Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 43 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 3)
- Language
- German
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171 j Solchen Neuerungsfrevel Hane die Gemeinde noch nicht erlebt und Aschkinaß, dem daS Derbältniß zwischen den .beiden jungcn Leuten nicht entgangen war. sagte oft zu Esther, um sie zu kränken: ,.Sr ist gegangen als ein Got und wird wieder kommen alS Amalrk." Und er war auch wieder gekommen, aber nur in den Ferien und;um Besuch, ein stattlicher Jüngling. „Es war am Schwuotbs'este nach Schul. Der junge Mann saß bei seinerEousine und las in ibrrm tbranenfeuchten Auge dne Tage der Sebnsucht und die Nachte des Kum« mers und hörte davon, daß die zarte Taube von der LiebeSwerbung einer Schlange begeifert werde. Fester drückte er ihre Hand und gelobte ihr Beistand und Treue. Nur noch ein Jahr sollte sie ausharren in alter Liebe, dann hoffe er selbstständig zu fein und wolle sie heiligen nach den Gesetzen MoseS. ..Welche traute Stille in der Stube. Im leisen Flügelschlage rauschte der Engel res Friedens über den Häuptern des glücklichen Paares, tim ihre heiligen Schwüre auf» zufangen und sie . zum Tbrone des Schöpfers zu tragen als menschlichen Wonnegrnß für binMIlsche Segensspcnte. ,.Da traten der Pater des Mädchens und sein Freund in die Stube. Mit verbissenem Grimme grüßten sie den Gast, der Alte lud ihn zum Mittagsbrot ein. Meier wollte ablehnen, aber ein bittender Blick der Geliebten bewog ihn zu bleiben. ..DaS Essen war beendet. Gumpelche wurde in der Hausflur abgespeist, weil der Alte sich ..durch sein Ponim den Jontes nicht verderben lassen" wollte. Man stimmte den Schir hamaalorb an. DaS^Hallelujah war verklungen. Ter Vater Esthers füllte ein Mas mit Wein und rückte es vor den jungen Gast. Das war eine facrische Ein« ladung zum Porbenschen, sie mußte acccptirt werden. ..Der Studiosus räusperte sich und tumnielte das Roß seines Gedächtnisses gleich zu Anfang so stark, daß ein Sachkenner sofort einseben mußte, eS werde mit ihm durchgeben. „Ueber die Gräben und Tiefen wurde weggefetzt, d. h. mit dem technischer; AuSkrucke. er überschlupperte ganze Zeilen. ..Aschkinast kicherte schadenftoh in seinen Zwickelbart, der Alte ruckte ungeduldig und mißmukhig auf dem Stuhle bin und her. Esther schlug verlegen und ängstlich die Augen nieder. ..Als mm der Reiter vor der Barriere der SegenSfprüche ankam, da war ibm die kleine Münze zur Einlösung KeS ChausseezettelS auSgegangen. nur kühne Dekraude konnte ibn retten. So that er denn einen HnrraS« sprung mit seiner Rosinante von „dem Propheten Eliah und den guten Nachrichten biS zu den jungen Löwen, welche darben", sprach den Segen über den Wein und goß ibn eilig binter die Binde. „Wüthend sprang Leibche auf und rief im Alchettone: „Meschumed, in Dir ist rer Ssoten und hinter Dir der Toleh und ChukkaS hagojim. DaS soll ich erleben an meiner Schwester Sohn. Schein jischmei^enn, nicht einmal Mefumen benschen! Mach, daß Du sortkommst, entarteter Sohn!" ..Uwemoschaw Lelzim lau joschow", ächzte Aschkinaß dazwischen. „Esther stand zitternd mir flehendem Blicke vor ihrem! I Pater, dessen zorngjeschwolleye Stirnader seine Galgenpbysioqnomie noch äidestwärligcr machte. „Der Studentin welchem Scham und Wuth kochten, faßte krampfhaft die! Stuhllehne. unschlüssig, ob er die alten Heuchler nicht paeden und ihre Gehirne an einander schlagen sollte. Er Rechte aber an Estber, biß die Lippen zusammen und Aing essig fort. Er sollte' die Stube, welche er verließ, nichts wieder betreten. „Sein Pater, welchem er den Vorfall erzählte, ein humaner einsichtsvoller ÜKänn. ricth ihm zur Abreise nach der Universitätsstadt b^im AuSgonge des Festes. Hier würden die Einen doch Nur über iljin spötteln, die Andern ihn verwünschen.! „Meier handztte. wie ihm sein Pater getarhen hatte. Esthern noch einmal? zw sprechen, war ihm nicht geglückt. Das ArguSauge beh ^chnabelmine verhütete jede An« Näherung zwischen t>en Jfceifcrn Liebenden." (Fortsetzung folgt.) ' Dje dsci (Kamihbar Lon.Rabbiner^vr Drei der Güte fcnlf der Herr der Welten. Nicht die eitle di LiebeSstarke he ßt Tvch nicht tifj fo Gottesgeschenke. rabba Mos. Cap. 22.) Lkweumeyer in Graudenz. Die Dir für das Höchste dürfen gelten, . <. So Du würdiz sie verstehst zu walten; * Sonst Perderbsn le nur Dir entfalten. Weisheit, heißt di> (rste dieser Gaben, Doch die.gottentsi rungen und erhaben. » In der Lehre ^.ieljen forscht und strebet, sichstolz erhebet. Ht Gaben zweite, sich dem Mißbrauch weihte, Sondern die aehcrsam stets der Lebre. , Ihm, dem' Allgewtlt'gen, giebt die Ehre. nenn' ich Dir zum Dritten. Den Du Dir vort Himmel magst erbitten. Webe über den, der ihn besitzet. Und ihn nicht?zu seinem Heile nützet. Denn so singt'der Weise auf dem Throne (Koh. 2.) Wieder schaut' ich unter uns'rer Sonne. „Daß nicht sthtS Sie schlachtcnstolzen Krieger, „Nicht die sußbehinden sind die Sieger;' „fenf nicht jxdem der sich weise dünket. „Peichthum fl«tS und hohes Anseh'n winket." Und.so auch geremia der Seher: „Daß der Stqrke sich Nicht dünke höher, „Sich nicht überschätze keck der Weise. „Und der R«che sich nicht glücklich preise. „fc>nw nur drt verdient gelobt zu werden, „Der die ew'ge Liebe. Huld und Gnaden „Walzen steht aus? allen seinen Pfaden „sind in»afleii nip8 er wirkt auf Erden." Sehr, zwei Weise'gab'-, vor grauen Zeiten, Einen Israelitin, eine« Heiden, Achitophel htej det Jftaeltte, Bileam.der weise Midianite; Ujeber beide Gottes Zorn entbrannte. Da von Ihm sich> ihre Weisheit wandte.