Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 30 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. 3« : L- Belehrung unö Anleehattuag auf jüdischem Gebiete Herav-gegebm von Rabbiner »r. Ludwig Phllippfou in Magdeburg.! INo. S«. 18SS.] C»n tief« Zeitschrift erscheint wöchentlich eine Nummer. Preis des Sohr» gang* I Tylr LierteljShrig 7>, Ngr. Slle Buchbaudlungeo, Postämter und ZeitnngBexpeditionen nehmen Bestellungen an. [ [6. IsKrg. 3. Quartal.] Rabbah. Eine Erzählung au« dem vierten Jahrhundert. (Fortsetzung au» Nr. 26. 27. 28. 29.) V. AlS Rabbah in Ktesiphon einritt, gewahrte er zu seinem Erstaunen eine höchst unruhige Bewegung unter der Bevölkerung. Ein rascheS Wogen und Drängen der Menge auf den Straßen; hie und da Gruppen, die mit Aengsten und Schrecken sich zu unterhalten schienen, und schnell sich wieder auflösten; auch Züge von Reitern, Wagen, Kameelen, mehr als gewöhnlich, die nach den Thoren der Start hineilren. Es wurde jedoch dem Rabbah nicht Zeit gelassen, nach der Ursache zu fragen, denn die Reiter, die ihn geleiteten, schienen selbst unruhig zu werden, und eilten dem Palaste des GroßvezierS zu. Rabbah wurde von dem letzteren freundlich ausgenommen, denn sie kannten sich auS früherer Zeit, aber eine tiefe Besorgniß hatte auf dem Gesicht deS Ministers ihren Ausdruck gefunden. „Rabbah", hob er an, „Du hast zu einer sehr unglückseligen Zeit Deine Schritte wieder nach dem königlichen Ktesiphon gelenkt. Du findest die ganze Stadt in Aufruhr, nicht bloS weil unsere erhabene Regentin, die Königin Jfra, so schwer erkrankt, sondern weil die rothe Pest, die Du vor fünfzehn Jahren hier in allen ihren Schrecknissen kennen gelernt, auSgebrochen ist. Der finstere Ahriman hat seinen schrecklichsten Diener über unS —" Rabbah ließ den Großvezier nicht ausreden, sondern todteSbleich vor Entsetzen, rief er aus: „Und die Königin Jfra?" „Sie ist von derselben ergriffen, ja noch mehr, sie war die Erste, an der sich dieses Schwert deS Ahriman kund that; seitdem kamen mehrere Fälle im königlichen Palast vor, die schnell und tödtlich verliefen —^ „Aber die Königin?" frug Rabbah noch einmal voll Angst. „Sie lebt noch; aber alle Diener de- Palastes sind geflohen, biS auf die Amme der Königin, die bet ihr auSharrt. Nur mit Androhung der schärfsten Strafen habe ich einige Leute in den äußersten Gemächern deS Palastes zurückgehalten, damit die Amme von dort daS Nothwendige holen kann. In der Stadt entstand nun eine wilde Bewegung, Zedermann der es vermag, fiüchter auihr, eine unsägliche Verwirrung ist eingetreten, in welche ich vergebens einige Ordnung zu bringen strebe. Du kennst diese schreckliche Seuche. Du hast sie vor fünfzehn Jahren beobachtet. und weißt genau, wie sie behandelt werden muß. ÄStst darum, tyrd weil Du immer von der Köntgin besi^ndeiiS begünstigt worden, ja, sie im Anfang ihrer Erkrankung wiederholt von Dir gesprochen haben soll, daß ich (nnil* Dir gesendet habe. Vielleicht bist Du großherzig Henrig, Dich der verlassenen Königin anzunehmen; ich selbst nuß zum Könige, den ich sofort nach Ekbatana geschickt, nachdem die Seuche sich gezeigt hatte." Des Minister- Dlike hafteten gespannt, an dem 1 jüdischen Weisen. „ES ist viel gewagt", fttzte'er hinzu, „ein solches Verlangen an Dich Ju stellen; aber Du warst immer der grvßhirzige, aufopfernde Rabbah. und da ich weiß, daß Perswechungen von Belohnung Dich eher abschrecken, alS Herl iten, fo berufe ich mich nur auf- Dein Herz und die. Wshlthaten, welche Schabur und Jfra Dir und Deinejn Steif« erwiesen." Rabbah war in tie es Nachdenken versunken. In ihm schwankte der Eiftsch uß durch die entgegengesetztesten Gründe. Nicht daß eS hm an'Muth gebrach, nicht daß er einen Augenblick, nu: angestanden hätte, sein Leben zur Rettung eineS Nebel menfchen. und noch dazu Jfra-, deren Bilv mit so leblaften Farben wieder vor seine Seele getreten, aüfs Epiel zu setzen. Aber gerade um deffl ntwillen war die tzrrge in ihm aufgetaucht, ob sein Leb^n ihm und seinen Gefühlen gehöre? ob er ein Recht hab^, über dasselbe zu vei fügen, bei der Wahrscheinlichkeit, daß auch er der l^euchi erliegen werde, da dann dagroße Werk, das er fü fein Volk und seinen Glauben unternommen, unvolllend t bleiben, und eS fraglich sein würde, ob eine Krast an seiner Stelle vorhanden wäre, die es weiter zu führen vermöchte?... Hatte er nicht so eben an dem Resch^Glutha erlebt. wie schwankend, wie bedroht noch die Herrschaft deS Gesetzes fei, wie gefthr^ lich die Eingriffs der jpeltlichen Macht über ihm schweben. Und dennoch rief ein* Stimme in ihm. kennst Du daS Wort der Weisen yi^t: „bist Dü berufen zu vollenden und abzuschließen?" Du, Abkömmling Eli's, wenn morgen Dein Geschick in Erfüllung geht und ein vorzeitiger Tod Dich ereilt, glaubst Dudaß Gott sein Werk fallen und zu Grunde gehen lassen werde? daß er nicht zur rechten Zeit Andere, Kräftigere, Einsichtsvollere berufen wird? In, Gegentheil, welche Gelegenheit, vor den Augen der Welt, vor dem Angefichte-^ller Perser den Muth und die Treue deS jüdischen Stammes zu erweisen, die Dankbarkeit der Königsfamilie zu crwerbey. 'S..