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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 43 (1859) · p. Seite 170

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
43 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 ven den Mädchen gjt nickt zu retclx,. ta itc tedi verqkblicb die Eonfirmakionscrinostne im Urierr finken — bei ibrcr 'Barmitwabfeier die Berackab in großen lateinischen Buckstabesi aus der Tbouretschen Fabrik blos um den Hals bangt» damit wenigstens uns das Ohrenreißen und der beiligen Sprache der Halsu»d. Beinbruch erspar! wird, den sie jetzt an manchem ^abbarh bei der Investitur dieser neuen Glaubensritter rijskirt. Tock zurück von diesem' Ausflug in die Jrrgänge der heutigen Jugenderziehung, aus denen der Lehrer nickt einmal immer' helfen kann, weil die superklugen -Eltern ibm den Ariadnefaden vor der Nase zerschneiden. Mußte mir auch gerade am sckönen koreleyfelsen diese Erinnerung kommen.. Ick will Euch diesGesckichte wieder, erzäblen. dock verbietet mir die Tiscretipn, den Ort der Handlung;u bezeichnen. ■ ..Weil Du vom Benscken sprichst", sing mein Freund an. ..will ich! Dir eine traurige Geschichte ans unserer Familie miikbeilen, die auch in vielfacher Beziehung steht zum Benschen. ..Keine lieblichere Erscheinung soll yiein Gehurlso.rl vor circa ■IO Iadren aufgewiesen haben, als meiner Großmutter Jugendfreundin..die schöne Estbep. Wenn sic so am Roschbascbanab nach dem Echopbarbltscn in den -Bor« bos der alten Schule kam. um ibrem Barer das.Frübstück tt> bringen — o da waren alle Mädchen der ganzen Killeb und mancke Frau, deren holdseliges Antlitz der falsche Scheitel und die tiefe Haube vergebens zu verstecken suckten. aber keine strahlte so wi^ ne in Lugendrciz unv lieblicher Anmutb. Der dicke Biermuks, der Spaßmacher der Gemeinde, ein robuster Fünfziger, so oft er sie sah, er mußte ihr sagen: „Eüherckb, was giebl Tein Ebossen einmal von seiner Nckjmjch aus.Deine Augen heraus?" oder: ,.Willst Du mich armen Jungen zum Neger brennen mit Deinen schwarzen Sternen?" Ach wie bald sollte der Glan; dieser Augen erlöschend- ..So bold das' Mädchen war, so!tugenrreick; ein solcher Unhold und Schurke war ibr Vachr. den wir. nach feinem Namen unter seinen Gesinnungsgenossen Ebaßneleib nennen, weil er der Hauxtansübrcr bei' den sogenannten EbaßneS, den nächtlichen Einbrüchen in isolirr liegende Häuser war (in der Gemeinde bieß er Lribche Schaucket, von seiner trüberen Beschäftigung her). : ..Wir haben. Du weißt es, manches miserable Ereaturcn unter unseren Glaubensgenossen.! mit und vbne Geld, und mancher Maudimtücker und AizziSbeuschep gehörte am besten ans Spulrad in einem beliebigen Zuchthause, mancher Wucherer und Dörsensch.'windler verdien?« statt Eapipage und Billa eine Lebensversorgurg nach Auburnschem oder Pennfvlvanifchem Svsteme; aber, ein so raffinirrcr Galgenvogel wie jener, war unter der Sonne nickt webr. wenigstens nickt unter der Sönne meines Geburtsortes. . , ..Sein braves Weib, die ibm mir wahrem Grauen, noch ein zartes Kind, in die Ehe folge« mußte, da der „Jung ein großer Lamden" war, harre der Gram frühzeitig an den Ort der ewigen Ruhe gebracht. ' ..Einen Sohn haue die Härte und Lieblosigkeit des BarerS in die weite Welt binauSgeftoßen, der andere war geistig und