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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 32 (1859) · p. Seite 126

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
32 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 126 (sequence 2)
Language
German
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126 Fr.« mit aufgeklärt war Sranien iür ne ein ztoßmütbiges, aroßberziges Vaterland. cin älteres F^ankr.lch. nn r eucS 3utaa; geknechtet und barbarisch der berz- und g.-w-.ffenli'icrt Polilik eines Lorguemada bingegebcn entfalteie-eS ,ur sie ein Loch brr. Intoleranz, selbst in dm christlichen Annalen, ohne Gleichen. Um zu zeigen. wie Vas Andenken an die Verfolgungen. Vte ibre Barer in Sxa-nieu »rliuen, in dem Geiste unserer algierischcn Glaubensgeno^en so. lebendig unv ergreifend festgewurzelt ist, beweist, daß.sie unrer dem Namen: Purim-Ennessara (Purim der Christen) cin Fest eingesetzt haben. Vas ne noch leses Lahr fetern, als Srwabnnng eines Mißgeschicks, welches die Spanier in einem ihrer Feldzüge gegen Afrika erlittet. Unglückliche! Dahin gekommen zu sein, sich Glück tu wünschen, unrev der Herrschaft deS muselmännischen Hchwcrlcs zu leben', lind in der Thal, diese überhäuften «sie mir Beschimpfung und Verachtung, aber sie gestattetes ihnen doch die ft.eie llebung ihres Gottesdienstes und ihres Handels; wädrend die Spanier, vcrbleneet durch die j abscheulichen Scbren der Lnauisikion. 200.000 Familien aus threm Lande gejagt darren, von denen ^die. algiersschen Luden rberwciie die Trümm.'r sind: die Spamer harren unter ihnen die reichsten beraubt. und darren sie mioDcn brrühmi.stcn in den Kerkern oder auf den Scheiterhaufen sterben lassen; die Spanier endlich harren ihnen füjr immer die abore ihres VarerlandeS verftblosten, indem sie an dieselben^ wie Gorr am Eingang zum Paradies, daS flanrmente Eckwerr der ewigen Verbannung pflanzten. Lm Uebrigen wurden die so grausam von den, Spaniern g,'mißhandelten Luden sehr gur in Qran vom Bcy Mohammed» el»Kcbir ausgenommen. Zu dieser Zeit bor die Sradr nichts als eine schreckliche Wüste, bedeckt mir Ruinen und noch schaudernd über dsc sürchrerlichen Erschütterungen, die sie zerstört, dar. Kaum daß inmitten tir'er. Trümmer bie und da sich einige elende Hütten von laralonischcn und andalusischen Handwerkern unv Fischern bewohnt, erhoben,.die eS vorzogen, sich der Rache der Muselmännner auszuseven. als in ihr erschöpftes unv geknechtetes Vaterland zurückzukebrcn. Mohammed, der. fernem Beinamen Kcbir (der Große) gemäß, große Eigenschaften besitzen mußte, wußte die der Israeliten zu benutzen. Er rechnete aus ibre Lbätizketr, Intelligenz und Hülr'Saucllen. um Leben und Bewegung der neue» Hauptstadt veS Beyliks zu geben. Die Luden eilten daber von allen Seilen herbei und zögerten nicht die Kehill» zu bilden, welche nach Algier die bedeutendste wart. .11. Orzannarren der Gemeinde. — Ter Mokedem. * Sobald sie zahlreicher wurde, constiluirre die Gemeinde von Dran sich in der Wesse wie' die übrigen in den DarbareSkcnüaatcn. Sie baue ihre allgemeine'Verwaltung und ibre besondere gerichtliche Organisation; Häuptzer unv Beamte aus ihrer eigenen Mine; sie zwängte sich Sn ihr Ghetto turd erhielt die Concession zu einem Stücke Land zum Kirchhofe. ^aS auf eine bezeichnende An beweist, wie sehr diese Gemeinde untsr dem ersten Bcy in Gunst stand, ist. baß ihr zu einem sehr geringen Preise der testgelegcnste Play inmitten der Sradr