Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 38 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 3)
- Language
- German
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151 Vater- Blick hoffnungsvoll auf ihm ruht, fühlt daS kleine, wie lieb Vater und Mutter eS haben, und der Unschuld holdeS Lächeln ist der beredteste Dank für treue Elternliebe. Bald wächst die Beobachtungsgabe, eS mehren sich die Wahrnehmungen: daS Kind weiß ein freundliches Gesicht von einem ernsten, finsteren zu unterscheiden, und giebt dieS entweder durch Zuneigung oder durch Zurückhaltung zu erkennen. So wenig das Kind von der Unterredung aufzufaffen vermag, fo gering auch der Anfang ist. sich nur merklich auSzudrücken. allmählig wachsen die Schwingen, durch die Gewohnheit der Nachahmung lernt eS sprechen. DaS Wahrgenommene haftet in seinem weichen Gemüthe. und wie ein Lichtbild die Züge dessen tragt, der dem Meister dazu gesessen ist, so spiegelt sich gewöhnlich in dem Kinde die Gesinnung der Menschen ab, deren Pflege eS anvertraut ist. Kinder nehmen überhaupt mebr wahr, als Erwachsene ahnen, und ziehen sich ihre eigenthümlichen Schlüffe darauS; daber denn daS Erstaunen der Letzter» bei mancher kindlichen Aeußerung. darin die Lösung deS RathfelS, wie die Kleinen auf fo. merkwürdige Ideen verfallen. Da nun der mächtige Einfluß, der sich in den meisten Züge«» abspiegelr, anerkannt ist. und da die Neigungen und Handlungen nur Zweige sind, die sich aus dem viel- 4 ästigen Stamme entfalten, so muß schon an der Schwelle deS ErziehungStempelS als erstes Princip. gleichsam alS erster Kunstgriff, aufgefaßr werden, das jugendliche Gemüth; an sich zu ziehen und sich geneigt zu machen. Mit diesem! Principe dürft» zugleich auch einigermaßen die Lösung der wichtigen Erziehungsaufgabe ausgesprochen, sein, den Geist j des Glauben-, der Religion in der kindlichen Seele zu > pflegen und kräftigst zu fördern. Weit entfernt aber fei! bei der Entwicklung und Leitung diesekindlichen Ge-! müthes die so häufig vorhandene blinde Liebe, d. h. die , augenblickliche Nachgiebigkeit, nicht minder die übermäßige! Strenge, wodurch natürlich nur Furcht erzeugt wird, die i daS Vertrauen verscheucht und statt kindlichen, knechtischen I Gehorsam bewirkt. . Die keimende Freiheit gebt somit im | Zwange unter und das gleich bei seinem Eintritte in die j Welt verdüsterte Gemütb wird sich in sich selbst zurückj ziehen. Der Zwang überhaupt macht versteckte, hinter- | listige, nachtragende Menschen; die Freiheit ist ein höchst l kostbare- Gur, welches geschont und nicht unterdrückt sein ' will. Allerdings giebt eS einen heilsamen Zwang der; Zucht, aber rin Kind nur mit eiserner Strenge behandeln.! heißt dessen geistige Kraft lähmen und seinen Körper! ertödten. Einen weiteren Fehler machen Eltern und Erzieher gewöhnlich dadurch, daß sie trotz verständigen Zureden-, sobald die Kinder sich nicht mehr verständig zeigen, ihre Zuflucht zum Stachel deS Ehrgeizes nehmen und somit Eitelkeit und Stolz erwecken, die in der Selbstliebe bald fruchtbaren Boden finden. Daraus wuchert sodann daS schädliche Unkraut der Selbstgefälligkeit, der Gefall-, Verkleinerung-- und DerleumdungSfucht hervor; aus dem Stolze entwickelt sich Verachtung und Neid, und ist einmal die Verblendung eingeriffen. so rückt er leicht über die Stufen der Hoffart, de- HochmutheS. deS Dünkels und der Aufgeblasenheit, selbst bis