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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 44 (1859) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
44 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches BolkMatt Zur Belehrung und Unterhaltung aus HeKiete. HerauSgegeben von j %' Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Magdeburg. lRo. 44.1858.1 von diksn Zeitschrift erscheint wöchentlich eine Nummer. Preis des! Jahrgangs I Thlr Bierteljädriz 7>, Ngr. Alle Buchbaadluugrn,' Postüslrr und Zeituagsexpeditione« nehmen Veftellnage« a». [6. IaKrg. 4. Quartal] Jüdische Criminalgeschichten. Erzählt vom RechtSanwalt Vr. Calm. II. Die Bra-ndstifterin. (Fortsetzung an» Rr. 43.) 2. „Monate waren verflossen. Das Laub begann zu gilben, die Blätter des wilden WeinstockS vor den« Hause rötheten sich. „Elul, der Herold deS Tischri, batte die Ankunft des «nächtigen IahreSfürsien der harrenden Gemeinde schon wiederholt verkündet. In jedem Hause der Gläubigen gehobene Stimmung, wärmere Andacht, stillere- Treiben. „Nur für Esther rollte da- Jahr kummerbeladen, sorgenschwer zu Ende. „Aschkinaß war in seiner Liebe-Werbung kühner geworden . und kein Brief von Meier gelangte in ihre Hände. Der Vater hatte ihr gedroht, daß er sie aus dem Hause stoßen würde, wenn sie nach dem Laubhüttenfeste seinem bewäbrten frommen Freunde die Hand;»m Ehebunde nicht reichte und ihr dabei gesagt: „La den Gedanken an den trophencn Jungen vergehe soll er mich lebendig seciren und Dir mein bluti vor die Füße werfen, ehe ich über Euch Beide die ft BerocheS sprechen bvre." „Das Mädchen zehrte Tag und Nacht an dem Grame ihrer unglücklichen Liebe, war immer stille« und einsylbiger geworden und genügte ruhig und ergeben ihren häuslichen und kindlichen Pflichten. „Die Bläffe ihrer Wangen, der malte Glanz ihrer Augen — der Vater hatte in seinem Geschärtseifer dafür kein Augenmerk. „Die Tage deS Gerichtgingen für ihn spurlos vorüber. vor feinem Gedächtnisse rollte sich da- Buch seiner Sünden nicht auf. Das Laubbüttenfest nahte heran. „Es war am Tage vor der Festoorfeier. um die'Zeit, wo daS Dämmerlicht den Schleier zwischen Tag und Nacht zieht, daß beider Blick sich nicht begegnen möge, al- Estber am Fenster ihrer Stube stand. Niemand war außer ihr im Haufe. Vor ihren Augen außerhalb der hohen Hofmauer die absterbende Natur, die Dorbotin degrausen Winter-, in ihrem Herzen die verglimmenden Funken der Hoffnung, welche bald der Todesstarre einer unglücklichen Ehe weichen sollten. Sie bebte bei diesem Gedanken und riß -dg- Fenster hastig auf, um die küble Abendluft al- Schmefzen-trösterin einzulassen. Da. horch, laute- und hastig«- Pferdegetrappel. Sechs berittene- Gen-d'armen, in der Hand den Carabiner, fausten im Galopp auf der ElrsßL vorbei, nach dem Walde zu. Die Fenster det^Nackbarhäuser öffneten sich, bestürzt traten hie und da junge/und alte Insassen heraus. Geflüster. Fragen, MuthmaKwsgen. Niemand wußte einen Grund. „Da Nicht-'nwiter erfolgte, ward Allebald still und ruhig wie vorher. 1 „Die Nacht zog am Himmel herauf und breitete leise und sotgsam dtn -stttpenburchwirkten Teppich auS. „Esther wunderte sich nicht über daS Ausbleiben ihre- Vater-. Er kam festen früh von seinen Geschäftsgängen heim, ünd beute wollte er manchen alten Wechsel bei entfernt wohnenden Bauern eincassiren. Gegen 9Nlhr Abendöffnete Schpabrllyine 'die' kleine Thorpfarte und ließ „Gumpelche" herein und .schloß dann, »rie sie immer that, die Thür von. außen ab. „Einige Stunden mochte Esther im Bett gelegen haben, ohne beim Kampfe Zwischen den Eindrücken der Tage-» sorgen und den fluchtigen Traumgebilden einschlafen zu können,- alder Knall von Gewehren unweit ihres Haufesie erschreckte. Sie! sprang audem Bette und öffnete Fenster. Alles war still!- In ihrer Angst liebste der Kammer d«S DaterS, der nun schon zurückgekehrt n mußte. Sie 1 klopfte an — immer stärker, keine Antwort. Sie trat hine.in und ging an fein Bett — eS war leer. Jetzt stürzte sie in Seelenangst in ihr Zimmer zurück, zündete Licht an, nahm den unter einer l^efusah stetversteckten Hauptfchlüffel und wankte nach dem Tbore. Sie öffnete die kleine Pforte, schlüpfte-hindurch und klopfte an die untern Fenster de- Aschkinaßschen Hause-.' „WaS ist der mehr?" gellte eine Stimme, während die Spukgestalt der Schnabelmine den Zipfel einer Nachtmütze durch dahalb geöffnete Fenster steckte. „Großer Gott, wo ist mein Vater, ich habe schießen hören. eS sind gewiß Räuber, und mein Vater ist unterwegs. wo ist der Pater?" „Darum weckst Du mich. Dam", rief Schnabelmine ärgerlich. „Dein Vater ist auf der Parnoffehstraße nach AschirtS. Wie ich so alt war, wie Du, babe ich nicht mehr gefragt, Dv große- Stück." Mit diesen Worten schlug sie da- Fenster zu. „Finstere Ahnungen durchzuckten dat Gcbirn des armen Mädchen-. Sie rillte in- Hauzurück >«nd betrat wieder die väterliche.Kammer. Sorgsam duiHpahie ne mit dem 8790

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