körperlich verkrüppelt und diente „alS kumpclche Narr" h;i Si. dicken zur Belustigung der ausgrlassinen Cnaßniiugeiib. „Zwischen die'er Krüppelstaude von Sohn und dem Gislbaume von Barer die liebliche, blühende Rose! „Der geizige Barer. Anführer einer Schmuggler, unv Diebesbande, wie er seine Freude daran batte, daß das „schöne Ponim des Kinres" t'eincm Schandgefäbrten, dem krummen Aschkiuaß, gestel. Den mußte er an sich fesseln, daß er nickt böse, wurde, seine Ecklickc nickt vetricth. nicht sein Concurrent wurde. Konnte er einen besseren Daldowerrr stnden, als diese Katzengestalt mit dem ewig süßen Lächeln im erdfablen Gesichte? Wie scklau er mit dem Insxector „eine Fahne" zu spielen wußte, wenn die „Pascherbandc" dinren über den Gartenzaun stieg ilnd Conirebanvewaaren abwars, wie er immer sich bemühte zu verlieren, um den Spielgenossrn die Mitternachtszeit nicht melken zu lassen. > „Ascbkina^war Wittwcr, kinderlos und wohnte mit einer allen M^d. „Schnabelmine", außerhalb des Städtchens. dem Hause seines Spießgesellen gegenüber. ..Scbnabelmine" dieß das zahnlose, keifende Geschöpf, weil ibr einige Male beim Nudeln der Gänse daS llnglück zugestoßcn war. diesen Nachkommen rer Eapitolretterinnen den Schnabel zu zerbrechen. Wag ibr an Lobn abging. ersetzte brr ihr die vom schlauen Brotherrn genährte Hoffnung, „sie, so Gott will, bald unter die Ebupeh zu führen. Bei den christlichen Nachbarn galt Aschkinaß als reiner Tugendspicgel. Man sah ihn während deS ganzen Tages nicht sein Haus verlassen, oder dock nur zu einem kurzen Besuch bei Leibchen. Wenn er am Tage nicht schlief, saß er mit wackelndem Dan und baumelnden Beils vor dem Sopborims und gurgelte oder näselte die ganze Scala auf und ab in den allen Folianten. Für ibn war die dunkle Nacht die Zeit der Arbeit und des Verdienstes. Dann umkreiste die Fledermaus die benachbarten Dörfer, um ein Gehöft zu erspähen, das eines wachsamen Hundes entbehrte, so daß ein Einbruch riskirt werden konnte, dann brachte die Eule den heranziebcndcn Spießgesellen Rapport und Parole. Und in seiner Tbersikesgestalt hielt sich der Elende für so schön, daß er in Wirklichkeit sein Auge aus die arme Esther geworfen und sich eingebildet hatte, sie erwiedere seine Gunst.^ „Vierzehn Jahre, also noch einmal so lange als der Stammvater Jacob um Rachel, habe er um sie geworben, denn seit ihrer zartesten Kindheit fast diene er treu und redlich ibrem Barer. So sagte er dem alten schlauen Laban, oder besser man sagt Nabal. denn es war nur Niederträchtigkeit an ibm, und der schlug ein in das Eomplotk 'zum Verderben seines reizendes Kindes. Denn von jener Pietät und Familienlirbe, welche selbst die jüdischen Gauner und Räuber in den Augen, der Richter wesentlich vor ihren christlichen Kameraden auszeichneten, war bei dem Allen keine , Spur zu finden. „Und das Mädchen? Es war ibr nicht zu verdenken, daß der Sohn des Vorstehers Mendel, ihres DaterS Schwesterfühn. Meier mit Vornamen, ihr ganzes Herz besaß. Freilich war er ein Aussätziger, in der Killeh, denn ttotz aller Warnungen und Abmahnungen hatte er beim Rector der Stadtschule griechischen und lateinischen Privatunterricht genommen und war auf die Hochschule gegangen, um dem Studium der Medicin obzuliegen.

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