an die Grenze der Verrücktheit hinaus. DieS Allewird jedoch erst durch falsche Einwirkung der Eltern und Erzieher auf daS zarte Gemüth vorbereitet und hingewiefen. Ebenso n^chtheilig ist die gewissenlose Vernachlässigung aller religiösen Bildung. Wo daS Kind durch Belehrung lediglich auf daS außer ibm. nicht auch auf daS über ihm Befindliche, auf Gott und feine Werke, hingeleitet wird, du bleibt der schlummernde, sittlich»religiöse Keim nicht nur ungeweckt. sondern eS wird zugleich der erste Schritt zur künftigen Religionslosigkeit gelegt. Statt deS Aber- und Unglaubens pflanze man Gottesfurcht und entferne den Glauben an Gespenster und Spukgeschichten. wodurch die kranke Phantasie widernatürlich aufgeregt und eingeschüchtcrt wird. Ebenso schädlichen Einfluß hat auf daS zarte Gemüth die Macht deS schlechten Beispiels. Vor Allem daS der Eltern selbst. Daß Eltern ihren Kindern oft selbst das größte Aergerniß geben, wer sollte dieS für möglich halten? Und dock geschieht dieS und zwar gewöhnlich bei solchen, die aller wahren Religion bar. Nichtfür heilig und unverletzlich halten. Mangel an Religion also ist die O-uelle aller dieser Erscheinungen; gleichwie echte Religiosität als die Mutter aller Tugend betrachtet werden kann. In größerer Gefahr sittlich verdorben zu werden, schweben die Kinder bei dem steten Umgangs mit dem Gesinde. Hauptsächlich Lügenhaftigkeit und Schamlosigkeit, wahre Giftpselle für daö jugendliche Gemüth, nehmen zumeist von dieser Seile ihren Ursprung, und sind Wahrhaftigkeit und keusche Scham einmal untergraben, so wird dafittliche Gebäude bald zusämmensinken. Wir möchten allen gefühlvollen Eltern den Kummer ersparen, an ihren Kin-, dern die fehlerhaften Neigungen der Dienstbeflissenen wiederholt zu sehen, deren alleiniger Obhut dieselben im zarten Alter überlassen waren. Eine Begierde in fich ausnclbmen gehl gar schnell; ein Bedürfnis eine Neigung, } eine Redeweise sich angewöbnen ist kinderleicht, aber dem « Allem wieder entsagen, das wieder abgpwöhnen, erfordert <- beißen Kampf ohne daß man immer deS Sieges gewiß ' fein kann. DiS naturgemäße Entwickelung ist gekört worden, die Reinheit des Leben-, wie es auS Gott hervorgegangcn, getrübt; in die junge Seele ist Zwiespalt gefallen. da- Hochgefühl der Harmonie des Wesens ist ent^ schwunde» und ein Schwanken zwischen Recht und Unrecht eingetreten.-Sache der Eltern ist es sohin, bei der Wahl deS Dienstpersonals höchst vorsichtig zu verfahren, unv allerortS rin wachsame- Altge dnrchblickcn zu lassen. Der kindlichen Unschuld droht aber auch ähnliche Gefahr durch andere.' schon verdorbene Kinder, indem sie instinktartig sich getrieben fühlen. eS anderen Gespielen in AllM. gleich zu thun. Wir warben hier nur vor dem zu langen Alleinsein der Kinder, wodurch wahr,- Gift gegenseitig eingeimpft wird. Datum wache man auch hiermit Vorsicht! WaS Sounenwärme in der Pflanzenwelt, ist die sittliche Bildung in der Erziehung, indem erst sie Leben und Geist hineinbringt. Sie quillt am liebsten aus dem frommen Elternherzen in da- Herz deS KindeS, daS wiederum stets eines anderen liebenden Herzenbedarf, um sich daran anzuschließen; einer mit Liebe leitenden Hand, ' der eS sich gerne anschmiegt, einebeachtenden AugeS, zu dem chS mit Liebe aufiieht. einewarnenden BlickeS. den eS nicht blos nicht fürchtet. sondern vielmehr hochachtet, und endlich einestarken Arme-, der daSsKind zu retten