Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 35 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Bolksvlatt Zar Zjetehrung und Anteehattung nus jüdischem ZeKiete. HrrauSgegeben von Rabbiner Br. Ludwig Philippson in Magdeburg.- lNo. 33.1859 ] So» dieser Zeitschrift erscheint wöchentlich eine N»»«er. Preis des 3a6»< ga»gs 1 Lhir Lierteljöbrig?', Rgr. >Ue vuchbandlunge», Postämter »ad ZettnugsexvediNoar» nehmen Seftelluage» «n. ^6. IaKrg. 3. «Quartal] Aus dem Bade. iSchloß an» Nr. »4.) Doch kehren wir in Ltebenstein selbst ein. ES ist eineder kleinen Päder, deren Thüringen mehrere zählt, und daS schon mannichsachen Wandel rurchgemacht har. Jetzt ist eS wieder ziemlich in Aufnahme, da neben dem ursprünglichen Eisen« und Saurrbrnnnen, neben Mineral» und Soolbävern und einer guten Ziegen-Molkenanstalt auch eine großartige Wasserheilanstalt gegründet und ein prächtiges - Gebäude dazu erbaut worden ist. Da nun außer dem geräumigen Kurhause und dem dazu gehörigen „Langenbau" nur daS ausgezeichnete Hotel Müller und einige angemessene Privathäuser zur Aufnahme von Fremden geeignet sind, so grrathen in der Mitte deS SommerS neue Ankömmlinge oft ifi die uiiangrnebme Lag,, weil ohne Unterkunft, wieder abreiftn zu müssen. Liebenstein nimmt, außer einem Convolut gewöhnlicher Dorfhaufer, nur eine, aber wirklich prächtige Straße ein, in welcher außer den genannten Gebäuden auch noch ein Theater und des Herzogs von Weimar geschms^volleS PalaiS sich befinden. Ein bübfcher Platz vor dem Kurhaufe. eine Esplanade und Promenade geben dem Kur- und Badegast zur Stunde der Kur einen angenehmen Spaziergang. Liebenstein liegt in einer Bergspälte, so daß rechts und link- und hinter ihm vor« den Häusern, die auf der Thal» sohle stehen, an. die Berge aufsteigcn; nach Westen zu dehnt sich zwar eine Ebene auS. so jedoch, daß sich bald ein stattlicher Querriegel von Felsen davor zieht, der nur zu beiden Seiten ein,n ThalauSgang übrig läßt. Daher kömmt rS, daß Liebenstein vor Nord-, Lst- und Südwinden geschützt ist. und nur den feuchten Schwingen deS Westens einen Zugang bietet, weshalb eS für Brustleidende einen ausgezeichneten Aufenthalt bietet und in der ganzen Gegend ein Lungenphlhisiker eine Seltenheit ist. In dteftni Sonimcr war nun der Westwind rin gor müder Gefell, unv konnte eS sein, den«» er hatte unS den ganzen Frühling verregnet; weshalb wir ununteibrochen das vrächtigste Wctrer, d. h. jedoch zugleich daS heißeste, aber mit herrlichen Morgen und Abenden hatten. Die nördliche Brrghöbe. mit einem vorzüglichen Buchenwald« bedeckt, ist durch Anlegung vielfacher Pfade zn einem genußreichen Waldspaziergange gemacht. Tie Höbe desselben krönen die Ruinen der alten Burg Liebenstein. ES muß dieS ein tüchtiges „Lug inS Land" gewesen sein, denn nach welcher Seite man fich entfernt, ragen die woblerhalrenen Mauerreste. die fn keckster Weise auf nackten Fels gestellt sind, hoch über dem Walde heraus. Hingegen tragen die obenerwähnten Felftnreihen im Westen daS herzoglich, Lustschloß, Altenstein und aus einem Berzplateau einen der schönsten Naturparke TeutschlandS — ,in Ort. zu | dem man nickt oft genug pilgern kann. Fürwahr, diese beiden ausgezeichnetsten Punkt« der Gegend charakterisiren die Zeiten, denen sie entstammt sind, in merkwürdiger Weise. > und bilden so einen Co'ntrast. der sich hier dem Auge deS ■ Beschauer» auf einmal bietet. Dorr das Mittelalter, daS. auf hohen Fclftnspitzen horstet, weil eS nur da Schutz gewährt und von da über die Wehrlosen und Schwächeren^! herfaUen und herrschen kann. ES liegt etwaS Markiges' unv Romantisches zugleich darin, wie diese Burgen auS > dunkeln Waivern auf fast unzugänglichen Höben, ihre ganze Umgebung beherrschend heraueschauen daß die grauen Mauern eben so scharf vom Blau deS Himmels, wie vom 1 Grün de- WalbeS abstechen. Ueberall bin traf daS Auge de- Wächters von der Zznne deS ThurmeS, aber nur schwer war der Zugang zu dem Geierhorste. Drunten, in der I^THalschlucht verborgen lagen die wenigen Hütten und dürftigen Felder der Leibeignen deS stolzen Ritters, der des BroteS wenig bedurfte, da ihm der, daS ganze Land be» j deckende Wald' Gewild in Fülle lieferte. Und dort das helle Sommerschloß deS deutschen Fürsten; auch auf der I Höhe, aber weil von da auS der entzückte Blick übe: 1 eine weite reiche Landschaft h»S zu den blauen Berge« - streift, überall behäbige Menschenwohnungen, reiche Felder, ja auch die bampfend/U Schlote der Fabriken. Kunst» straßen führen hinauf und die lieblichsten Fußpfade. > Droben ist auch reiche Waldung, aber st, ist zu einer Kunstschöpfnng umgewanvclt; mit schönem Satte ist die . Kunst zur Natur getreten und hat 4nit geübtem Finger leise dawilde, üppige Locktnhaar geordnet, daß eS zum lieblichsten Anblick ward. ' Der Wald ward znm Parke, mit lichten Wieftnplinen, herrlichen Baumgrupren. reichen 1 Blumenrabatten» schattigen Gängen. Hirschzrhege, Spring»! brunnen, Wasserfällen. AevlSbarken, Capellen und ^jlocken-; thürmen, daß die großartige Anlage deS würdigsten Ern«! stcS unv deleichten ScherzeS zur Fülle enthält. DaS j Ganze ohne Mauern und Thore, ohne Zaune und Hecken, überall Aebergänge a»S der Landschaft tn den Park, auS dem Parke in die Landschaft. Daliegt nun offen Tag für Tag. und der Besucher kann sich da gleich dem Besitzer selbst am Genuß de- Schönsten erfreuen. Ja noch mehr, der Fürst tat neben den Stall- und WirlbstbaftSgebLuden in der Mitte deS ParkeS auch ein stattliche- WirtbSbauS erbauen lassen, daß.her Fremde stch behaglich niederlassen