Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 31 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
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123 Augenblick — er sah sich um. er sah Zfta. mit entstellten Geberden. mit drohend erhobener Rechten in der Mitte -eü Zimmers stehen — dann eilte er von dannen. Niedergeschlagen kehrte Rabbah nach Pumpadilha zurück. „Mein, Liebe wird fU in Haß verwand.!»" — wiederholte 'er sich öfter — ..der Bann EU's „eines Ahngeht in Erfüllung — nur daS Dritte fehlt noch — daß der Enge! dcS Todesich mir nahe und den Gifttropfen seines Schweres mich schlürfen lasse..." Der Ruf von der Slettung der Königin durch Rabbah hatte sich durch die Lande, hatte sich nach Pumpadilha verbreitet. Man hatte ihm darum den Namen Dezizura ..der Strahlende" beigelcgt — ein Beiname, den ihm seine vertrauten Schüler, nachdem sie später den ganzen Perlauf erfahren hatten, in noch anderem Sinne gaben. Aber alS Rabbah ^niedergeschlagen. ja traurig nach Hause zurückgekehrt war, alle Feste und Ehren, die man ihm bereiten wollte, streng abwreS. seine Vorttäge im Lehrhause ernst und gewissenhaft, aber ebne jene- Feuer, wieder anfing, da» ihn vordem anSgezeichnet, ohne jene freudige Heiterkeit, die er znm Beginn seine- Vortragt» in seinen Schülern hervorzurufen pflegte, um sie. wie er sagte, geschickter zu machen, den Ernst in sich aufzunehmew-—' da wußte man nicht recht, was man daraus machen sollte. Man hatte Belohnungen für ihn, für Pumpabirha, für alle Juden erwartet — aber sie blieben auS. ja. man wollte sogar eine gewisse gereizte Stimmung gewahren, die am Hofe gegen alle diese herrsche. ES finge« an übele Gerüchte uuizulaufen, die fast das Gegentheil von dem auSsaglen, waS die Wahrheit war. und als diese zu Mirjams Ohren drangen, regten sie diese, welche statt veS erhofften GlanzeS die Armuth fort und fort ibr Haus belagern sab, zu stetem Zank, zu bauerndem Kreischen und Schellen auf. Aber Rabbah ließ sich in seinem Wege nicht beirren. Nur ernster, nur entschiedener ward er in all seinem Thun; wie Jemand, der sein Eftde nahe fühlt, aber noch Groß.-- vorher schaffen will, wendete er seine außerordentliche Geisteskraft auf, bei Schülern und Laien zu wirken, zu fördern, zu festigen waS er nur irgend noch vermöchte. VH. Der Kalla-Monat des Jahres 319 war gekommen, der Monat Elul, in welchem wie gewöhnlich Rabbah seinen halbjährigen Lehrvortrag schließen, kurz wiederholen, und mit Ansprachen an die Polksmaffe beenden wollte. Zu diesen Vorträgen strömte zu aller Zeit daS Volk der ganzen Landschaft und selbst ferner Gegenden in großen Scharen, denn Rabbah besaß die Kraft der Rede inmächtigem Umfange und vermochte, wie die Jünger der Weisheit durch tiefe Sachkcnutuiß und ausgezeichneten Scharfsinn zu entzücken, so daS Volk zu erschüttern und hinzureißen. Es war hier der eigenthümliche Kall, daß Rabbah in ferner Stttsnftvenge niemals dem Volke die bittersten Vorwürfe ersMrtt?1»fh alle seine Fehler ibm inS Angesicht rügte. dieseVÜ ihft dennoch und vicllricht gerade deshalb gern Hörle und seinen Worten sorgsam lauschte. Seine Zuhörer wären oft ergrimmt auf Rabbab, und dennoch brauchte er nur den Mund zu öffnen, um sie zu fesseln. In diesem Jahre war um