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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 44 (1859) · p. Seite 174

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
44 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 174 (sequence 2)
Language
German
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174 Lichte jeden Winkel, sie fand Nicht-. Auffällig war nur, -daß in der großen WandsLrankthür, die sie stets verschlossen gesehen hatte, der Schlüssel heute steckte. „Unwillkürlich.dreht sie ibn herum. Das war kein Wandschrank, ibr Auge fiel auf ein großes dunkle- Gemach. -Sie trat hinein. Mein Gott, da lagen allerhand Waaren von Seide, Wolle, Kattun und Leinwand tunt und unordentlich durch einander. Ibr Pater, ein Geldwechsler, batte also «udj einen Waarenladen? Aber warum versteckt und wozu ein solche- EhaoS? Sie spähte immer weiter. Da fand sie in einem Winkel Botrer, Stemmeisen. Schlüssel, Hammer, Dietriche, Pistolen. Wachsabdrücke, Zeichnungen, Barte, Masken. Unter einer goldbetreßten Alrarvecke lagen silterteschlagene Meßbücher, zerbrochene Lpferbecken, Kirchengeräthe, selbst «in silberne- Erueifir. „De- MadchenS Angst stieg bizur fürchterlichsten Gewißheit. Jetzt fielen ibr kiese und jene unheimlichen Gestalten ein, mit welchen ihr Pater und nur AbenbS verkehren pflegte, die sonderbaren und unverständlichen Zwiegespräche zwischen.Aschkinaß und ihrem Pater, kaS nächtliche Geräusch, welches sie zuweilen erschreckte, der Lichtschimmer, der dann und wann in ihre Kammer fiel und sie erweckte. Sie dachte an die Gensd'armen und die gefallenen Schüsse. Die Angst perlte in dicken Tropfen auf ihrer Stirn. Sie trat an einen Vorhang und schob ibn zurück — blutige Kleider lagen auf einem halb offenen leeren Sarge. Ihr schwindelte, Licht und Hausschlüssel entfielen ihrer Hand, sie selbst -rach ohnmächtig zusammen. AIS sie erwachte, zeigte ihr ein greller Schein den offenen Sarg und laut aufschreiend stürzte sie, furchtgejagt von bannen, nach dem Tborwege zu. Da schlugen starke Kolbenstoße an dasselbe und von außen riefen-rauhe und barsche Stimmen. „Ausgemacht im Namen. deS Gesetze-!" ..Ich will den Schlüssel bolen sogleich", bauchte das Märchen,, kaum ibr selbst hörbar. „Kc^ne Ausreden, keine Zögerung", donnerte eS wieder von draußen, rin Paar gewaltige Artschläge und d Thor sprang auf.; Aber in demselben Augenblicke kam auch ,.Gu velche" mit wahrem Höllengezerer auS dem Häufe gestürzt^ in einem-Atbem rufend: „Esreipheb, Feuer, Hurrah, eS brennt lustig, Cha, nukehlichter zum SfukkrS!" „Esther wandte sich um, ein beüer Feuerschein erleuchtete die obere Etage des Hauses, dicker, schwarzer Rauch drang durch die Dachziegeln, während die Feuerschlangen beutegierig auS den Fenstern züngelten. TaS war zuviel für de- Mädchens Kraft, sie wankte halbrovt nach dem Haufe deS Aschkinaß — um einige Stunden darauf in finsterer Gefängnißzelle zu erwachen. „Aschkinaß und Leibchen vertheilen di« Rollen, die sechs Spießgesellen find entlaufene Sträflinge aus dem ... schien. *) - „Alle sind mehr oder minder vermummt. Wenn das Feuer auiflackert, zeigt eS in scharfen Umrissen die bärtigen, wilden Gesichter, stämmige Figuren, trotzige Gebärden, die und da ein blitzende- Messer oder den Lauf eines Gewehres. „Singt den Chaßne-Schaal (Lied zum Einbruch mir Sturm) Hub der eine an, den sie den Schwarzwall-Meloeber (Schornsteinfeger) nannten, weil er im Einbrechen durch den Schornstein eine Virtuosität erlangt hatte. „Und der ganze CboruS, auch unsere beiden Bekannten, Leibchen und Aschkinasi, die einzigen Juden unter der Rotte (Niemand halte am Jomkippur lauter geschrien. heftiger geweint, mehr geklopft als sie) brüllte: „Sckolem Lechem, Kameraden, Bald wird-man zur Ehaßneb laden. WaS dazu bestimmt wird sein. Auf aus Norden. Süd und Weste Werden sich verschirdenc Gäste Ganz in Ecktiken finken ein. Sollt' nier auch auö'm Llem schreiten, Eckmusen alle wir: Mir Freuden Großer Meleck, es gescheh. Wir befehlen, wenn wir enden Unsere Ncpbesch Deinen Händen, Lassen s Halchcn, wie's gescheh u. f. w. „Nun, balrowere (sprich) Aschkinaß", brummte finer der Räuber, ein früherer Postillon und darum „Postjokel" genannt, „sei nicht ängstlich". Baldowere ohne Scheu Mahlen") und bahmr dabei, Du weißt, wir haben mehr Sfegel AIS 500 solche Flegel. ste- W schkinaß entwickelte nun seinen Plan. Der alte schulze in ... habe heute dem Sohne fein Gut übergner und von der Mitgift der Schwiegertochter 3000 Thlr. als Anzahlung auf die Uebereignungssumme erhalten. Der Gulsannebmer und 'Frau seien bei deren Eltern lm benachbarten Dorfe, nur der Alte fei zu Haufe mit einem tauben Knechte, inbeß daS andere Gesinde in der Schenke tanze. TaS Geld liege in dem eichenen morschen Eckschranke, solle aber morgen schon auf Hypothek anderweit beliehen werden. 'Der Alte habe eS ihm selbst heute auf dem Rückwege vom Amte erzählt und dabei freudig ein Mal über daS Andere seine neue EffefSkehle (Tabacks- 3. „Du folgst mir wohl, lieber Freund, an jenem Tage in den dunkeln Wald, der sich vom Städtchen nach der ...scheu Grenze zieht, trittst mit mir a» das alte Gemäuer eineS vdrfallenen Jägerhauses, wo beiu» manen Feuerscheine angebrannter feuchter Zweige^acht dunkle Gestalten sitzen. ' *) Gott fei Dank, daß die criminal-statistischen Tabellen unserer Tage den Juden ein so gutes Zeuguiß geben, daß es ihrem Rufe nicht schaden kann, wenn man aus jener Sprache Wörter anführt,;u der sie da« stärkste Lontingent einst leider! rliefert haben, aus der sogenannten Kochemer Loschen. Ich selbst abe schon Hunderte ron Personen öffentlich verrhcitigt, Mörder, Todkschlager, Brandstifter, Falscher und anderer Verbrechens« jjattungen — darunter erst 2 Juden, bei welchen die incrimirke Thal des einen nur ein leichteres Vergehen bildete. Laim. **). Kamerad.

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