Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 35 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
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138 und erquicken kann. Und da verbring! der Herzog die Sommermonate in dem einfachen, weißgejtünchtem Schlosse, dessen Wände überall mit grünem Laubeüberzogen und . von den reichsten'Blumenterrassen umgebtn sind. Hunderte zieben an dem Fürstenhause vorüber u^iv fühlen sich in dem berrlicken Parke gehoben und erlischt. Dies ist unsere Zeit. Zn'der Thar, wir mögen solche mittel» alterlickcn Trümmer gern einige Augenblicke, anscdauen, unv bei der roben Masse zugleich das frohe Gefühl hegen, daß diese Raubnester in Trümmern liegen. Wle entzückt afrer uuscre Seele von de:n Anblick unv Genüsse dieser Scköprungen der Bildung und Humanitär, in welcher Kunst ^unv Natur ibre herzliche Vermählung feiern. . Wie übc.rall in den Bädern fände» sich auch hier unsere Glaubensgenossen in ziemlicher Unzahl vertreten, und einige von ihnen zogdn in unangenejhmer W-ise durch übertriebenen Lurus und gespreiztes Wesen die Blicke aus sich, während andere von ihnen durch Einfachheit und Bcsonnenbeit -ein schönes Maß echter Bildung verrierhen. Am Ende hatte man auch hier Gelegenheit zu bemerken, wie sich immer wieder die Juden zusammenstnden, und alles Drangen zu anderweitigem Umgang ihnen dock nur übrig laßt, zu ihres Gleichen ihre Zuflucht zu nehmen. DaS Völkchen der Umgegend zeigt dtörchgehends einen guten Menschenschlag. Es zeichnet sich , durch Höflichkeit und Anstand auS. und ob wir am Sjvnntage oft viele Hunderte zusammensahen. bemerkte maß niemals Streitigkeiten, Schimpfereien u. s. w. Um so weniger kann ich e» unterlassen noch einmal auf die Mißverhältnisse unserer Glaubensgenossen, wie wir fie oben' geschildert, zurückzukommen. Freizügigkeit ist in unserer Zeit cre Seele alles bürgerlichen unv gewerblichen Lebens. Man kann dem modernen Menschen viel eher jedes andere Recht rorentbalten. nur muß eS ihm gestattet fein, sich . seinen Herd aufzuschlagen, wo er sein Brot in Fleiß und Redlichkeit zu erwerben bofft. Das Gebjmbrnsein an die Scholle ist der fürchterlichste Gedanke, der rem an einen nicberzulaisen, uns dem Anhaltiner nicht, sich in Bayern, einen Herd zu gründen. Um wie viel verachtungswerther ist noch die Bestimmung, welche den Kindern eines kleinen Ländchens ans confesflonellen Gründen die freie Bewegung in deür beschränkten Raume des! kleinen Staates nicht gestattet. Und als confeffloneU muß. der Grund doch zuletzt bezeichnet werben, da die Schrank« fallt, sobald der Jude von seiner Religion abfäsir. Vor einigen Jahren hatten die Lanestände von Meiningen den Wegfall dieser Beschränkungen für die Juden volirt. Da erhob sich ein Petittonssturm von Gevatter Schneider unv Handschuhmacher, und der Herzog hörte auf diese mehr alS auf die Stimme der LankeSvertreter, und strich diese erste aller Wohltbaten und Rechte aus dem Gesetz«! heraus. Dennoch gab er vor einiger Zeit einem ü« Vas Land sehr verdienten Brudcrpaar die Erlaubniß, sich in der Residenz anznkaufen. Großer Rumor in dem Stäbchen; man droht den Leuten, man will ihnen die Fenstereinwersea. Die beiden Männer verachten diesen Unfug Und siehe da — da- Wasser verlies sich schnell. Ein anderes qui proquo geschah einige Jahr, früher. Auf da» viele Ansuchen der Juden wollte man ihnen endlich ein kleine- Genüge rbun. und gestattete ihnen, vor