Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 30 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 3)
- Language
- German
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11» auf. binaoS, sie schlug um sich, und nur «it dem äußersten Aufwand« aller seiner Straft vermochte Rabbah. dem Pie jammernde Amme keine Unterstützung lieh, 3fra zurückzuhalten. bis der Anfall vorüber war. Oftmals mußte er sie mit seinen Armen umfassen. sie mit aller Kraft an seine Brust drücken, um sie zu bändigen. Sv verbrachte Rabbah sieben Lage und sieben Nächte am Lager der Königin. Nur wenn ein stundenlanger Starrkrampf die Kranke gefesselt hielt, konnte er sich einem stüchtigen Schlummer hingeben. au» dem ihn die erste Bewegung Jfra» weckte. Wechselnd waren die Aussichten; bald schien die Krankheit den Höhenpunkt erreichen zu wollen, auf welchem die Leidende rettungSlo» verloren war; bald schien daS Fieber sich brechen zu wollen und neuer Hoffnung Raum zu gewäbren. Rabbah harrte auS, bewachte di, Kranke unermüdlich, nahm die Stunden und Anzeichen genau wahr, und wechselte mehrere Male mit den Heilmitteln. Zn feinem Herzen hatte jeder Fiebersturm der schönen Leidenden den stärksten Wiederhall, jede Erleichterung brachte seine Seele zu einem Freudenräusche — ach. er fühlte, daß die Liebe wieder erwacht war auS dem geheimen Winkel seines HerzenS. darin sie geschlummert — aber die Angst und die Schrecken ließen ihm keine Zeit zur Erwägung. Vom fünften Tage an war er allein. Die Amme mußte sich entfernen, sie trug alle Zeichen der Pest an sich, welche sie a!S eine willkommene Beute ergriffen hatte. Am sechsten Tage fühlte Rabbah selbst sich unwohl und seine Kräfte nahmen sichtlich ab. Hingegen begann die Dauer der Krankheit bei der Königin ihn zu beruhigen, und am siebenten Tage batte er die unaussprechliche Freude, sie in Schlaf versinken zu sehen. DieS war die KrisiS. Jetzt mußte eS -sich entscheiden. Rabbah wachte mit noch gespannterer Aufmerksamkeit, ob der schwache Faden deS Lebens durch einen Herzschlag zerrissen werde, und der leise Schlaf unvermerkt in den festeren deS Tode» übergehe, auS welchem kein Erwachen — oder ob er sich in den kräftigen Schlummer neu erwachten Lebens wandele, welchem die Königin mit besiegtem Weh und fast ganz gesunder sich entwinden werde. Zwölf Stunden währte dieser Schlaf. Zuerst mehrten sich die Symptome nabender Zerstörung. Die Röthe von den Wangen schwand, die Flecken der Stirn wurden zu stammenden Wahrzeichen, die Lippen verschwanden unter der TodeSbläffe, die sich über daS wohlgeformte Angesicht breitete. Schon gab Rabbah jede Hoffnung auf, und zitternd hielt er den Arm der Sterbenden, um den Puls zu fühlen, der von Zeit zu Zeit auSsetzte ... aber siehe, dieser kehrte wieder und verlor allmählig. an Heftigkeit und Harte — der stockend« Arhem gewann seine Stetigkeit wieder und dämpfte seine glühende Hitze; die Lieder sielen gänzlich über die Augen, die WachSfarbe der Hände und Arme entwich; die Wangen rundeten sich und wurden von einem flüchtigen Roth überzogen; die Lippen legten ihre falbe Bläffe ab. und bl« Flecken auf der Stirn bleichten zu kleinen Malen ab. ®fl lag sie, die holde Echläferin, in oll' ihrem Liebreiz, lächelnd, hingegossen ... Jetzt erwachte sie... Sie schaut sich um, fie erblickt Rabbah. der, vorgebeugt, neben ihrem Lager