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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 33 (1859) · p. Seite 130

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
33 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 Las ihnen begegnet«, kämpften. Auch Raublkjtere, Hvänen, Rhinoceroffe und selbst Löwen nisteten in. den lieferen Theilen dieser Landschaft. Nur selten kamen Bdenschen hierher, arme Rieesänieider. welche ras Röhricht iheUS trockneten, um es ftkt Feuerung zu gebrauchen, theils zn Körben und Sank.ün-verflöchten. Bald daher hörten die betretenen Wege euf, hier und da schlängelte sich noch ein Fußpfad zwisch:den Sümpfen, bis auch dieser sich im Grase oder im Schlamme verlor. Der stüchrige Rabbah, vom Schiccken gejagt, die Rosse der Verfolger hinter sich glaubend, begrüßte daher freudig diese» wüste Land, weil er hier die Verfolgung für unmögltch und sich 3» verbergen für leicht halten mußte. Er betrat! einen breücn ytrstn'cg. der ibn ncs zwischen die Sümpfe! hmeinbrachre, schlug rann eiii-n Seitenweg ein, der itji hluler eine Reite kleiner Hügel sühne, tre noch aus den Sumpfen sich erbeben, verfolgte einen anderen und als riescr ausböne, eilte er aus den Sumpfränberu son so gut er konnte, bis er noch einige Stunden tiefer in die Sumpfe geralhen war. Hier verlor er mehre,e Male dxn > Boden un-cr seinen Füßen, bis tt glücklicher ’i^kij’e ci#e ganz kleine erbabene Fläche citeLchre, welche f.st.n Borsn hatre, vom Riedgras befreit war und in deren Mure na umgcftltciwr Balmbaum lag. Schnell erkliininle Rabbah die Höhe niiv ließ sich auf den Stamm des Baumes nieder. Nachdem er sich von den Anstrengungen des Marsches erholt, schaute er um sich, und gewahrte,dl« Trostlvflgkclt der Umgebung. D,e dunstgeschwängerlt Lust drücke auf seine Brust; der einzige Ton, den er in der O. de vernahm. war das Gebrüll und Geheut der Raulnhiere auö der Ferne. das ihn uut Schrecken erfüllt«. „Wehe!" rief er.auS, ..dies ist daS'Lanv teS-Todrö! Hast Du nach hierher gelockt, Engel der Unterwelt, um das Wirk au mir zu velll'nngen. das der Ban» mciucfl 'Ahns Ter ver'chrribt! ' — Tle Sonne stand jetzt «n Minag'unv ließ ibre brennenden Strahlen auf den.flüchtigen Messt.r fallen. Gi vcriauk iti tlesks Stnnen. Bor semer Seele zogen die Ereignisse seines L.bcns vorüber, Ems nach trm Änderen; ab.r alle, waren in die Schleier der Trauer gebullt. Er baue soviel gelitten, gewollt, gestrebt. Aber waS er gewiikt uiid erreicht, waS ihur gegluckt und ge.- lungtn, das schielt ihm Alles so klein, so unbedeutend, so rrfolgssck'wach und vorübergehend. ..Wenn lch", sprach er zu sich selbst, „aus diesem Tobesgestlee ulcht wieder zurückkehre, wird nicht'Äll.s umsonst gewesen sein? Renue ich Einen, der ^nein Werk aus seine Schaltern nehmen tönntc, und eS lurircr trüge, daß cs nicht in den Staub sinke?..." Rabbah wußte nicht, daß jede Geist.straft aridere' weck.r. und jede Thal andere nach stch zieht, daß eS keinem Meister an Schülern, und keinem Starken an.Nach-- folgern fehlt; er beda.ire nicht, fo lange der Meister war kr, schweigen die Jünger, aber wenn jener dahin ist. erbebfn sich riese zu Werk und Thal. Er-gedacht« all' Derer, tw ihm im Leben begegnet waren; die Besten und Besseren lagcrr, unter dem Rasen, die Lebenden ballen ihn getäuscht. , Ha'!" rief er aus, „Weib, Du hast wahr gesprochen, Deine Liebe wandelte sich in Haß; dieser Haß har mich in diese Wüste von Sümpfen getrieben, aber auch hier wird er mich stiiten, renn der Haß eines Weibes' ruhet nicht, bis er zum Engel res Todes geworren."