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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 31 (1859) · p. Seite 122

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
31 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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122 „Unv warum nicht, Raßbuh?" „Weißt Du nicht, 3fra. daß ich vermählt bin?" „Nun. weder Dein, noch mein,Gesetz verbietet darum, daß auch ich Dir dies werde..." „Warum zwingst Du rmch, Jfra, Dir mein Geheimniß zu offenbaren — m.iae Vermahlung war rin, Täuschung. meine Ehe iß unglücklich, mein Weib ist Dir auch an Gesinnung und Charakter nicht ebenbürtig-" „Sei gesegnet, mein Rabbah, für diese Mitthetlung!" rief Jfra fast frohlockend auS. „so bin ich Dir um so mehr daS Glück de- LedenS schuldig — Du hast mit so Großes getban, wie sollte eS nicht meine Pflicht sein, Dir zu vergelten, indem ich Dir die Bitterkeiten deS Lebens versüße?... Welche Äussicht eröffnest Du mir da!..." „Königin, Du vergißt, daß tch Jude, und ein Lehrer dieser von den Persern verabscheuten Religion bin...." „Nun. so werde ich Jüdin — ist nicht die Ueberzeugung RabbahS die mrinige feit vielen Jahre»? WaS find mir die Irrlehren ZotvafterS, seitdem Du mein Lehrer wurdest? Ich weiß, daß es ein einziger, ein einiger Gott ist. der diese Welt geschaffen, dag er in Harmonie. und nicht in Kampf sie geschaffen uno immer wieder schafft, daß selbst daS Licht zu vuukel, um sein Bild zu sein. selbst das Feuer zu kalt, um ihn darzustellen... wie sollte ich also nicht fähig sein, .mich vor demselben Gotte mir Dir anberend zu beugen?..." „O, Jfra — dicS sind nur die Lehren Israels — aber unsere Religion begnügt sich nicht mit schöuklingenden Worten und pomphaften Ceremoniern, die Vergnügen bereiten — unsere Religion legt auch das Joch deS Ges.tz'S auf, cs ist eine Religion der Thal, sie will Entbehrung, Selbstbeherrschung, Entsagung von ihrem Jünger..." ..Und glaubst Du, Rabbah, daß mir irgend etwaS zu schwer, zu lästig sein werde? ich werbe thnn, was Du mir sagst, und jede- Opfer mehr, das ich um Deinetwillen bringe, wird nur ein willkommenes Geschenk.deS Schicksals sein." „Aber. Königin, vergißt Du ganz, auf welcher Höhe Du stehest, und in welcher Tiefe ich? D», im Glanze --der königlichen Majestät, in der Fülle der Schatze, von den Ehren und Freuden der Menschen, umgeben — und ich in der Hütte der Armuth, in der Elnsamkett uno Sittenstrenge —" „Nun. habe ich mich glücklich gefühlt in all' dieser Pracht, diesem Glanze? Habe ich mich mchr weit hinweg gesehnt, und die Hütte beneidet, die Dich umschloß?... Wohlan, Rabbah, ich will meine Höhe zum Opfer bringen, opfere Du Deine Tiefe, ich meine Schatze, Du Deine Armuth — und so treffen wir zusammen in einem einfachess, mäßigen, bürgerlichen Wesen, darin wir glücklich leben werden." „Vergebens, Jfra, zauberst Du die verlockendsten Bilder vor Deine und meine Phantasie. Ach. sie würden bald entschwinden, und die Erinnerung an vaS. waS Du gewesen, würde Dir auch daS verdunkeln, waS Dir geblieben. Nein, waS der.Herr jo weit von einander gerückt, muß fern bleiben. Aber vor Allem, Jfra, weder Du gehörst Dir selbst, noch ich mir. Vergissest Du Deines Sohnes, deS siebenjährigen Schabur? Kannst Du ihn den feilen Mtethlingev überlasst»! Seine Erziehung und feine Zukunft zum Spirlwerk fremder Hände machen? An dem Grabe fernes VaterS, wie"an feiner Wiege hast Du stillschweigend das Gelübde abgelegt, nicht eher wieder Dein eigen zu sein. alS dis Schabur II. zum Manne erblüht, auf dein Throne seines ValerS fitzet... -Und gehöre ich nicht meinem Volke und meinem Berufe an? Die ze>st»euten und gedrückten Söhne Judas könnea meiner noch nicht entbehren. Und welcher Haß würde auf diese ganze Nation fallen, wenn Einer aus ihr den Persern ihre Königin entsühn hätte? Für einen Hohn, einen Schmach ohne Gleichen würden diese eS er» schien, und daS Schwert der Verfolgung nicht ruhen lasi.-n, bialle meine Brüder von der Erde getilgt.... O. Jfra, warum machst Du mir., diesen Kampf so schwer? Aber dieselbe Hand Gottes, die unS zweimal so wundersam zusammengesühn hat. Dich auS den Gebirgen von Baklnen, mich von ven Ebenen de» JordanS, um in unseren Herzen VaS Feuer der reinsten Zuneigung zu entzünden — sie hat auch zwischen unS Höhen gestellt, unerstciglichrr als die Gipfel des Ararat, und eine Kluft, unausfüllbar, wie der Abgrund von Azakur. Theure Jfra, laß unS scheiden — im Geiste werden wir bei ein» anver sein, bis der Tod vereinigt, waS daS Leben getrennt." „Nein, Rabbah — so mußt Du ntir wenigstengeloben, hier zu bleiben! Giebk es nichtAenucr genug, giebl eS nicht große und wichtige Aufgaben die Fülle, vre Dir übertragen werven können? Die Du durch Deine Treue unv Aufopferung verdient hast? Bleibe bei mir, Rabbah!" Und sie ergriff seine Rechte, als ob sie sie nimmer fahren lassen wollte. ,.Nimmermehr!" antwortete er hastig. „Soll der Kampf in unseren Herzen sich jeden Morgen erneuern? soll er zu einem verzehrenden Feuer werden, der sie zu A>che verbrennt? Nein, solchen Leiden bin ich nicht gewachsen, unv waS soll der AuSgang fein?!" „Mag daraus folgen, waS wolle — Du bleibest bei mir — Du knst mir dieschuldig — Du hast mir die Harmlosigkeit meiner Jugend geraubt. Du hast mir daS reine Bewußtsein in meiner Ehe genommen, Du hast mir die volle Freude an meinem Kinde entzogen, von dessen Wiege meine Gedanken nach Dtt umherstreiften -und Dich aufsuchten — Du entführst jetzt meine Ruhe und meine Würbe — Rabbah. Rabbah, Du bist mir Ersatz schuldig — bleibe bei mir!" „Wir müssen scheiden. Jfra. bevor ich die Herrschaft über mich selbst, die Gewalt über Dich verloren — wir müssen in dieser Siunde von einander scheiden — habe ich Deinen irdischen Tbeil der Seuche abgerungen. will ich Deinen ewigen Theil nicht verderben — lebe wohl. 3fra, lebe wohl, auf immer!..." Und Rabbah warf sich zu JfraS Füßen, küßte ibre Hand aufs innigste, ja, eine heiße Thräne fiel auf diese nieder — aber, obfchon sie mit den Armen seinen Nacken umschlossen, raffte er sich auf, rang sich loS, und enteilte rem Gemache. „Halt!" rief fie erzürnt ihm nach, „bleibe — oder meine Liebe wird sich endlich in Haß wandeln, und dieser Dich sicherer treffen, als jene —" Rabbah, betroffen von diesen Worten, zögerte einen

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