dem Thore eine Art Kaufhalle zu errichten, wo eine kleine Zahl jüdischer Kaufleute Gewölbe Hallen dürften, während jene dem Dorfe Dretßigacker zugeschrieben blieben. Man schmeichelte sich. paß an dieser entfernten Stelle die Juden bald zu Grunde gegangen sein würden. Aber wie anders kam eS! Dieser Bazar wurde der Mittelpunkt neuer, schöner Bauten; «s erhob sich hier bald ein neues Stadtviertel, und da sich in jüngster Zeit auch der Bahnhof hier anfchloß, so ist dieser Stadtheil jetzt der beste Theil der Residenz, während die alte Stabt vernachlässigt blieb. In dem allgemeinen Interesse, solche mittelalterliche Verhältnisse alldem deutschen Vaterland« immer mehr zu entfernen, und im Besonderen für meine Glaubensgenossen in dem schönen Ländchen, kann ich daher an diese nur wiederholt die Aufforderung richten, fich immer wieder zusammen zu thun, und gemeinsame, gründlich ausgearbeitete Vorstellungen an' den Landtag und an den Herzog zu richten. Zuletzt muß die gute Sache siegen. — Und so will ich denn von hier nicht scheiden, ohne noch eine Anekdote zu erzählen, die meinem liebenswürdigen Cvllegen Dreyfuß vor Jahren passirtc. Als junger Mann hofmeisterte er mehrere Jahre in Verona, und wurde von va nach Gr. Kanischa in Ungarn berufen. Es war eilig, aber der Paß abgelaufen. Da rielh ihm der Podesta von Verona, mit dem von ihm visirlcn Paß nur rüstig quer durch Kärnlhen und Krain zu ziehen. Würde er in Laybach den Paß visirt erhalten, so hatte er nichtmehr zu riSkiren. Er tbuts, und kommt in Laybach an. Cr begiebt sich auf die Bürgermeisterei. Indem er in das Bureauzimmer eintritt, hört er. wie der Bürgermeister zu einem anderen Manne sagt: ..Wie glücklich ist doch ein Land, wo keine Juden sind!" Man klMit sich den Schreck unsere- Reisenden denken, was ihm bevorstände. wenn der gestrenge Bürgermeister auS dem Passe ersehen würbe, daß ein solches Kerker für Lebelang sehr nabe kömmt. Ist doch vie-virl- Subttct vor ihm stehe! Allein in der Aufregung gegen besprochene Einheit Deutschlands fo lange noch ein wahr^-^he^Zuben blickte der Bürgermeister von Laybach nur auf baft hier aft lächerliches Phantom. alS.eS dem Preußen (ich spreche jHe letzten Visa, malte sein Visum darunter, und gab den ier von Christ unv Jude) nicht gestattet'ist, sich in Anhalt Paß dem — Glücklichen zurück. So ist auch der Judenhaß manchmal für etwagut. Die Rückreise machten wir über Eisenach, wo wir einige Stunden verweilten, um die rrstaurirte Wartburg zu besuchen. Da- Herrlichste an diesem Punkte bleibt stets der Blick in die reich« romatitische Umgebung. Aber wir hatten eS nicht gut getroffen, denn die anhaltande Dürre hatte das Land ringsum gänzlich ausgebrannt, unv selbst die Wälder hatten, schon Anfang- August einen großen Theil ihres Laubeverloren. WaS daS wiederhergestellte Schloß betrifft, so machte cs im Detail keinen großen Eindruck auf unS, und verweisen daher unsere Leser auf die erste beste Beschreibung. Interessant bleibt immer tzieser alte Daustyl, in welchem sichtlich der byzantinische in den gothischen übergeht. Der Saal, in welchem der bekannte SangeSkamps vor sich gegangen sein soll, ist unbedeuteck^, wogegen der Banquersaal bedeutend und von reichstem Karbenschmucke ist. Auch die Lutherszelle besuchten wir, und gewahrten hier, daß, wie zu aller Zeit, die Herren deS Geistes ganz anders alS die Herren von Schwert und Lanze placirt waren. Dafür öffnen sich jenen in