... Dock bei diesem Gedanken ward Rabbah seiner bewußt. „Wik!" rief er sich selbst an. ..hast Du nicht Deinen Schülern unzählige Male gelehrt, daß Thora (GefetzeS-- fluditlin) jedweden Fluch aufhebt und den Engel deS Todes verscheucht? Habe ich dies nicht an mir selbst genugsam .erfahren? Wohlan, Rabbah, ring'-mir ihm, gieb nicht nach, rufe das heilige Gesetz zur Hülfe, und zeige all' den bösen Geistern diefeü Llteo, daß ein Weiser in Israel es über sie Älle vermag!... Ist es doch der Preis und Ruhm meines Lebens, daß ich mich nicht wie meine Vorgänger mit der Auslegung über Ncsikul') begnügt, sondern die ganze Lehre alS unthetlbar erfassend, auch in Tebvrotb geforscht, und von Negaim bis Ukzin") gelehrt."... Die Geisteskraft Rabbahs war in der Thal fo groß, daß sie alle die voraufgegangrn.n Schrecken und 'Anstrengungen überwand und bald Hane er stch in einige schwierige Fragen des Abschnittes Lholorh versenkt'"). Hatte aber der Engel des Todes wirklich Achtung vor der Beschäfltgung mit dem Gesetze? Siche, er war ihm sehr nahe... Während Rabbah, die ganze Schwierigkeit seiner Lage vergefstnd, in der Zuversicht, im Schatten deS bciligcn Gesetzes pcher zu wohnen, seine Gedanken allein auf dem Geblcic der Thora und der Tradition schweifen ließ, schlich eure kleine schmale Natter aus dem hohlen Palmstamme hervor, nährte stch dem lorschenden Weisen, der ihrer nicht gewahrte, unv ringelte sich langsam um seinen Fuß, eine offene.Falle des Uiuerkleldes benutzend, um unnrcrklich um das nackte Bei» stch zu legen. scheute der Eitgel des Todes den Weisen in Israel, so latrge er die Gedanken des Gesetzes dachte?... Dce Natter, einer kleinen, aber g.sähllichsten Art zu« gehörend, harte den Fuß RabbahS völlig umschlungen und lvgle den kleinen schuralen Ropf dicht an das Gelenk; aber Rabbah merkte nichts, und blieb voir seine» Gedanken gefesselt. unbeweglich sitzen. So vergingen — vielleicht Stunden — der Messt, r sann, und die Natter ruhte unbeweglich an seinem Beine... Da nioLte cs im Geiste Rabbahs dämmern, und das Bewußtsein seiner Lage lang« sam in ihm wieder erwachen... Mc.st.r, hüte Dich!.-. Dre Sonne ssenkle sich im Westen. Er» staiker Windzug erhob itch, und rauschte über die Sümpfe hin. Das von der Soiuie getönte Röhricht schlug prasselnd an einander, immer näher und naher klirrend, wie der Wind heraristog. Da fuhr Rabbah ans: ..Sind das die Reiter Jfras? Rommen ile und bringen den Tod?" Und wie er vom Stamme, wo er gesessen, sich plötzlich erhob, erhob die Natter an setnem Fuße plötzlich das Haupt, und senkte den Giftz.ihu tief in sein Fleisch... Rabbah fühlte d.n Stich, er griff nach seinem Berne, faßte die Natter, schleuderte sie w-ir von sich. Aber er. der die Natur der Geschöpfe so gut kannte, wpßte was die Schlange und dieser B«ß zu bedeuten habe, und schon fühlte er tue Wirkung. „Du hast mich überlistet, falscher Engel. Du hast mich herauSgeschreckc aus den Gedanken *) Der Abschnitt „von dc» Schäden", al'o über die civil« i rechtlichen Fragen. - *+) Regaim, die erste, Ukzin. die letzte Abhandlung deS Ab« schnitte» Tehöreih vier von dm ReiaigkellegejetziN, die;n größtem Thcile nach dex Zerstörung de» Tempel» kriye vrakiiich: Bede»' tmlg mehr hatten. . ***) Ebenfalls em Theil von Tehoro:h.

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