Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 37 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
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146 Bundesgenossen gleichzeitig über da- Judekviertel der Stadt bert'allen wollten. In ihren Reden wurden diese beidan Männer, riese lebenden Sinnbilder des blinden Fanati-muS, deS'boch» mütbigen Dünkels und der schmutzigen Habsucht, durch ein leise- Poche» an rer Lbür unterbrpchen. Auf den Ruf de- HigumenoS trat der Alosterbruyer Eucharios ein,' einen zerlumpten Benelbubcn an de« Hand sübrend. Der Kaufmann Ksidv wollte, durch hen Eintretenden überrascht, schnell in seinen Mantel sich hüllen, doch blieb er beruhigt stehen, als der Mönch seine Kapuze auf den Rücken warf und ihn mit woblbekannrer Stimme grüßte. „Ihr seid e-, würdiger Vater", erwiederte ihm der griechische Kaufmann, „und dieser ist wabrscheinlich der Knabe, welcher hier erzogen werden s-ll. Kennt Ihr seine Eltern? wer sind ste?" „Seine Eltern", erwiederte der Mönch, „wohnen am Eingänge der großen Judengaffe. Sein Vater arbeitet im Hasen, seine Mutter gehet aus waschen. Dieser Knabe will jetzt bei uns bleiben, er erhält hier schöne Kleider und gute Speisen. Nicht wahr, Aleris. Tu bist gern bei unS?" Mil blödem Slumpfstnn bejahrte der Knabe diese Frage und fügte hinzu, daß er großen Hunger habe. Nachdem noch einige nähere Bestimmungen besprochen waren, entfernte sich der Kaufmann. Auch der Mönch Eucharios begab sich mit dem Knaben Aleris in eine kleine zur Seite gelegene Zelle, betrat dann nach einer halben Stunde wieder das Sprachzimmer mit feinem kleinen Begleiter an der Hand, welcher aber kaum, zu erkennen war. so sebr baue ihn seine reinliche Erscheinung und sein befferer Anzug verändert. „Gefällt e- Dir bei uns, mein Kind?^ fragte ibn, drc Haird reichend, der HigumenoS. „Ich habe sebr viel gegessen, ich bin ganz satt!" lautete die blöde Antwort des schüchternen Jungen. „Gut. führe ibn schlafen, lieber Bruder; dem Bruder Docror wird er erst' morgen früh übergeben werden. Komme bald wieder unk bringe die Taube mit." „Nur eine kurze Zeit war rer Mönch entfernt, wab» rend rer HigumenoS in unverständlichen Worten seine Aufgeregten Gedanken verrietb. als rer vertraute Mönch sich vorstchtig umblickend mir einem kleinen Kleiderbünde! und einer lebendigen Laube wieder inS Svrachzimmer trat. Aus diesem begaben sich beide Männer schweigend, nur durch zugeworfene Blicke sich wechselseitig versichernd, daß sic unbelauscht seien, in eine durch eine LapeteNthür verborgene Seitenzelle. Der Bruder EucharidS schlachtete die Taube, ließ daS Blut vorstchtig auf die mitzebrachten zerlumpten Kleidungsstücke des Knaben laufen und blicktedabei so ängstlich mir zitternder Hand um stch, als ob er hier eine Mordthat vollbracht hätte. Diel Kleider wurden wieder zusammengepackt, die geschlachtete Taube entfernr und noch immer schweigend begaben stch dann beide Männer wieder inS Sprachzimmer. Hier erst wagten ste wieder tief aufzuathmen und der alte HigumenoS, zuerst die Fassung gewinnend, fragte mit gedämpfter Stimme den vertrauten Bruder, ob er denn auch wirklich jener Schuhmacherfrau davollkommene Zutrauen schenken, ob er auf ihre Verschwiegenheit bauen könnte? „So fest wie. auf einen FelS", erwiederte. versichernd der Bruder EucharioS. „Diese Frau", so fügte er hinzu, „kenne ich schon sebr lange, sic ist mir Seid und Seele unserer Kirche ergeben und ttichl minder haßt sie die deutschen Ketzer, wie die verdammten Juden. £ft schon fragte sie mich: ob es nicht Sünde fei. daß sie leben Samstag den Juden auf ihren Sabbatb so viele Dienste leiste, ihnen. Licht anzünve. Zimmer hei^. Speise koche und dergleichen mehr. Ich beruhigte ste, gleichsam ahnend, mir der Hoffnung, daß sic gerade hierdurch einmal vom Herrn erwählt werden würde, unsrer heiligen Kirche einen großen Dienst zu erweisen. Darum war sie so hoch erfreut, als ich ihr dieser Tage mittheilte, daß diese, gnadenreiche Stunde nun erschienen wäre und daß der Herr durch ihre Hand unserer Kirche daheiligste Opfer bringen würde. Ich theilte ibr darauf den Plan zu unserem frommen Werkt mit, worauf ste mir in heiligem Eiter versicherte, daß her Herr die Ausführung dieseheiligen Unternehmens: in keine bessere Hand hatte legen können, alS in die ibrige. Denn schon seit Jahren sei ste in dem Hause des alten Svuagogen-Vorsängers die Sabbakh-Frau, in demselben sei vom Keller bis zum Dache kein Eckchen ihr unbekannt, dürfte in demselben frei umhergehcn. wo und wie ste wollte, besonders aber käme sie oft-in den Keller, in welchem stch die Kohlen befänden. Dort wollte sie hinter einem Fasse die blutigen Kleider verbergen, wo sie nur von demjenigen gefunden werden könnten. dem sie den Ort näher bezeichnen würde. Sie harret mein noch diesen Abend in der Kirche des heiligen SlrpbanoS und ich werde mich sogleich auf den Weg begeben, tieseS Bündel ihr zu bringen." „Der Herr geleite Dich zum frommen Werke!" sagte zunz scheidenden Klosterbruder der alte HigumenoS. II. Das Laboratorium. Der Klosterbruder, Dr. BasiUdes, saß aufmerksam.an der Spiritusflamme, über welche in einer, Glasretorie ein braunes Gemische verschiedener Gegenstände kochte und brodelte. Die aufsteigenden Dampfe wurden mittels ge» * bogener Glasröhren durch kaltes Wasser geleitet, wo ste dann in einem anderen GlaSgefäß zu einer hellen klaren Flüssigkeit stch verdichteten. Der Knabe AlenS stand aufmerksam und gaffend dem Doctor zur Seite und reichte ihm bald Viesen, bald jenen Gegenstand, indem er nur kurz und blöde die an ibn gerichteten Kragen beantwortete. Denn obgleich dieser Knabe nur wenige Spuren der Der^kran zeigte, so folgte er dennoch streng gehorsam der Unterweisung, welche ihm am Abend vorher der Bruder Eucharios enbeilte; besonders aber fürchtete er sich in den heiligen Klosterzellen, den unheiligcn Namen zu nennen, mir welchen, er und seine Eltern in der sündhaften Welt gerufen wurden. Bruder Eucharios hat ihn überzeugt, daß im Kloster nur die Namen der Heiligen ausgesprochen werden dürften, daß er hier nur AleriS gerufen werde, daß auch der Name feiner'Elrern hier in heilige Namen umgewandelr werden müßten. So oft darum der vr. BastlideS nach seinem und seiner Eltern Namen sich erkundigte, so oft erhielt er von seinem neuen kleinen Gehülfen dieselbe Antwort; weil dieser Knabe doch schon verschmitzt genug war. um in diesen wiederholten Fragen nur eine Prüfung zu erkennen, ob er dem Bruder Eucharios auch gehorsam sei. Der vr. Banlides, in Gedanken