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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 30 (1859) · p. Seite 118

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
30 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 118 (sequence 2)
Language
German
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118 und damit da- LooS der Brüder auf lange hin zu sickern. — Der letztere Gedanke gewann die Oberhand in Radball Seele, er erhob daS Angesicht, und sprach ruhig V,e Worte: „Ick will zur Königin." Freude überaoß daS Antlitz beS Großvaters; er ergriff die Hand R^bbahs und drückte sie. und versicherte ibm mit einer Fluch von Worten seine! Hochachtung, seinen Dank: aber Rabbah brach dies ab. indem er sagte: ..Laßt Mick. Venn es liegt Getabr im Derz»gr." Bald haue Rabbab das königlicke Restdenzschloß erreicht. Neugierig unv voll Staunens blickten ihndie wenigen Diener an. die in der äußersten Dorballe des Palastes einberginzen. und eine Wolke vo» Räucherwerk immerfort um sich verbreiteten. Rabbah! befahl ihnen kurz, seiner Gebote gewärtig zu fein, wen^t er oder die Amme aus dem Innern de- Palastes herauskommen, und ibnen Aufträge eribeilrn würden. Dann stieg er die Treppe hinauf.und durchschritt die zahllosen Gemächer, die btS zu dem Tbeile führten, in welchen! er das Siech- - lager der Königin vorauSsetzte. Wie er mit verschränkten Armen kurck die Pracktzimmer wandelte, welche jetzt öde unv verlaffrn standen, sie. die sonst voll sick beugender Hofsckranzen. voll Treue gelobender Diener waren die dennock vor dem ersten Hauche d,r Get'abr auseinandergestoben — da kam ibm die Richtigkeit' der menschlichen Große, die Leerheit des menschlichen Treibens so reckt zzun Bewußtsein. ..DieS ist es", riet es in ibm, „um. dessentwillen die Mächtigen der Erde daS Glüjk ihrer Völker verkaufen, und das Blur und den Schweiß der Nationen dingeben, .nur um diesen Prunk um sich zu häufen, den der erste Blitzstrahl deS Geschickes zunichte macht!" Endlich baue er die Gemächer der Königin erreicht; es war ibm feiet Alle? so bekannt; Mancheerblickte er. was die Erinnerung einer schönen Stunde in ibm erweckte;' er kam nach dem Zimmer, in welchem er sich von Jira verabschiedet batte; dort war auch die Thür, hinter welcher sie verschwand, und da mußte jetzt auch ibr Krankenlager sein. Dock er zögerte nichts er öffnete die Tbür und trat hinein. Als die große, majestätische Gestalt, in weiße-Linnen gekleidet, mit dem schwarzen Barrunv Lockenbaar und den großen dunklen Augen im Eingang erschien, erschrak die Amme der Königin gewaltig, denn ste mochte jene für einen Boten aus dem Reiche OrmudzS oder Abrimans ballen: aber auch die Kranke schien davon betroffen. obwobl sie den Fieberpbantasieen ihre- Geiste» bingegeben war. Jfra lag au-gestreckr auf dem purpurnen Lager; sie war größer, stärker, schöner geworden, als Rabbab sie vor zehn Jahren verließ; die Fieberröche deckte ibre Wangen, und ließ sie noch blühender erscheinen, aber ein unbeimlicher Glanz stierte aus dem gläsernen Auge entgegen, und die Lippen waren so bleick unv dürr, auch Hanen die auSgestreckten Hände eine gelbliche Wack-rarbe angenommen. Rabbab schaute voll ängstlicher Spannung vor Allem auf die Stirn der Kranken, diese edle, hohe und gewölbte Stirn, die sonst der Sitz des Gedankenreickthum- und der edelsten Gesinnung. gewesen; sein Herz schlug gewaltig: denn ob sich die feuerrothen Flecken der Pest, von denen diese den Namen trug, und welche, wenn ste höher fick röthelen. die zweifellos sickeren Anzeichen de» Lodewaren, dorr zeigten oder noch nicht? DieS war die Frage, deren Beantwortung über Leben und Tod entfckied. . . Siehe, hier und da auf dem weißen marmornen Grunde einige Flecken, aber noch schwach, noch licht, noch nicht umgrenzt... seine Seele jubelte voll Dankezum Herrn auf — noch war Hoffnung da, noch Rettung möglich..'