Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 35 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 3)
- Language
- German
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139 ihren engen Zellen die unermeßlichen Himmel-raume, während cö diesen in ihren weilen Sälen immer zu eng wird. Zum Schluffe will ich meinen Lesern, so ungern ich mit Unangenehmem schließe, doch noch eine Bemerkung nicht vorenthalten. Auch die- Mal har sich mir auf der Reise die traurige Erfahrung aufgedrängt. wie den neueren Jude« unter anderen Tugenden ihrer Väter ganz besonderdie Gastfreundschaft abhanden gekommen. Dieaber nicht etwa den sogenannten aufgeUärten Juden, sondern gerade den orthodvren. An Orten, wo nicht arme Juden wohnen, bei denen man für schwere- Geld schlechteaber doch koschere- Essen bekommen kann, ist der Jude, der die Epeisegesetze hält, zum Hungern verurtbeilt, denn der bemittelte Jude giebt weder für Geld noch gute Worte ein Mittagessen her. ES hat mich dies, wie schon oft, auch die- Mal schmerzlich berührt, und eS scheint wirklich, alob solche „fromme" Juden geflissentlich diese Weigerung vollführen, um minder gewissenhaften Glauben», genossen eine Rechtfertigung zu verschaffen, wenn sie die Epeisegesetze aufgeben. In der That, die neuere Zeit hat der großen Masse der Juden viele schöne Tugenden genommen, und wasie ihr dafür gegeben, ist noch sehr zweifelhafter Natur. Der Hund als Kainszeichen. (Midrasch Beresch. Rabbah Cap. 22. Pirke R. Clirsrr Cap. 21 Ramban und Avravanel zu 1. B. M. 4,15.) Unstät, flüchtig, lebensmüde Wandert Kain längst herum; Heimat suchend. Ruh' und Friede. Blickt er ängstlich, scheu unv stumm. — GotteSfluch drückt feine Seele, Sein Gewissen Brudermord; Birgt er sich in eine Höhle, Rufen tausend Stimmen: „fort!" — „Mörder" tönt eS in den Lüften. Selbst der Tiger ruft'- entsetzt; Lauert sein in Felscnklüften, Wo den blur'gen Zahn er wetzt. „UnsreSgleichen wir nicht tödten!" Hallt eS überall im Wald. Und er flieht in diesen Nöthen Bor der eigenen Gestalt; Wünscht sich lieber tobt als solche EndloS harte LcbenSpein; Denn eS rufen Drach' und Molche: ..Sollst verflucht auf ewig sein!" „Ein Gethier nur folgt ihm dienend. Folgt ihm treu auf Schritt und Tritt; Wie sein Schatten zieht eS sühnend Auf der Erdenpilg'rung mit. Abel'S Hund ist'S, der die Hcerden Seine- Herren einst bewacht; Dieser theilt mit ihm Beschwerden, Hüter treu ihn Tag und Nacht. Abel » Hund« der den Gebieter Blutend stürzen sah in Tod;. Der ist nun de- Mörder- Hüter, Wenn Gefahr und Angst ihm droht. Wenn er müd' die Augen schließet. Jede Störung er verscheucht. -/ Freundlich wedelnd er ihn grüßet, Wenn vo^ Angst die Brust ihm keucht. Rachewerkzeug fvnder Gleichen Wählet Gott, da- Niemand kennt; Solche- 'war das Kain-zeichen. Daihm folgt zum Weltenend'. Stete Mabnlung de- Gewissen- Folgt, der Hunv des Abel- «ach, Ruft im Bvocken jede- Bissen- Reue unö Erinn'rung, wach. Wgr'S der Hund doch, der verscharrend'). Grub deü Leichnam tief in'S Grab, Als de- MörberS Hand erstarrend Jhta die > letzte Ehr' nicht gab. War'- der ^und doch, der da leckend, — Trank daß Blut, daer vergoß; AlS die Erhe tief erschreckend —. Weigerntz ihren Mund verschloß. Darum folgt da- Kainszeichen, Abel'S Hund, dem Mörder nach; Will die Ruhe ihn beschleichen. Zeugt dar Hund, waS er verbrach. AlS von GnkelS Hand getroffen Bon deS Pfeileirrem Lauf Kain hinstürzt ohne Hoffen; Leckt der Hund auch sein Blut auf. Simon Bachtr. . *) Pirke R. Elieser. ibid. Ein Brief an die Redaction der Areh. isr. de Fraiee. Cafal (Piemont), 11. Juli 1859. Mein Äerr! Sie haben während deletzte» Monattn den ^rohivso israelites die Namen der französischen Ofstci^rr israelitischen Glauben-, von denen ein TherT der italieuischen Armee angehört, veröffentlicht. Sie versprachen, deren Liste nächstenzu vervollständigen. Daist sehr gut, mein Herr; esind die» Tapfere, die alle ihr« GlaubertSgenoffen gern kennen lernen mögen. Man ist sehr beftiedigt, zu sehen., daß diese Oificiere stolz auf ihye Religion sind. Hier eine Probe davon. Zu Casal wurde einer von Ihnen bei dem Marqui- I..., der in der Judenstraße wohnt, einquartirt. Der Osficier stattet ihm seine Visite ab, und fragt ihn, ob er Jude sei? „Gott sei Dank! ich bin enicht", erwiederte der Marqui». „Und ich. ich bin eiiner, Gott sei Dank", stgte der Offieier hinzu. Der Marqui-, der hierauf nicht vorbereitet war.