sitzt. „Wo bin ich?" ruft st« auS, mit sanftem, rührendem Ton. „Wo sind meine Krauen»... Rabbah. wo kommst Du her. Du, nach so langer, grausamer Trennung?...! „Erlauchte Herrin!" erwiederle dieser, und. hingerissen vom Momente sinkt er auf seine Kniee — „Hott, dem Allgütigen. Gott dem Arzt« alleS Fletsche» sei tausend, tausend Dank! —■ Du bist genesen, Du bist von der fürchterlichsten der Krankheiten, von der — Pest genesen. Alle Deine Diener und Dienerinnen sind entflohen, Milka, die Amme, die bi» gestern auSdauerte. mußte gestern von dannen gehen — zürve nicht, ich bin allein bei Dir!..." ..Ha, ich werke, ick verstehe. Rabbah!" sprach Jfta — „da DU auch in Todesgefahr wußtest, kehrtest Du zu mir zurück. Du all«» trotztest dem gewissen Tod«, Du allein warst treu — bis in den Tod... Ja. jetzt erinnere ich mich; als meine Sinne sich zu verwirren begannen in dieser fürchterlichen Krankheit —- da lebte der einzige Gedanke ln mir, Rabbah wirb zu Dir kommen und Dich retten. Rabbah wirb Dich nicht verlassen, wenn fie alle fliehen, Rabbah liebt — nicht die' Königin und! ihre Schatze — ^siabbah liebt Jfra!.. i „Still, still; erlauchte Königin! Schone Dich! Sprich > nicht zu viel — eS ist! Zeit, daß wir handeln — noch i kann Alles verloren gehen, wenn, wir zögern. Die Er- I fahrung der Kunst bestehlt, baß Du augenblicklich au» , E dieser verpesteten Atmosphäre gebracht werbest, soll die i Gefahr nicht bestehen, -daß daS scheußliche Uebel wiederkehre. und bann um — nicht wieder zu weichen. Nicht I zwei Minuten mehr darfst Tu diese Luft athmen. Daher > verzeihe, erhabene Herrscherin, wenn ich Dich in ein j andere-, entlegenes Zimmer trage — aber eS gilt nicht | länger zögern ..." | Die Kranke widerstrebte nicht. Rabbah erhob sie von; ihrem Lager auf seine Arme, sie legte die Last ihre» - schönen Körper» an seine Brust, mit ihren Armen um- * schlang fie seinen Nacken, ihr Haupt legre sie auf da» | seine, daß ifaie lichthraUnen Locken sich mir seinen schwär-; zen vermischten — und so trug er fie von dannen, durch l eine lange Flucht vbn Zimmern und Sälen, zum anderen! Flügel de» Palastc«. Sie wurde von einer Ohnmacht , angewandelt, und 'lag schwer auf ihm. Doch Rabbah; raffte noch einmal alle seine Kräfte zusammen, und brachte sie dort in da» Schlafgemach de» verstorbenen König», - wo er sie sanft niederlegte. Noch einmal blickte er da» j schöne Weib an, und entfernte sich dann. j Er bereitete einen stärkenden, kühlenden Trank, und i verkündete dann den Dienern in der Halle die Genesung und den Aufenthalt der Königin. Al» er zu Jfta zurückgekebrt, faß diese auftecht auf dem Lager. „Hier bringe ich Dir, Königin, den Kelch der Genesung; leere ihn auS. Du wirst daun abermals in Scklas verfallen. und wenn Du erwachst, wirst Du Dich gesund und kräftig fühlen, - wie nie zuvor — im Augenblick werden Deine Diener wieder erscheinen — mein Werk ist vollbracht!. Jfra sah ihn mit den süßesten, liebevollsten Blicken an. Sie schüttelt« da» schöne Haupt, und sagte: „Nein. Rabbah. nicht vosibracht — doch lassen wir daS jetzt... steh. ich merke Deine Absicht. Du willst mir entfliehen — doch da» sollst Du so leicht dieSmal nicht — wohlan, hier ist der GenesvngStrank. den Du mir bereitet hast — jetzt versprich mir. Dich nicht von hier zu entfernen, bevor ich Dich nicht noch einmal gesprochen habe — weigerst