so mehr Veranlassung vorhanden. Der Spätregrn war ausgeblieben. der Thao nur in gerlstgem Maße gefallen, rin eherner" Himmel wölbte sich Tag füp Tag über die verschmachtet» Erde und kein Wölkchen wollte dem suchenden Auge erscheinen, das Erguickuttg für die baldige Zukunft verspräche. Die Dürre war allgemein; die Erare baue nur Halme aber keine Körner geswaffr, und ebenso bedrohlich sah es mir der Dattel-, Oel- und Weinerte aus. Böse Seuchen waren im .Gefolge brr Hitze ausgetreten und hatten bald hier, bald »dort im Lande Zahllose hingerafft. Da ließ Rabbah einen öffentlichen Fasttag zum Beginn« der Kalla*) verkünden, und um so mehr strömt» die Menge des Landvolks und der umliegenden^Städre nach Pumpadilha. so baß am Taga seine» ersten Vortrags außer den Pumpabithavern über 12001) Männer den auf dem großen Markte errichteten Lehrstuhl Rabbahs umgaben. Der Fasttag war im!B..ßgebet und Kasteiung vorüber gegangen, und zweimal in Zwischenräumen von drei Tagen wiederholt worden. Männer und Frauen. Greise und Kinder. Jünglinge und Jungftauen lagen m Gebet und Demüthigung vor Gott hingestreckt, die Wersen und Lehrer, die Richter un» Rabbiner» voran. Aber der Hin»- mel hörte nicht auf ihr Flehen und merkte' nicht auf ihr Kasteien. Das Volk begann zu murren und verglich die Gegenwart mit vergangenen Zeiten, auS denen die fromme Sage mehr Gnavenbezeugungen de- Himruels zu berichten hatte. Es war am auberen Morgen, als Rabbah wieder den Lehrstuhl betrat. Er rief der Menge zu: „Was erhebet Ihr Eure Stimme gegen Eure Führer? was nmrrrt Ihr gegen die, so Euch voranziehen aus den Wegen des Gesetze»? Nicht weil wir Volksführer schlimnur sind als zu R. Judas Zeit, nicht weil wir weniger »e« Srudtir«! des Gesetzeobüegen, und eminder streng beobachte», j bersagt under Himmel unsere Wünsche und erhört «ich«. unser Gebet. Aber was können die Vertreter dafär.! wenn das Geschlecht entartet ist, und weder in Frömmtg» , keit noch in Sittlichkeit mit den Vätern verglichen wer- den kamt?!"*') Und nun begann Rabbah seine MaHn- und Strasrede. hob ,Die zur Zeit im Schwange seienden Sünden und Vergehqngen nachdrücklich hervor, führte sie seinen Hörern zu Gemürhe und vermischt, mit Drooungen in so erschütternder Weife Beschwörungen und Bitten, daß im Volke mit den-Schreck,n der Furcht die Thränen der Rührung wechselte». Aber noch hatte Rabbah nicht geendet, alS man plötzlich von ferne her Männer herdeieilen sah, welche die Zeichen der Angst <m sich trugen und mit dem Rufe: ..Rettet, rettet unfern Lehrer Rabbah!" die Menge zer« rhcilten, und hizum Lrhrstuhle deS Redners drangen. Rabbah war ©pi* ihretn Schreien und Drängen erschreckt wie nie zuvor und verlor fast" seine ganze Fassung. Als fle näher kamen, riesien sie ihm zu: „Fliehe Rabbah. Firisteki (bewaffnete Boten) de» Königs nahen, um Dich zu fangen und in den Kerker zu werfen. Man beschuldigt Dich, den König beraubt und in großen Schaden gebracht zu haben. Fliehe, ehe es zu spät ist!" — Eine *1 Di« Schlußmonatr der beiden Halbjahre, Cf>» und Lbar. waren diejenigen, in welchen das Studium der fünf voran«' gegangenen Monäre beendet und wiederholt wurde, weshalb diese Kalla.'Moaate genau»! wurden (nbsn 'tnn KOh **) Historisch, eigene Worte des Rabbah.