Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 32 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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- Oran 4× ep/1048048
- Tlemcen 1× ep/1048142
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Jüdisches Volksblatt. Zur Retesirung und Unterhaltung auf jüdischem Gebiete. Herau-gegeben von Rabbiner vr. Ludwig Phlltppsou in Magdeburg. AA 40VA 1 Do» dieser Zrilschrist erscheivt wöchentlich eine Nummer. Prei« % t ft .. . , . Mo. 32.18®#.] -----1 «L. SÄ1,yäÄs ' T“" I® ^^rg. 3. Quartal.] Die Israeliten von Oran vor der Eroberung durch die Franzosen von Daniel Levy. (Nach den Arch. isr. de Fr.) ' Wenn es wahr ist, daß der gegenwärtige Zustand der algierischen Juden nur noch wenig bekannt in Frankreich ist, so kann man bestätigen, daß ihre Vergangenheit dort gänzlich unbekannt ist. In dem Worte „Vergangenheit" verstehe ich keine sehr entfernte Periode; in den Ländern, wo die Buchdruckerkunst in ihrem ganzen Glanze strahlt, ist keine Nacht und alle Punkte deS Horizonts bleiben vom Lichte erhellt; aber da wo die Barbarei noch herrscht^ wo die Menschen von einem Tage zum anderen leben, vie Begebenheiten des vorherigen vergessend, sich n»nig kümmernd um den anderen Morgen, auS dem einfachen Grunde, weil ihre Bedürfnisse sehr beschrankt sind, und ihr Gesichtskreis sich selten über die engen Grenzen der Gegenwart erstreckt; wer da. sage ich. die Aufgabe eineS Geschichtschreibers übernehmen will, steht fich von allen Seiten mit einem fast undurchdringlichen Schleier der Finsterniß mugtben. Kaum neigt sich ein Jahrhundert seinem Ende entgegen, so bedecken sich seine ersten Jahre mir dickem Nebel; waS Algier betrifft, so bezeugen höchstens noch einige armselige Spuren den Gang deS römischen Kolosses über diese verbrannte und verzehrte Erde. Was die Geschichte der Israeliten von Oran im Besonderen betrifft, so besteht durchaus keine Quelle, aus der man schöpfen könnte. Man hat gut öffentliche und Privatbibliotheken, franzöfifche und arabische nachzufchlagen, man findet nicht ein einzigegedrucktes Dokument oder Manuskript, daS dazu geeignet wäre, uns über die Vergangenheitzu unterrichten. Einige wenige Legenden sind allein der allgemeinen Vergessenheit entgangen, und obgleich sehr durch den Aberglauben und die Manie für daS Wunderbare entstellt, welche zugleich die Poesie und die Schwäche des orientalischen Geistes auSmachen. können sie doch. streng genommen. zu Anhaltspunkten dienen, um mehr und mehr die verlorenen Ringe der geschuhtlichen Kette wieder aufzufinden. So hat Tlemcen seinen Rab, Mostaganem feine Hakhim-Chedra, Bona sein Sepher-el» Gheriba und Algier seine berühmten Rabbtnen Archbatz und Aribasch; aber die Gemeinde von Oran besitzt keine Berühmtheit deS Mittelalters, keine große Traditio#, die von ihrer Eristen; in einer langst verfiossenen Zeit zeugt. Man muß also in Bezug auf die Geschichte dieser Stadt bis zum Jahre'17st0 sich mit einigen und zwar nachstehenden Detailb-gnügen. I. Obgleich eS unmöglich ist. die Zeit der Niederlassung der Israeliten in diesem Theile deS nördlichen Afrikas genau zu bestimmen, so glau-t.man doch allgemein, daß diese nach der Zerstörung deS zweiten Tempels sich zuerst hier niedergelassen haben. Aber waS außer allem Zweifel' ist, ist, daß eine große Anzahl jüdischer auS Spanien im Jahre 1494 vertriebener Familien, fich hierher geflüchtet haben, und daß cs schon zu dleser Zeit in den Hauptmittelpunkten der Bevölkerung zahlreiche und alte Gemeinden gab. Auch Oran hatte seiiie israelitische Corporation, aber diese müßte den Platz räumen, als der Cardinal Limtnes Hch zu seinem Herrn machte im Jahre 1501; denn man weiß. daß die Spanier selbst bis auf ihre Kolonien das. System der Intoleranz. welchedurch Ferdinand und Jf^bella mit solcher Grausamkeit auf die Spitze getrieben wurde, erstreckten. ES war nur zweihundert Jahre später (1708), daß die Stabt, in die Gewalt Bu^Chlagem'S, eine- LieblingdeS DeyS von Algier, gefallen, ihre Thore unseren Glaubensgenossen wieder öffnete. Sie hatten dort keinen langen Aufenthalt, da die Spanier fich von Neuem im Jahre 1732 der Stadt bemächtigten, und die Israeliten, noch' mehr gemißhanvelt als selbst die Besiegten, alle verjagt wurden und gezwungen waren nach dem Innern zu fliehen. Endlich, nachdem ein schreckliches Erdbeben den spanischen Theil der Stadt im Jahre 1790 zerstört batte, und! die Christen einer Besitzung überdrüssig waren, die sie fortwährend gegen die Angriffe des BevS — von MaScarg zu vertheidigen halten, überließen sie rj den Türken, die sich bis 1830 dort behaupteten. ' — Nur erst von dieser neuen Periode der türkischen Herrschaft an kann ich genaue Details über die Israeliten OranS geben; nicht etwa daß ihre Happt", besser unterrichtet, endlich daran gedacht hätten. rtne Chronik der geschehenen Begebenheiten zu' führen, und daß ich kostbare > Dokumente in dm Archiven deS ConsistoriumS zu Rarhe i zu ziehen gefunden hätte; sondern weil eS mir genügte, mich an daS Gedächmiß erwachsener Männer und Greise zu wenden, und ihre Schriften mit einander zu unter- . suchen und zu vergleichen, um zu authentischen Resultaten zu kommen. Bleiben wir.einen Augenblick bei den Spaniern sieben, deren Geschicke im Mittelalter einen so diretten, so verhängnißvollen Eittfllch auf die der Israeliten geübt haben.