Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 31 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Lesehrung und Anterhaltung auf jüdischeissgebiete. HerauSgegebeo von Rabbiner vr. Ludwig Phlli^pfou in Magdeburg. Wo. 31. 1859 ] von dies« Zeitschrift erscheint wSchenllich ein« Nummer. Preis de« Sab,» gang» t Lhlr virrleisShrig 7«, Ngr. Sie vuchdandlungea, Postämter und Zeüuogsrrprkitmne» »ehmev Bestrllnngeo/an. [6. Jahrfl. 3. Quartal] Rabbah. Sine Erzählung au» dem vierten Jahrhundert. (Fortsetzung au» Nr. »8. »7. 28. 2». 90.) VI. Einige Tage später, al- Jfra sich ganz wieder genesen fühlte, empfing sie Rabbah in ihrem Privatgemache. Sie saß auf einer Ottomane und ihr Aussehen war blühend und frisch, wenn auch dw-glücklich vorübergegangene Krankheit noch einen Anflug und eine Haliu/ig der Schwäche zurückgelassen. Als Rabbah cingetreten, bat sie ihn. auf einem Sessel ihr gegenüber Platz zu nehmen. Sie ergriff seine Hand, unv indem ibr Angesicht von einer leidenschaftlichen Empfindung noch belebter wurde, sprach sie mit eben so innigcm wie f.ierlichem Tone: ..Rabbah. Du hast mir daS Leben gerettet mit Gefahr Deineeigene»; Du hast mir eine Treue bewiesen, wie kein Anderer; wie soll ich meiner Dankbarkeit einen Auövruck geben? wie durch eine Handlung sic bctbätigen?!" „Nicht doch, erlauchte Königin", erwiederte Rabbah, ..dessen bedarf eS nicht. Du krunest mcine Gesinnung. Wer um de- Lohnes willen dem Herren dienet, der hat diesen Lohn verwirkt, und den Dienst nicht vollbracht, da rr sich selbst nur dienen wollte. Lass mir daö erhebende Bewußtsein, meiner Pflicht als Unterlhan nachgekommen;u fein." „Nicht also. Rabbah, nicht als Untertban, ich schmeichle mir. als Freund. Wer so viel zn verUeren, so viel aufzugebcn hatte, muß tiefere Beweggründe und Triebfedern gehabt haben. Rabbah" — und ein tiefer Seufzer erhob sich ouS ihrem' Busen — „lass' und offen, unumwunden mit einander reden. Ich Hobe diese Stunde ^seit zehn Jahren so oft herbeigcsehnt, mein Geist hat sie mir unzählige Male vorarmalt, daß ich sie nicht bloS mit dem Wechseln kalter Redensarten verlieren will. AlS mein Gemahl Cchibur verstorben, als Du nach Babylon zurück» gekehrt warst, aber nicht wieder hier erschienest — wie oft stand ich auf dem Pnnkle, Dich hierher entbi ten zu lassen, Dir meinen Wunsch, lneine Sehnsucht auSzusprechen, Dich wiederzusehcn — aber die Königin. daS Weib hielt mich ab. da Du-mich ganz zu verschmähen, meiner ganz zu vergessen schienest. J.tzt aber, da Gott ,S so gefügt, da er Dich als Werkzeug meiner Rettung hierher gebracht, da Du mit beispielloser Hingebung mich von den Pionen ver Unterwelt zurückgcfübrt, den Armen deS ToteS mich entrissen hast — wie sollte ich anstehen, Dir mein Herz zu öffnen, und Dich in alle seine Tiefen hineinfchauen zu lasse»?!. Wer so wie wir Stunden. Tage mitsammen gewesen, Stunden der höchsten Gefahr, Tag» der äußersten Bedrängniß, die brauchen sich Nichts mehr zu verbergen. und dürfen sich Alleoffenbaren!" Rabbah hörte diese Worte mit gesenktem Angesichte. Ach. er hörte, genug auS dem leidenschaftichen Tone Jfra'- heraus, als daß er noch tu ihr stammendes Antlitz zu schauen gebraucht hätte. Er fürchtete fie und sich. ZK» gernd begann er daher: „Und waS hätte die erhabene Herrscherin der Perser ihrem niederen Diener mitzuthttleu?" „Vergebens, Rabbah, verschanzest Du Dich hinter diese höfischcn Formeln. Du weißt, baß ich Dich liebe, daß ich -Tsich seit unserem ersten Zusammentreffen, feit dem ersten Worte, dclS Du'zu mir sprachest, seit dem ersten Blicke, den Hu gut mich warfest, liebe, und ich weiß, daß auch Du mich liebest, und hast eS mir genugsam bewiesen. dass zehn Jahre der Abwesenheit diese Liebe in Dir nhbt verwischt haben. Eo last' mich nur daS sagen, daß ich Dich mir allem Feuer meiner Seele lieb«, und daß ich nunmehr diese Liebe nicht aufgeben. sie nicht mehr opfern will. Rabbah, wir dürfen unS nicht wieder trenne», ich muß Deine Gattin werden..." Rabbah sprang! bei diesen Worten von seinem Sessel auf. Ec richtet« sich hoch empor, und seine Stimme klang männlich unv entschlossen. „Jfra. welch' Spiel treibst Du mit mir? waS fachst Du die Glurh meine- Herzen-, die ich immer zu beherrschen verstand, zu ei»er Flamm» an, vie über-, mein ^Haupt zusammenschlage? WaS scherzest Du .mir Dingen, die unmöglich sind?... Ja, auch ich will offen mit Dir revrn. Ich bekenne. Jira. daß Dein Bilp im innersten Schrein meine- Herzenwohnt, und daselbst immer gewohnt hat. Ick verhehle enicht, daß Dir meine Seele gehört. und immer gehört hat. Aber hat der Mensch nicht viele Gegenstände seine- Der» laugen- und seiner, Sehnsucht, die niemals befriedigt werden können an^ dieser Eide, und die..er daher aluuantastbare- Heiiigthum in seiner Seele tragen muß? O, Jkra, solch' eilt Hciligtbum ist mir die Liebe zu Dir; ich habe sie dicht neben die Liebe zu meinem Gotte Acstellt. habe auch ihr rillen Altar üi meinem Herz-n gebaut, denn in ihrer Reinheit und Tiefe hielt ich sie für eine» Tbeil meiner Liebe zu meinem Schöpfer. Jfta, lass sie also heilig bleibe», laste sie nicht an; denn Andereist für un-'Bude unmöglich — nur daran zu denke», daß Du meine Gaktis, werdest, ist Wahnsinn..."