Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 33 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur Letehrung und Anterhallung aus jüdischem Gebiete. Herausgegebe« von Rabbiner Pr, Ludwig Philipps»» in Magdeburg. riV. Hef« 3rflWrift ttW«rtli4 «Iw *mwim f«i# tf# 3«fr» ffl' « t n » lNo. 33.18a9 ] --- - ÄÄto'JS’UÄÄKSTO’ t6, ^ahrfl- 3-^*>rlal.) R a b b a h. Eine Erzählung cuS dem vierten Jahrhundert. lSchinh <ta$ Re. u. >7. 28. 29. so. Sl.) VIII. Auf ibrer Rückkehr besprachen sich die Schüler Rabbah'S, welche Schritte zunächst zu tbuu seien. Auf Abaj.'S Rath zerstreuten üe sich unter die Menge, beruhigten dieselbe, inrem sie d«e nachdrücklichsten Maßregeln zu treffen versprachen. baten die Haufen auseinander zu geh.n, und nachdem ibnen dieS gelungen, versammelten sie die Poi» strhck der Gemeinde und die angeiebensten der Fremden, die um rer Katiavorträge willen in Pumpaditha weilten. Man beschloß eine schritt aukzufetzen, in welcher die Unschuld Rabbab's erwieicn werte, man sich für ttden Schaden, der den kvnigltchen Einnahmen aus der Kallasttte erfloffen, verbürge» und in Zukunft auf die Erhebung rer Kopfsteuer in Pumpaditha selbst antriige. Diese- Schreiben sollte durch eine Dputarion »ack Ktesipbon an den Hof gebracht werten, welche zugleich mit Enifchredenheir erklären solle, daß jede Verl.tzung Rabbah's das Zeichen zum allgemeinen Aufstande der Israeliten im Lanee und zu einem Vezzweiflungrkampte derselben sein würde. Man solle dabcr wobl überlegen, welch' großen Schaken man der königlichen Sache dadurch zufüqen werde, noch dazu da das ganze Volk fragen würde: ob kies der Dank tue die Rettung der Kön gin sei? Ricbt weniger solle rie Drpulalion dem R.sch'Glurda Mar-Ukban erklären, welch.n Haß er ft<t> durch rie Verfolgung des unschuldigen Rabbah zuziehe. und daß ein einzt.er Schritt weiter b.wrrkrn werke, daß sämmtlichc Jude» ibm den Gehorsam aufkündigen, was diesen vielleicht eine Verfolgung, rbnr aber jedenfalls den Sturz bereiten würde. Diese Vorschläge Abaji's wurketi von der Versamn'lung mit stürmischem Beifall ausgenommen und olle Anwesenden beschloffen, sämmilich sofort zu Pferde zu st.igen, und an den Hof zu gebe«. Während daher Abaji das Schreiben entwarf, fugte man die Firist.kl des Königs auf. und berereie sie. theilS durch Worte. tbeilS durch Geschenke, von ud-r Verfolgung Rabbah s abzusteben. und mit den Vorstehern nach Ktesiudv" zurückzukcbrcn, wo die Sache sich entscheiden mußt,. Diese begriffen auch leicht, daß eS tbrerseirs ein nutzloses Bemühen sei, Rabbah's habhaft zu w.rten, noch dazu, da sie fürchten mußten, daß. wenn sie ihn selbst gefullde« haben würden, di, Bevölkerung sich seiner Gefangenehmung wldersetze« werde, sie selbst aber nicht stark genug waren, tun Gewalt mit Gewalt zu vertreiben. So zogen denn die Abgeordneten und die Boten des Königs >u einem ÜUmarsch nach Ktesiphon unß die erstercn fände»» hier den Boden nicht so schwierig, wie sie cs gedacht. Der Zorn der. Königin Ifra war nur ein vorüb.rgehender, und bei dem ersten 'Anzeichen, daß für Rabbah irgend riue Gefahr daraus entspringe, kchrre tbre edlere Natur wieder zurück. Sie empfand eine tiefe, innere Beschämung, al» ße rbre Gefühle durchmusterte, uud faßte den Entschluß, zu einer vollständigen R nguarivn. indem sie sich riete als „tze Buße für ihre augenblickliche Verirrung auf.rlegic. Sie widmete von jetzt ab rem Rabbah das liebe» uud ehrenvyllste Andenk.n, und weibcre alle ihre Zen und Sorge Rabbah st, aufge der Erziehung ihres EohneS. wozu ordert hatte. Der Großvezier, der ir» dief.r Angelegenheit nur dem Willen Jfta's gefolgt war, war froh, d.rf ibn, wieder ledig zu werden, und-so war ea nur Mar-Ukbgu. der den Schaden davon trug, da er wegen feiner^hlmerlistigen Einflüsterungen und Ratbfchläge bei kcn Machthabern allen Einfluß und beim Volke alles Ansehen rerlok. Uno wo war nun unkerdeß Rabbah?.^ Nachdem er feine Schüler verlassen und sich südwärts gewankt." gelaugte er bald zu riuem Landstrich, tn nur selten betr r.n w»rd. Nach dem eiligen Marsche einiger Stande» hörte alle Fruchtbarkeit des Bodens auf vnd bald auch verloren sich, die Wohnungen der Mensch.«. Ein« weite, öde Sumpfgegend breitete sich vor den Blicken des erstaunten Wanderers aus. der noch vor Kurzem durch die reichsten, üppjlgüen Fluren gepilgert. Ei» fchmuprger Fluß. Nebar»Papa. schlich rräge^.über den schlammige« Boo.n hin, d.m Eupdrat zu. Wenn der Schriee im fernen Gebirge geschmolzen, irder^ furchtbare Regengüffe die Flüsie an^eschtvestl, .dann breitete der Nebar-Papa seine Gewäiser über die ganze Ebene aus. und ließ, wenn sie sich wreker zurückzvgen. Hunden Sümpfe und Lachen juifitf, zwischen k.nen sich nur schmale Erdstriche t indurchzogen. Riedgras uud Röhricht bedeckte die unabfebdarr Fläche; nur die und kS 'fand ein Weirenbaum. »ine Ehpresse oder Pinie einen f.sterrn Platz, um ihre Wurzln auSzustrccken. Gegenwärtig hatte die furchtbare Hitze alle kleineren Sümpfe auSgettockiicr. und srlbst die größeren mehr zu einer Schlamm- 'alS Äafferanfammlung gemecht. Mcpbitifche Dünste stiege» truS r,n getrockneten Lach n hervor und bedeckten als gelbe Nebel den ganz n Badrn. Dabei waren auf rem Grunde rer aoStzettockntten Sümpfe zahllose Schlangen und Gewürm aller Art zurückgeblieben, die sich unwillig von der Sonne beschiene« sahen, und u« so erbitterter gegen einander und wieder alles Lebendige,