Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 42 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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166 fünf« Gluth ließ^welche Sei ihrem Erscheinen feine Wangen überflog.- je liebreizender das Lächeln war. daS seine feinen klugen Lippen umspielte. Padok war bald ein wohlhabender Mann und. stand in einem kleinen Laden als wohlbestalteter 'Südfrüchtenbänvler. Seine Waare war immer die vorzüglichste, denn er wußte, daß er vornehme Kundschaft babe. Die s3)öne Prinzesstn halte dkn Laden des Smvrn»,r Jünglings in die Mode gebracht und Padok fing an? ein reicher.Mann «* zu werden. Mit seinem wachsende» Glücke wurde er auch^kühner; er erlaubte sich einmal — seinem dankerfüllten Herzen folgend — der „schönen Prinzessin" die Hand zu drücken und ein — langer Engländer, welcher plötzlich hinter der Dame erschlen. bemerkte riese Vertraulichkeit. Die Dame wurde verlegen; der Engländer blieb ruhig. Er reichte der Dame höflich den Arm und sie gingen. Noch in der Nacht wurde der gute Padok überfallen, geknebelt, durchgeprügelt. und als der Morgen graule, befand er sich auf — hober See. Sein netter, wohlausgestätteter Laden, seine schöne, gütige Prinzessin, feine jungen Schatze - — Alles das war wie im Traume verschwunden -— fast batte ec gekackt, daß er wirklich geträumt . 'daß - er jetzt erst dem Gemetzel von Smyrna entrissen worden —aber eS lagen dock zu viel freundliche Erinnerungen zwischen lenem entsetzlichen Tage und dieser schrecklichen Nackt! Da trat dcr Kapitän des Schiffes in die Kajüte und sagte: - ' - " ' „Padok, Deine Banke werden jetzt gelöst. Tu kannst Dick auf dem Schiffe frei bewegen, wie jeder andere Pastagicr; w'aS. Du brauchst, wird Dir gegeben werden. 'Aber hüte Dick, einer sterblichen Seele zu sagen,. waS mit Dir vorgegängen, und daß Du nicht freiwillig hergekommen. Du bist sonst des Todes, borst Du?" Padok betbeuerte, daß er ganz'^nach den Geboten des gestrengen Seebären leben wolle, der durchaus keinen Spaß zu verstehen schien und f.'ibrte hierauf in der Thal ein sreie-E Leben auf dem Schiffe, so lange dieses auf hoher Sep war; nur wenn es einem Hafen fick näherte, wurde Padok in die Kajüte gesperrt und so lange unter Schloß und Riegel gehalten, bis die Anker . gelickter wurden. * Zwei Jahre brachte er fo in seinem schwimmenden Kerker zu. Da wurde er eines Tages wieder eingesperrt. weil man sich einem Hafen näherte. Des AbendS begiebt er sich früher als sonst zur Ruhe; der Schlaf.drückt ibn - ganz ungewöhnlich... da fühlt er sich plötzlich gerüttelt. — er reißt mit Mühe die Augen auf. n»r schwer erkennt er die Gegenstände um sich und was er erkennt, scheint erst reckt eine Täuschung zu sein. Er schließt die Augen wieder; daS Rütteln wird starker. Endlich kommt'er zum vollen Bewußtsein — er liegt auf dem Straßenpflaster und vor ihm steht ein Polizeimann, der ihn einen „Trunkenbold" schilt. Padok soll auf die Polizei, weil er im trunkenen Zustande auf der Straße gefunden worden. Er weiß sich zu erinnern, daß er weder Wein noch Bier getrunken, aber der Polizeimann meint, daß er auch jetzt noch betrunken sei und zwingt ihn. mitzugeben. ..Aber wo bin ick denn?"' fragt Padok endlich. ^.,In London" lautet die Antwort. „London!" rief Padok unv das Blut schoß ibm ins Gesicht dabei. Taufend süße Erinnerungen bestürmten sein Herz, tausend Rachegedanken, die er bisher sorglich unterdrückt batte, tauchten plötzlich in seiner Seele auf. — „London!" wiederdolke er mit einem Ausdrucke unsäglichen SckmerzeS und unsäglicher Wonne — „da bin ich ja wieder auf dem dreimal heiligen Boden, wo die Gerechtigkeit wohnt. 2a, Mann, Euere Gesetze find ge- ' reche — Gott hat sie geschrieben mit dem kleinen Finger seiner rechten Hand in Euere starken Herzen, wie er geschrieben hat die heiligen Gebote auf die diamantenen Tafeln des Moses. Gerechtigkeit! Meine Seele lechzt darnach, wie daS Auge nach dem Lichte. Ab! Sie haben -über mich den giftigen Samum ihres Hasses gesendet; ich beugte mein Haupt und verbarg es in» Staube der Demukh. aber der Sturm ist vorüber uns ich erbebe es wieder und rufe an die Gerechtigkeit, und sie wird komme»; sie wird beugen meine stolzen Peiniger, wenn sie auch mächtig sind wie Pharao, denn Euer Gesetz ift gerecht wie Gott." Padok sprach mit wachsender Heftigkeit, mir zuneb» mendent Staunen hörte der Poli^imann die Worte au. die er nur halb verstand. Doch »var der Weg noch lang und eine interessante Geschickte konnte nickt schaden; zudem ^attc der Mann eine starke Dosts obrigkeitlicher Neugierde, er erkundigte sich alsd, was denn eigentlich seinen Gefangenen gar so außerordentlich errege. Padok hatte keinen Grund. aüS seinem Schicksale ein Geheiiuniß zu machen, er erzählt also, erzählt Alles haarklein. und mit vieler Leidenschaft, unbekümmert um die befremdeten Blicke, um das bedenkliche Kopfschütteln dcS Polizeimanncs. ..Und wie heißt denn der Lord?" Trug endlich der Engländer mit der würdigen Ruhe eines HandhaberS der .öffentlichen Sicherheit, der zuerst von einem schweren Derbrecken Kenntniß erhalte Wenn die Erde neben ibm geborsten -»väre. hättees keinen schrecklicheren Eindruck auf Padok macken können, als diese sechs Worte auf ihn »tackten. Er erbleichte unv blieb wie eingewurzelt stehen, denn letzt erst erfuhr er, daß er nie nach dem Namen der „schönen Prinzessin" -gefragt, und daß er nie Gelegenheit batte,'sich nach der Persönlichkeit jenes Mannes zu erkundigen,-dem er doch unerbittliche Racke geschworen. Pavok war aber nicht der Mann, dcr sich durch solche Hindernisse absckrecken ließ. Er kannte die Orte, wo die Großen deS Landes sich -zu versammeln pflegten, zu ernstem Werke oder heiterem Zeitvertreib; an einem dieser Orte mußte er ihn finden, den er so unaussprechlich haßte, mußte er sie finden, die er fo unsäglich liebte. AlS er am Morgen aus dem Polizkihause entlaisen wurde, machte er sich denn sofort auf die Wanderung. Er durcheilte alle öffentlichen Gärten, alle DergnügungSorte, .er stand Tage lang am großen Portale deö Parlainentsbauses und wartete. ob e r nickt kommen werde. Alle Mühe war vergeblich. Da horte er von einein Wettrennen, das in der Nähe Londons stattfinden sollte. Padok eilte bin. und der Erste, dem er begegnete, war — rer Entsetzliche, der mit so kalter Bosheit fein Glück zertrümmert batte.