch > wilde Kroaten und Panduren, keine -ande-kinder. Eber freilich die beiden Juden, ivelche unter den Gefangnen sich befanden, konnten dem gvt» müthigen Alter» alein da- Lebdn verbittern', denn bald G-

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