zum Anbau ihres QuarrrerS.verkauft und d^ß ne-spärerbin selbst von der Bc;ab!u-rg desselben tie.pcnsirt wurde. LllseS Quartier, dessen erste Straße den Namen ..Lukenstraße" crbiclt und noch sühn, nimmt das breite Plarean rin. welches sich im Osten des' DalleS erhebt, der die Stadt in zwei Tbeilc theilt. ys nichts Malerischeres. Reizenderes unv zugleich Großartigeres als das nngehcure^Panorama, welches sich dem Auge von der Höhe der weißen Terrassen dieses Ghetto entrollt. Im Norden die maiestänschc Perspecure auf die Meereswellen; im Westen eine Gegend, die beute mit Feldbau und lachmden Wohnplätzen bedeckt ist, aber ebemals ihre wilden Steppen bis an den Rand des Meeres auödchnte. wo sich ein weiter Gürtel von Anhöhen, beherrscht durch das Löwcngebirge, daS mit Recht kiesen Namen führt, binzieht. Im Westen, an der anderen Seite deS WalleS. wo die üppige und reiche afrikanische Vegetation, wenn die Sonne sie nicht schon in ihrem Keime verdorrt, so kräftig und saftig sprießt, im Westen, sage ich. sieht man die weite und ansteigende Entwickelung der Höben von Mcrgiagio. den prächtigen und kriegerischen Anblick eines wahrhaften Amphitheaters von Befestigungen tarbictend, die sich über die Seiten deS Berges erbeben und seinen kahlen Scheitel krönen. Auf rem höchsten Gipfel bemerkt man die Ruinen deS Fons Santa-Eruz, welches die Israeliten Borkj-el.Lhoudi (Festung des Luden) nennen, nach ich weiß nicht welcher wunderbaren Tradition, in der dieses Fort während einer einzigen Nacht von einem ulorgenländischcn Luven gebaut sein soll, der dort eine Zuflucht gegen die Verfolgungen der Araber gefunden haue. Tie Organisation rer Gemeinde 'baue nicknS. wie man'leicht denken kann, von dem mehr oder weniger sinnreichen Mechanismus, mit dem sic in Frankreich geführt wird. Keine festen Regeln der Verwaltung, kein geschriebenes Statur: Allewar der Willkür oder, wenn man will, dem Gewissen der Vorsteher überlassen. Tcr Bcy ernannte den Mokedem, daS höchste Oberhaupt der Gemeinde. den .später die Franzosen scherzweise den „König der Luden" nannten. Dieser höbe Würdenträger, mit einer fast unumschränkten Gewalt über seine llntergebenen .bekleidet, diente ihnen zum Vermittler bei dem Bey; er ordnete Alles was ihre bürgerlichen Interessen betraf und war mir der allgemeinen Polizei der israelitischen Bevölkerung betraut. AIS Süaidji oder Intendant deS BeyS besorgte er die persönlichen Angelegenheiten dieses -letzteren, und wegen seiner erprobten Treue und seiner praktischen Einsicht in commerziclle Geschäfte, gelangte er oft dahin, einen mächtigen Einfluß aus den Geist seines Herrn zu üben. Ta er freien Zutritt zum Schlosse und bei allen Fragen, von denen über Geldangelegenheiten bis zu denen über öffentliche Interessen, müzusprechen batte, da er ein- - geweiht war in die Kabalen der türkischen Miliz und als Gebeimrath in die Verhandlungen deS DivanS zugelaffen war. erstreckte er seinen Einfluß auf AlleS, aus große wie kleine Angelegenheiten. Indessen muß ich gestehen, daß sein Amt unter seinen Händen nicht zu einem Gegenstände egoistischer Ausbeutung oder, einem Instrumente der Tyrannel gegen seine Glaubbnszenossen wurde. Man hat kein Beispiel, daß von irgend einem der Mekedanim, die in Oran aus einander folgten, irgend ein Mißbrauch der Machs oder ein Aer der Gewalnbätigkeit begangen worden wäre. Ter Grund tiss.-r Mäßigung unv Weisheit sinder

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