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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 42 (1859) · p. Seite 167

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
42 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 167 (sequence 3)
Language
German
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167 Padok bebte vor Wutb. 2m ersten .Augenblicke wollte er über ibn herfallen und sein Glück von ihm zurücksordern — aber, der Mann blickte ihn so eisig kalt an, daß er sich unwillkürlich an die Strenge deS englischen Gesetzes erinnerte. Padok mußte sich damit begnügen, sich an die Ferse feine- FcjndrS zu heften, um den Namen desselben zn erfabren. Den ersten Polizeimann, an dem sie vorüberkamen, frug er. auf den Verhaßten zeigend: „Kennt Ihr den?" ..)a". lautete die Antwort, „er ist der Prinz em Verwandter deS Königs. Auf jeden andern hätten diese Worte einen ernüchternden Eindruck gemacht, nicht auf Padok. „Und wenn er der König selber ist", rief er, „so wird Euer Gesetz ibn treffen, denn Euer Gesetz ist gerecht wie Gott!" Die Umstehenden blickten verwundert nach dem erregten Manne. Padok aber eilte fort. In London angekommen suchte er einen Advocaten auf, den er auS besseren Tagen kannte, erzählte ibm seine Lkidensgeschicbte und forderte ibn auf, gegen den Prinzen '* * * die Klage vor Gericht <u erheben. Der englische Advocat börte ruhig zu, machte ruhig feine Notizen und schüttelte schließlich mit dem Kopfe. ,vas so viel sagen wollte, als: Du sollst Genugthuung! haben. In der Thar wurde der Prozeß gegen den Prinzen in bester Form ringeleitet, und endete damit, daß Padok — für wahnsinnig erklärt und inS NarrenhauS geschickt wurde. Abermals folgen zwei schreckensvolle Jahre; während derselben ergraut der kaum einige und zwanzig Jahre alte Mann. Als er endlich entlassen wird, ist seine Kraft, sein, Mutb gebrochen. Doch sein Schicksal war noch nicht erfüllt. Seine Geschichte hatte Aufsehen erregt, ihm die Tbeilnahme seiner Glaubensgenossen gewonnen; sie unterstützten ihn, sie gaben ihm die Möglichkeit wieder, für sich selbst zu sorgen, allmählig erwachte auch seine Thatkrafd wieder. Er arbeitete und schaffte, und immer freundlicher gestalteten sich feine Verbältnisse. das Glück lächelte ibm wieder, er wurde wohlhabend, wurde reich. Auch die Liebe kam wieder, um ibn zu beglücken. Er heirathete und sah sich nach einigen Jahren mit zwei prächtigen Knaben gesegnet, welche den Stolz seines VaterherzenS bildeten. Uebervoll jedoch sollte daS Maß sein —- mit beiden Händen schien ihn daS Schicksal entschädigen zu wollen: er erhielt nämlich die Nachricht, daß sein Oheim ln Konstantine gestorben sei und ihm ein unermeßliche- Vcrmögen hinterlaffen habe. Padok machte sich auch ohne zu zögern auf und an einem der nächsten Tage befand er sich auf einem Schiffe, das nach Konstantine segelte. Schon sah er die afrikanische Küste — da brach ein Pirarenschiff auS einer Bucht hervor, um das englische Fahrzeug zu kapern. Der Kampf war hartnäckig, aber die Engländer vermochten dem da» monischrn Angriffe der Afrikaner nicht zu widerstehen. Sie erlagen und Padok fiel in Gefangenschaft. . AIS Sflaoc wurde er nach Oran verkauft und fünfzehn Jahr lang lebte er in der Sklaverei. Wer will das Elend , solcher fünfzehn Jabre schildern? Aber alle Martern vermochten die Sehnsucht nach Weib und Kindern, in Pabbk nicht zu ersticken. Mit Lebensgefahr gelang eS ihm endlich feinen Peinigern 'zu entkommen. Wieder nabm ihn rin einglifcheS Schiff auf. Wieder sah er das mächtige London, aber sein Weib lag im Grabe und seine beiden Söhne waren verschollen. ° Aber sein Herz war stark und kannte die Verzweiflung nicht. Er machte.stch auf. seine Klarer zu suchen und eS gelang ihm. eine Spur des älteren Sebnes zu entdecken. Er verfolgte riese mit allem Scharfsinn. mit -aller Umsicht der. Liebe, und es glückte ihm. den älteren Sohn zu finden — als Galeerensträfling zu Brist. Da entschloß er sich in dem Jammer seines VaterherzenS der alten Welt ganz den Rücken zu kehren und nach der neuen zog er hin. Und abermals sollte der tiefgebeugte Mann durch die Gunst deS Geschickes autgerichtet werden. Durch fast wunderbare Umstände fand er hier leinen jünger» Sohn in glänzenden Verhältnissen. — Menah — so > hieß dieser — nahm seinen Vater liebevoll auf. zog ihn in seine Geschäfte, ließ ibm in Allem die erste Hank, uyd alS sie sich mittelst ihrer ausgedehnten Geschäftsverbindungen nach der reichen Erbschaft, in Konstantine erkundigten, kam auch diese. — Ein ruhigeglückliche- Aller schien dem Mgnne zu j lächeln. Er versöhnte stch audf mit seinem älteren Sohne,. der mitlerweile auS der Gefangenschaft entlassen-worden war. Da kam eines TageS die Kunde von dem Sturze eine- Handelshauses, bei dem sie durch eine VcUettung mannigfacher Umstände die Hälfte ihres Vermögens einbüßten. Menah reiste, ab; um vielleicht noch Trümmer retten zu können. Die Nachricht aber, welche der Alte empfinA, war. daß fein Sohn Schiffbruch gelitten und umgekom» men sei... Wieder war daS Herz deS Unglücklichen zerrissen. Tr überließ die Geschäfte von da an seinem alteren Eobne und lebte in beschaulicher Zurückgezogenheit, bis er eines Tages erfuhr, daß dieser ungerathene Sohn mit dem Reste deS Vermögens verschwunden sei und die vorhandene unbewegliche Habe zur Deckung der hinterlaffenen Schulden verkauft werden müsse... Ohne Klage verstieß der Greis da- Houö. Nur so viel hatte er behalten, um den letztem Wunsch seine- HerzenS erfüllen zu Können: er reiste nach London, um dort zu sterben, wo fein Weib gestorben. i Aber der Tod kam nicht sobald, als der Alte eS qe» wünscht, und er fristete sein Leben, indem er an der Ecke der Themsebrücke bettelte. Vergebenboterr ihm die Glaubensgenossen Versorgung an; er wollte äuStrotzen mit dem Geschicke und die herbste Noth über stch ergeben lassen. Jahraus, jahreinbei Wind und Wetter saß er an der Themsebrücke, njchtS vermochte einen Eindruck auf ibn zu machen; fein Mund war immer halb offen, aber kein Mensch hatte ein Wort von seinen Lippen verkommen; fast regungSloS saß er da, gleichgültig die'Spenden enl» gegennehmend» die Man' ihm in den Hut warf, nur de- Abend-, wenn die Sonne unterging, erbeb er sich * «m sein Abendgebet zu verrichten.

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