Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 40 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
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158 bang jenes schauderhaften DandaliSmuS be ehrt und füblte hierdurch so sehr aufgebracht, daß er die schleunigste unv strengste. Untersuchung und Bestrafung befahl. Ein zuverlässiger und erprobter StaatSrath, versehen mit unumschränkter kaiserlicher Vollmacht reiste ünverz'üglich unv so geheim. daß außer dem betreffenden Minister die doch-, sten Staatsmänner von dieser Misston nichts erfuhren. £um Schauplatze der verübten Gräueltbatcn. Kaum mar von seiner Ankunft daselbst der preußische Eonsul in Kenmniß gesetzt, als sie auch schon, durch ein verabredetes Zeichen, der Dr. Bastlides erfuhr. Dieser schlich noch an demselben Abend, den Knaben Aleris an der Hand tübrend. und rorstchtig unter.seinem Mantel daS schwarze Kästchen deS verstorbenen Dr. Apollonias verbergend' durch ei» entlegenes Gartenpförtchen aus dem Bereiche des Klosters, um dasselbe niemals wieder;u betreten. 2m geräumigen Hause dts preußischen EonsulS wurden ibm und dem Knaben zwei abgeschlossene Zimmer einstweilen zum Aufenthalte eingeräumt. 'Am darauf folgenden Morgen wurde durch einen Verbaftbefedl deS Kai. scrlichen Bevollmächtigten die Schuhmacherfrau gesanglich eingezogen und die- Untersuchung eingelestet. Anfangs wollte jene Schubmacherfrau hartnäckig älle ihr vorgestellren Beschuldigungen laugnen, als ihr aber der Knabe rorgeführt, dessen Eltern ibr gegenüber gestellt wurden und als diese in der Freude wegen ihres ipiedergefunvenen Sohnes an gar Manche ne in Widerspruch bringenden Aeußerungen erinnerten, da gestand ste dey, Untersuchungsrichter ihre Schuld und erzählte umständlich den ganzen ibr bekannten Verlauf jenes' schreckliches Ereignisses. In einer Zuchtunk Besserungsanstalt baue ste fünfzehn Jahre lang Zeit über ihr^ frvmmes Werk nachzuvenken, und auch die Rädelsführer ,enes mörderischen Aufstandes wurden zum Schadenersatz und zur angemessenen Bestrafung verurrbeilr. Der Higumenos Polvkarpos und sein vertrauter Gebülte. Bruder Eucharios, widersetzken stck lange,-bor dem weltlichen Gerichtshöfe zu erscheinen, mir der Behauptung, daß nur der Patriarch sie zur Rechenschaft ziehen könnte. Doch auf eine Zuschrift des bevollmächtigten SkaarsratbeS an den Patriarchen, rn welcher derselbe erinnert wurde, baß der Kaiser der erste Patriarch der griechischen Kirche sei und daß er diese höchste geistliche Würde seinem Bevollmächtigten übertragen könne und übertragen habe, erschien von jenem Kirchenfürsten eine Ermächtigung für den Skaarsrath zur Untersuchung der Anklage und zur Vollziehung eines jeden Straferkennl» niffes. Der Higumenos verlebte den. noch kleinen Rest seines DaseinS in einer Büßrrzelle eines im fernen Norden liegenden russischen Klosters und Bruder Eucharios besuchte die Eisfelder Sibiriens. Den ganzen Verlauf der Untersuchung und die durch dieselbe entstandenen Straferkennrnissc wurden durch die öffentlichen'Blätter dem größeren Publicum mitgethcilt. Daß aber durch die Enthüllungen des seitdem verschwundenen Dr. BastUves da- Höllengewebe zerrissen und durch das preußische Consulat zur Kenntniß des Kaisers gebracht wurde, pstanzte sich mur in vertraulichen Kreisen durch mündliche Mittheilungen fort. . ES war am zweiten Mai, am dreiundvreißigsten Tage im Omer, alS daS Judenquartier der großen Seestadt einen wehmüthigfreudigen Anblick darbst. Der halbe Festtag ward dort für jenes Jahr zum ganzen hehren Feierrag erhoben, zur Dankesfeier für die göttliche Errettung. Jung und Alt, Männer und Frauen strömten an jenem Tage in früher Morgenstunde in die Synagoge, in welcher so viel wie möglich die Lrauerzcichen der Zerstörungen entfernt und an deren Stelle Freubenzeichen der Dankbarkeit aufgerichtet waren. Gar Mancher, welcher noch »nr schweren Wunden schmerzlich litt, ließ sich ins Gotteshaus tragen oder fahren, um an jenem Morgen in Gemeinschaft mit den geretteten Brüdern sein Daukgebet zu verrichten. Noch nie wurden in jenen Hallen die Psalmen mit solcher Geisteserbebung. mtt solcher inniger» Andacht gesungen, als an jenem Morgen und der tief gefühlte Tank drückte sich bald in volltönender Freude, bald in lautloser feierlicher Stille aus. Als aber die heilige Thora aurgerollr warb und der bleiche Vorsänger hinzutrat und das Dankgebet aussprach, daß der AUgütige ihn aus Dunkelem Kerker befreit, von bevorstehenden! Tode erlöst habe, als niirren im Scgenspruche die Rührung .ibm die Sprache versagte, va blieb kein Auge thränenleer und allgemeines Schluchzen der Männer und Frauen füllte das Gotteshaus. Nack geendigter Vorlesung wurdb die .Thora zugerolll und dem Rabbiner übergeben. Dieser, das heilige Buch im Arnie haltend, sprach zuerst in hebräischer, dann in der Landessprache ein für diese Feier besonders verfaßtes Dankgebel. in welchem er den Segen Gottes für alle diejenigen erfleh,te, welche für die Rettung der verkannten Unschuld so edel ihre Kräfte widmeten. Unter diesen gesegneten Häuptern wurde vor allem der erhabene Name des gerechten unv liebevollen Kaisers genannt, bann seine hochgestellten Beamten, ferner der preußische Consul und endlich auch die Hingeschiedene Seele deS Dociors Apollonios unv rer Name des edeln Doctor Bastlibes. Nach beendigtem Gottesdienst wurre eine Geldsammlung veranstaltet, welche an freiwilligen Spenden eine bedeutende Sumnie zusammenbrachte, durch welche die drückende Nord der armen beraubten unv mißhandelten Glaubensgenossen gemildert wurde. (Schluß folgt.) Die Reise nach Frankfurt. Ein Schwank. Erzählt von Emil Breslaur. (Cottbus.) „Rebeckche, eS ist mein letztes Wort, Du fährst nicht mit* Du weißt, wenn ich einmal einen Entschluß gefaßt habe, so hä^ es schwer, mich davon abzubringen; also dringe nicht .weiter in mich, denn es wäre nutzlose Mühe." „Aber Davidleben, wenn Dir, Gott behüte, in dem großen Frankfurt ein Unglück zustieße, wenn Du krank würdest, wer fvllle Dich pflegen ’ UeberdieS bleibt ja auch mein Bruder hier, um das Haus zu hüten." „Es geht durchaus nicht, ich habe eS Dir schon erklärt. Vor Krankheit wird mich Gott schützen, und Du wirst für mich beten. In vierzehn Tagen, so Gott will, bin ich wieder hier, und mitbringen werde ich Dir ctwaS, worüber Du Dich ein halb'Jahr fteuen sollst; halt mich beim Wort. Aber gieb recht Acht auf daS HauS, schließ' gut zu und geh' nicht mit dem bloßen Licht auf den