. Die Kranke flüsterte einige Worte vor sich hin: „Rabbah, kommst Du denn endlich?" Schon glaubte Rabbah. daß ste;um Bewußtsein zurückgekehrt sei, und diewäre ein gutrS Omen gewesen. Aber die nächsten Worte überzeugten ibn, daß es nicht so sei, denn sie fuhr fort: „Schabur zürnt nicht, er bedauert eS. Dich entlaffen zu haben. Der König waner auf Dich, er will Dich groß macken und Dick zu Ehren bringen. Schnell, schnell, ick will Boren nach Dir senden, Eilboten, SlaalSboten... «kömmst Du noch nicht, lieber, lieber Rabbah? Sieh dort die lichte Wolke, die mit dem Purpursaum, da steige hinauf, sie soll Dein Gespann fein, auf dem Du einherfabrst, zu Zfra her. Alle Blumen des GanenS habe ich gesammelt, und durch sie will ich zu Dir sprechen; sie alle sollen Dir EtwaS sagen von mir, und wenn eine seblt. will ick;um Saume der Erke eilen, um ste zu holen ... Edelsteine, Perlen, nein! die sind nicht für Dich, aber Blumen und goldene Wolken..." so phantasiue J'fra, unv Rabbahs Herz schwoll hoch auf. alS er diese Worte vernabm. Dock hier galt eS zu bandeln. Dieder schritt er hinaus. aber eilends, begab sich zum Eingang der Vorhalle, und rief hier den Dienern, die sich in weiter Ferne hielten, und dichte Räucherwolken zwischen ihnen und ihm bäutten, seine Befehle zu. Don dem Herbeigebrackten, das die, Diener in einiger Entfernung auf die Erde setzten, bereitete Rabbab schnell eine Arzenei. trug sie in daS Gemach der Königin,' und brachte sie ibr mit großer Müh, bei, da die Zähne krampfhaft geschloffen waren. Er mußte warten, bis ste wieder zu sprechen begann, und den Mund hierzu öffnete. Aber die Arznei schien die Kraft deS Fieberö nur zu vermehren. Feuriger wurde die Rothe der Wangen, irrer der Blick deglanzlosen AugeS und die verhängnißvollen Flecken auf der Stirn schienen an Starke und Umfang zu gewinnen. Die Worte der Kranken wurden zusammenhang-loser. die Bilder ihrer Phantasie, schreckensvoller, aber immer batten ste Rabbab zum Gegenstände, und durch Alles drängte sich daS Verlangen nach Wasser. Sie seufzte und stöhnte darnach, sie glaubte sich in die Gluth der Wüste versetzt, und ries: „Rabbah. warum schürst Du Feuer an? warum sammelst Du alle Strahlen der Mittagssonne und schleuderst sie auf mein Haupt? warum willst Du mir kein Wasser reichen, und läßt eauden Schläuchen in den Sand fließen?. . . Wenn Du dürstetest, ich würde Dir selbst mein Blut nicht verweigern zum Tranke!..." Und dennoch verweigerte er eihr. Mit Sttenge rief er die Amme zurück, welche bat, nur die Lippen der Königin netzen zu dürfen; und ob ihm selbst unter dem Jammer der Kranken da- Herz brach, blieb er standhaft, denn er wußte, daß dieden Tod herbeiführen und zugleich den inneren Brand nur vermehren würde. Die Königin begann darob zu toben, die Wuth bemächtigte sich ihrer; nicht mehr gewahrte sie Rabbah, sondern alle Tiger und Löwen der Einöde sammelten sich um sie und zerrissen ihren Leib. Sie wollte

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