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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 43 (1859) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
43 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Indisches Bolksblatt ZZekehrung und Anlerhatlung aus.jüdischem Gebiete. HerauSgegrbea von Rabbiner 9r. Ludwig Philippfon in Magdebr^rg. jNo. 43.1838-i Von dies» Zeitschrift erschei«t wöchentlich eine Nummer. Preis des gang« 1 Thlr Vierteljährig 7*, Rgr. «lle Bu«bbanrloagen. Pos und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an. iptS - [6. JsKrg. 4. Quartal] Jüdische Criminalgeschichtcn. Erzählt vom RechlSanwall vr. Lalm. n. d . D ie Brandstifterin. 1. Wir batten eben Heidelberg verlassen, der liebe Salo« mon Fulv und ick. um beide in CourS gesetzt $u werden alS irisch geprägte Doctoren beider Rechte. Ja, m»S waren wir durch die Gnade Zbpfls - VangervwS und MittermayerS uns trotz der Ungnade RvßbirtS. Zum 21. Jahre bildet man sich nicht wenig ein auf solchen Glanz, unbekümmert um Schrot und Korn. So kamen wir nach Frankfurt a. M. im Herbste 1847 und stiegen im elterliche- Hause meines Freundes ab. Ich glaubte, cö müßte unS jeder die Morenu vom Gesichte ablesen und wunderte mich nicht wenig, daß der Pater meines Freundes. Reb Aron Fuld, vor unserer Gelehrsamkeit so wenig Respecr zeigte. Nock steht die ehrwürdige Gestalt mit dem milden, lieben Antlitze lebhaft vor meinem Auge! Wie ward ich aber beschämt, als ich in daS Studirzimmer deS braven ManneS trgt und dort die Riesenfolianten auf hohem Rücke sab. und wie hätte ich gleich AugustuS rufen mögen: ..Decan Zöpfi gieb mir mein Geld wieder!'' als mir mein Freund erzählte, daß fein Vater beim Anblicke der Z Theile der Kriegelschen AuSgabe deS Corpus joris civilis lächelnd gefragt habe: ob wir 3 Jabre nöthig gehabt hatten, um tiefe Paar kleinen Bücher auswendig zu lernen? Du lieber Gott, nicht 10 Seiten halten wir davon im Kopfe. Wie viel hundert Mal mebr war jener Mann Professor in seinem Fach, als wir ABC-Schüler in dem unserigen. WaS hatte ich eS denn nun auch noch sagen müssen, daß Samuel und Akiba Egers meine Anverwandten seien. Verzeihlich, aber vorlaut. Der liebt Mann — daS Andenken des Gerechten bleibt im Segen — war mir am tiächstrn Tage das Benschen mechabed. \ Vier Jahre Student der Philosophie «nd der Jurisprudenz und nun, auf der frohen Heimreife, bei Reb Aron Fuld, dem Altmeister der Jüdischen Gelehrten, ben« scken, laut, deutlich, vor der ganzen Familie, -ohne eine Sylbe zu verschlucken, kein Wav zu viel, kein Dagesch zu wenig, mit richtigem Ausdruck und Accent. Und hätte ich die Mauerbrecher der Römischen Legionen gehabt, ich batte die Wälle des Äikrik nicht mehr niederreißen können. Der Angstschweiß stand mir vor der Stirn. Aber Dank meiner häuslichen Äziehung und der elastischen Kraft jugendlichen Gedächtnisses, es ging, eS ging sogar'gut biS auf daS Migdol. i daS ich am Alltage für seinen profanen Bruder Magdil über .die Zunge brachte und biS auf den Titel, den ich beim Refchuß dem frommen Wirthe nicht zur Genüge gab. Er war aber deshalb'Äicht böse, sondern lächelte mild, der brave Hausherr, ein Weiser in Israel, über den Äoclvr von drei Tagen. Mir blieb nur dsr eine Trost, daß sein Sohn nicht mebr ercellirt haben würde. Nack einigen Tagen reiste ich ab. vergnügter darüber, daß ich bei Reb Alton Fuld noch benschen konnte, als über alle Superlativs in meinem Docrordiplom. Hunderte Male pachte ich daran auf der Rückreise, und als an, der Loreley der Capitain .den Passagieren die Aebnlichkeit eines FelsenvorsprungeS mit dem Gesichte LouiS Philippzeigie. datauchte in meiner Erinnerung die Geschichte eine- Berliner UniversitätSfreundeS auf, die er mir erzählt batte,! als wir-von einem Freitagabendessen eines Berliner MäcenaS einst hungrig znrückgekehrl waren und meinen Brotrest ^noch ttm Mitternacht zum Aphikomen gemacht batten. . ■ Ich machte» mich damals lustig über die ErziehungS» weise der beiden 12- und 13jährigcn Söhne unsere- Gastgebers. Sie waren nach der Mahlzeit aufgestanden und lasen von einem Blatt Papier den mit lateinischen Lettern geschriebenen' ersten Absatz deS TischfegcnS ab. Wie ein Abraka sdabra klang eS, wie HocuSpoeuSspruch. nicht wie bebräisch. Du lieber Gott, seilt 16 Jahren, die inzwischen verflossen. sind wir so »ojn der Cultur beleckt, daß manche unserer confirmirendtn Dred/ger den Knaben daS Schema Israel und andere Bibelsprüche gleichfalls in lateinischen Lettern, wie ein knzoot fin en coqoille, präsentiren und ihre ganze Beredsamkeit aufbieten müssen, daß die Confirmanden in Glaevlhandschuhen die Fingerspitzen der heiligen Sprache zimperlich auf eine Viertelstunde berühren. Wie brav und nachsichtig ist eS von den Eltern, daß sie künftigen Helden ^er > Börse, dereinstigen Rittern vom. Compkoitdock und Ladeijlisch erlauben, sich auf 10 Minuten biS zu einer Sprache zu degratziren, in der kern Operntert geschrieben, kein Eyur^zettel gedruckt wird, in der keiner Pouffade beizukommen ist, die nur am flammenden Dornbusch und vom bebssndt>i Sinai erklang. Ich schlage vor, daß man den jüdischen Schülern —

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