Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 30 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
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120 Du Dich, so gieße ich den Trank auf den Boden, und die Folgen kommen auf Dein Haupt..." Rabbah zögerte mir der Antwort. Doch, da er den Ernst, die Entschlossenheit JfraS sah, s-gw er: „Nun, so sei eS. ich verspreche eS. Königin .. Ifra trank: dabei reichte sie ibre Hand Rabbah zum Kusse dar; er führte sie leise zum Munde» .sie aber drückte seine Rechte mit Feuer, legte sich dann auf da- Lager hin, unv fab hold lächelnd dem scheidenden Rabbah nach. <ForNetz«lg folgt.) Blumenlese. Auszüge von Erzählunzm, Gleichnissen, Gedanke- und Meinungen, .wie ErNärungen von Schristftellen ap« hebräischen Werken, Bon Joseph Rawicz in Breslau. Folgende Dinge haben im Gesetze kein bestimmtes Maß. daS Gesetz vonk Ackerwinkel, die Darbringung der ersten Früchte und daS Erscheinen in jedem Jahre'vor Gott; ferner menschenfreundliche Thaten und das Studiren im Gesetze. Von folgenden Handlungen genießt der Mensch die Früchte, die Zinsen, in diesem Leben, unv da- Kapital bleibt ihm unversehrt für die Zukunft ausbehalten, nämlich: ehrfurchtsvolle Behandlung der Eltern. Ausübung von Gefälligkeiten, fleißiges Besuchen der Lehrbäuser. gastfreundliche Aufnahme der Fremden, Besuch der Kranken, Ausstattung armer Bräute. Friedensstiftung zwischen den Menschen, über Alleaber geht daS Studium deS Gesetze-. Peah Mischnah 1. Auf den ersten Block scheint in der letzten Behauptung etwaS Anstößiges zu liegen, und man möchte eS unseren Weisen beinahe übel nehmen, daß sie auf Talmud Torah ein so große- Gewicht legten. Zur deutlichen Auffassung^citire ich den 52*2“i: Deshalb gebt da- Studium de- Gesetzeüber Alles, weil, man durch daS Lernen zur Kenntniß lobenSwerther Handlungen gelangt; sraa Tissna nrbab rrrr rmn -rabm •o ficra Tb. Das Verdienst veS TorahlernenS besteht demnach darin, baß man aus den gegebenen Belehrungen andere Belehrungen ableiten. auS den im Gesetze enthaltenen Wahrheiten andere Wahrheiten folgern soll. Diese Auffassung ist um so richtiger, a!S die aufgeführten belobten Pflichten in der heiligen Schrift gar nicht Vorkommen und ihre Begründung erst in den darin auf», gestellten Principien erbalten; die Mischnah hätte auch noch viele andere verdienstliche Handlungen empfehlen können, die ebenfalls in jenen Wahrheiten enthalten sind, allein da ibre Zahl eine sehr große sein dürfte, so hat fie zur Aufsinvung derselben auf das Studium verwiesen und dafleißige Forschen angeratben. Anekdote. Erzählt von W. Zwei Juden, die Brüder waren, harten lange Jahre einen Streit mit einander wegen Theilung einegemeinsamen Garten-, da sie zugleich Nachbarn waren. Der Sneit artete in einen langwierigen Drocrß auS. und der Landrichter deS benachbarten Städtchens gab stch alle erdenkliche Mühe, die Brüder gütlich mit einander zu vereinigen. Er machte eines TaqeS den ganzen Vormittag hindurch annehmbare Propofltionen, aber die Brüder gingen nicht darauf, ein. Da entließ sie der ebeldenkende Landrichter über Mittag, empfahl ihnen die Vorschläge nochmalzu überlegen, und beschied sie auf Nachmittags. AlS sie wieder gekommen waren, und sie auf sein Be« ftagen erklärt hatten, daß sie sich nicht vereinigen konnten, warf er sich in seinen Sessel unv rief betrübt auS: ,.O Mose. Mose!" und wiederholte dies zum öftern. Die Brüder wußten nicht. waS sie davon denken sollten, faßten ein Her; und fragten den Landrichter, was er damit meine. Er aber erwiederte: „ich bewundere und bedaure euern großen MofeS. Denn ich habe nur zwei Juden, die noch dazu Brüder sind, in meinem Landgericht, und kann nicht fertig werden mir ihnen, wie konnte Mose mit fechSmalhunderttausend ferttq werden." DieS wirkte, und im Augenblick waren die Brüder bereit, Frieden zu schließen, und gingen allsogleich auf die vom Landrichter vorgelegte Prvposition ein. Unterhaltungs-Pillen. Bon LouiS Lehmann in Bad Homburg. Ein, eincS Diebstahls dringend verdächtiger Bürger konnte in der mehrere Monate dauernden Voruntersuchung nicht zum Gestandniß gebracht werden. Vor die Assisen gestellt vertheidigte sich derselbe mit solcher Geschicklichkeit und Klugheit, daß eine Freisprechnng erfolgte. AlS man dieseS in einem jüdischen Club besprach, sagte ein An- > wesender: „Da sehen wir, daß waS unsere Weisen gesagt! haben, wahr ist." „Unv waS sagten diese?" ftug man ' gespannt, „Marbeh Jesehibah marbeh Chochmah“ antwortete der Andere lachend. Die israelitische Bibelanstalt. Die Spenden zur Stereotypirung hebräischer und deutsch, hebräischer Bibeln hatten in Nr. 30 d. „Allg. Ztg. d. Judenth." die Höhe von 1657 Thlr. 28 Ngr. 2 Pf. erreicht. Allgemeine Zeitung des Judenthums. No. 29. 1859. Leitende Artikel: Die Mission de« JudenthmnS. — Eine gerettete t k. österreichische Fahne. — Die israelitische Bibelanstalt. — Noch einmal die Mortara-Geschichte. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Göttingen.—Preußen: Berlin. — Oesterreichrscher Laiserstaat: Wien, Wien, Wien, Gaya. Eorrespondenz: AuS dem Tokayergebirge. Abhandlungen verschiedenen Inhalt«: Die Lehre vom Bösen und Guten nach dem Talmud und den Mrdraschia, von vr. I. Hamburger, Rabbiner. (Schluß aus Nr. 8.) CS 3* beziehen durch jede« Postamt «d jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich •/« Thater. > Ber antwortlich« Redacteur: K. Rabe. Verl«, ,»» v«,m,1rt,er« V,«h«-dl»- i, M»,*. — Dr,ck »», »le,«,der wird« t, keiv,ig.