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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 44 (1859) · p. Seite 175

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
44 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 175 (sequence 3)
Language
German
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175 pfeift) gestopft. In lauter Kefel und Choze Kefel (Caro., linen und halben Carolinen) läge daS Geld da." „Chappt den Kaffer aber fest, denn er ist ein Rekuf (Soldat) gewesen", schloß er feine Rede. „WaS, Pached und Moreh", rief Leibchen, wenn low gebalkewert ist, wo'S Fuchs (Gold) steckt und Kessew, auf zum Schabbern (Einbrechen). Du Afchkinaß. schtwst (bleibst) hier als Schäumer." „Hurrab, daS ChaßnehrachmoneS (EinbruchSjubel) lebe", schrieen die acht Schurken und zogen ab, während Afchkinaß zurückblieb. „Aber eS war anderbestimmt im Ratbe teS Herrn. Den vielen Gräueln und Schandtaten der Räuberbande .sollte ein Ende gesetzt werben. „ES war nämltck am selbigen Tage der zum Dvctor promovirle Meier Mendel auf der Heimreise begriffen und da er den schönen Tag genießen wollte, zu Fuß unterwegs auf der Landstraße von N., wohin er mit der Post gefahren war, nach seiner Vaterstadt. Aler Vormittags in die Nähe de- Waldekam, an welchem die Straße eine Strecke Iqng vorbeiführt, sah er einen Mann schnell waldeinwärtbiegen, in welchem er seinen Rivalen Afchkinaß glaubte erkannt zu haben. WaS mochte dieser bier zu schaffen haben? Neugierde trieb unfern jungen Freund zur Nachforschung. „Wirklich fand er an der brtreffenden Stelle Grazertreten, Zweige zurückgebogen. Sr untersuchte seine Pistolen, ohne welche man bei der damaligen Unstcher^^ der Straßen nicht reisen konnte, und folgte der ©jwT Abetz bald hatte er sie verloren. . „Unkundig aller örtlichen Merkzeichen, vergeblich Zeinen gebahnten Weg hoffend, irrte er lange im Walde, bis er an eine Lichtung kam, in welcher ein Köblerhäuschen stand. Er eilte darauf zu, sei eum einen Menschen darin anzutreffen, sei e» um sich au-zuruhen vom stundenlangen mühseligen Marsch,. „Er wollte anklopfen, als die Thür aufging und ein bian die Zähne bewaffneter Mann berauStrat, in dem er sofort einen in der Poliklinik behandelten Menschen erkannte, einen früheren Sträfling, den da- Gerücht-«!- den gesürchtetsien Wilddieb bezeichne« und piit viele» neueren Miffethaten in Verbindung gebracht hatte. Der Mann schritt auf ihn zu und frug ihn, wa- ,S wolle. „3b demselben Augenblicke rief von drinnen eine Stimme: „CS ist ein Witlischer Maßik (ein Derräther), ein Rophe (Arzt), den wir poter sein müssen, sollen wir nicht in- BollerbajeS (Zuchthaus) halchenn." „Der yklang dieser Stimme durchfuhr den jungen Priester Ae-kulap-, ewar die feine- Oheims. Wüthen» de- Gelächter, welchediesen Worten folgte, zeigte, daß in der Hütte sich noch mehrere Personen befanden. „Der Wilddieb drehte sich nach der Hütte um und rief ärgerlich: „WaS soll ich mit dem Koten (Zungen) machen, medilbert (sprecht) ihr Heringmokemenrr (Hildesheimer) und Löwchen Medinrr!' (aus dem Großherzogthum Hessen). Er har mir einmal Rephueh (Heilung) gebracht, als ich auS dem Kinchen Mokum kuff (Casseler Zuchthaus,) plete gehalchert (entlaufen) bin und auf dem Dcrech nach Mokum Beß am Godel Majom (in Bonn) krank in X. gelegen habe. Dem Maffemattener (Leibche alS Anfuhr«) folge ich heute nicht/'' ,.Und mit diesen Worten, ohne eine Erwiederung abzuwarten, legte er -seine Hand auf die Schulter des ArzteS und sagte ihm gebieterisch: „Folgen Eie ml£" - „So führte er sihn durch Dick und Dünn auf unwegsamen Pfaden, übler Höhen und Tiefen bian einen Wiesenflcck. Hier'jtand er still. Er hatte unterwegs k.ine Sylbe gesprochen. „Jetzt sind wir quitt. Herr Doctor", sagte er. „Rettung für Rettung. Verfolgen Sie jene Lichtung und an der ersten großen Eiche link- Liegen Sie ein. Sie sehen von da den ...er Thurm upd können dann die Landstraße nicht fehlen.. VerrachenISie aber mit einer Sylbe, wa- Sie gesehen haben, dann können Sie sich für die Anatomie verschreiben. s Unb wenn morgen die Leute etwasprechen, sind Sie taub, wie Ihr Dalcher (Schinder) von Profeffpr in X.!" — 7 „Eiligst entfernte er sich^ ohne einen Dank abzuwarten oder sich weiter nach seinem Schützlinge umzusehen. „Diesem halten die Erlebnisse einiger Stunden die Seele mit Grauen erfüllt. Er setzte sich erschöpft auf einen Stein.-Preis gegeben düsterem Grübeln. „Afchkinaß im Walde, sein Onkel unter Räubern in einer Köblerhütte, ein vielbestrafter Verbrecher ihm ein Erretter. ^.Ein Schauer durchfuhr ihn bei dem Gedanken, daß im Begriffe, gewesen. Schwiegersohn d,S Schändwerben. I gegen dessen blutige Anschläge ein »er schützen mußte. j<vte MleS er sich glücklich, daß sein schlechte- Ben- >n der Schmach gerettet habe, doch dachte er wieder der liebreizenden Cousine, und die engelreinerr Züge ihre- Antlitz,- traten vor sein tränenfeuchte- Äuge. Die doppelt Unglückliche! Qlirt wawar zu lhun? Die Sonne stand schon hoch am Himmel Thal wollten jene verüben; denn morgen würde er ^^de- Wilddieb- Worten etwahören. WaS konnte daEMrrS sein, alS ein Verbrechen? Wem galt ,S, wie es verhindern? Aber welch schnöder Undank geaea seinen Erretter, und sollte er den Bruder der einst tzdißgeliebten Mutter, den Vater detheuren Mädchens, unglücklich machen? „^iese Gefühls durchkreuzten ihn, aber dabessere obsteg«. Keine -Blutverwandtschaft wird starke Seelen abhalftn, einem Verbrechen v.orzubeugen, der Missei.häter sei wer er wolle. Keine Glauben-genoffenschast ist ein HinderungSgrund, um Verbrecher dem Arm der Gerechtigkeit zu überliefern. „Den Ruhm d^r Dankbarkeit kauft kein Ehrenmann mit dem Unglücke seiner Mitmenschen, die Verpflichtung gegen einen Verbrecher darf nicht bizur Furcht vor feiner' Rache. ,zu feigem «Schweigen au-arten. „Gerechtigkeit hebt Völker^ Sün^' ist Nationen Schmach." Dagilt vom Staatsindividuum wie vom Einzelnen. Der Arz: hatte seinen Entschluß gefaßt. Sobald er die Landstraße erreicht batte, kehrte er um und begab sich in größter Eile zn der nächstg^-legeyen Douanenstalion. Hier tbeilte er fein Abenteilerwahrheitsgemäß mit. worauf ein berittener ,Bote mit Rapport an den Polizcjhauplmann in der Hauptstadt geschickt^ wurde.

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