Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 29 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 3)
- Language
- German
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115 beigebracht, und mit der zufriedenstellenden Weise, in welcher jener ihm widerlegt worden. So bracht, Schabur selbst die Schlange der Erkenntniß in da- Paradies ihrer Herzen. Denn ron diesem Augenblicke an wurde ,S ihnen klar, welche Gefühle sie für einander hegten, tfö war «in Keuerfunke iy ihre jugendlichen Herzen geworfen, der den lange vorbereiteten Zündstoff zur hellen Flamme auflodern machte. Von da ab war der Umgang zwischen Beiden nicht mehr so harmlos wie vorher. 3fr« wagte nicht mehr die Augen auszuschlagen zu ihrem Lehrer, ouS dessen Blick ein wunderbare« Feuer ihr entgegensprühete. Wenn er zufällig ihr Gewand berührte, ergriff ihn ein Zittern, dessen er kaum wieder Herr werden konnte. Mitten in der Rede stockte er oft; fein Geist schien abwesend und verirrt; ein beiderseitige- Schweigen trat ein, bi- 3fra. schneller sich fassend, durch eine Frage den Geist Rabbahzurückführte. Da-' Glück wor aus Rabbah- S^le geschwunden; oft erhob sich ein mächtiger Sturm in ih^.und wenn dieser vorüber, fühlte er sich tiefgebeugt, und von aller Kraft de-.Geisteverlaffen. Schon abnte er, daß es zu irgend einem Au-bruche kommen müßte, er entwarf die verschiedenartigsten Pläne und schwankte zwischen den entgegengesetztesten Entschlüssen. Es kam jetzt ein Festtag heran, an welchem die Sitte dem persischen Könige und seiner Gemahlin gebot, allen Männern ihre- Hofstaate- Geschenke zu reichen. Rach dem Wenhe und der Pracht derielben wurde die Gunst bemessen, in welcher der Beschenkte bei dem Henscherpaare stand. Die Neider Rabbabwaren begierig zu fr teil, wadiesem zu Lheil werden würbe. Aber sie fanden sich getäuscht; die Königin überreichte ihrem Lehrer eine sehr einfache Gabe. Aber sie wußten nicht, welchen unermeßlichen Werth sie für ihn hatte. 3fra selbst hatte sie verfertigt, und er harre sie daran arbeiten sehen. Kaum war er in feinem Gemache angtlangt, so riß er da- Gesckenk auseiner Hülle und drückte eS immer wiederholt an fein Herz und seine Lippen. CS war Abend, er warf sich auf sein Lager nieder; seine Gedanken verwirrten sich; Seufzer entquellen seiner Brust. Wie das Licht de- M'ondeimmer heller aufging, und sanfter durch die Fenster strahlte, erhob sich klarer die Frage in seinem Geiste: waS soll hieraus werden? In der Verwirrung seiner Seele schlug er die Augen auf und richtete eine Bitte nach oben, ihn zu erleuchten, und ihm die Willen-« kraft zu verleiben, diesem Wirrsal zu entgehen. Da glaubte er eine Stimme zu hören, die zu ihm sprach: „Thönchter. schwacher Mann, weißt Du dienicht selbst? Kennst Du die Worte der Weisen nicht, sprich nicht zuviel mit einem Weibe, denn wer zuviel spricht mit einem Weibe, der erber die Hölle!'' — Und mit einem Male ging ihm der Gedanke auf: Rabbah, wi, bist Du so rief gesunken — Du hast Deine Augen erhoben zu einer Heidin, zu einer Königin, und wanoch mehr sagen will. alS all,- Die-, zu d.m Weibe eine- Manne-, und noch dazu Deine- Wohlthäter-, Deinevertrauen-vollen Freundes! Du bist ein vierfacher Sünder! Jeder Gedanke, der Dir bei diesem Weibe weilet, ist ein Verbrechen! Jede Stunde, die Du in ihrer Nähe zubringst, vermehrt Deine Schuld! Du weißt es jetzt, Du kannst es nicht rechtfertigen, Dein Vergeben steht tw Dir in seiner ganzen Größe, und verdeckt Dir den Himmel »nd die Sonne, und schasset finstre Rockt um Dich! Entfliehe! Zeder Tag, den Tu zögerst, v macht die Flucht Dir unmöglicher, und bringt Dich dem Abgrunde näber!... ®li Schauer der Verzweiflung ging durch die Seele Rabbah-; er sträubte sich gegen diese Vorwürfe seines Gewissen-, aber vergebens. Gr rief seine Unschuld, seine Eelbstherrschvng, sein tadelloses Be» nehmen zur Hülfe: eh wolle ja nur othmen in ihrer Nähe, nur von ferne da- Leuchten ihres Angesichtschauen und da- Säckeln ihre- Mundegrwabren — nimmermehr! tönte eouS den Tiefen seine- Geistes wieder — Dtes Allegehört nicht Dir. die- Alleist Sünde, Verbrechen! Willst Du da- Gift immer niehr einschlürfen? Willst Do den Taumdlbecher der darreichen, die Du liebst? Willst Du Deine und ihre Seele verderben?!... Rabbah fuhr wild von seinem Lager auf.. Ewar Mitternacht. Er eilte auseiner Wobnung in daentlegene Gebäude, i/i welchem die.Sitzungen dejüdischen Gerichts gehalten wurden. „Hier!" murmelte er, ..der Richter ist da. die Zeugen find da, dos Verbrechen ist erwiesen, die Strafe muß erfolgen. .Er riß das Gewand von seiner Schulter, ergriff die Geißel, mit welcher an den Ber^ brechern die vom Gerichte erkannte Strafe vollzogen ward, und brachte sich Z9 Geißelhiebe bei, daß da- Blut ihm von dem.Rücken floß. Dann wankte hr nach Hause, verbrachte den Rest der Nacht in Bußgebften, fastete am Tage, und batte er am Abend einige Speisen zu sich genommen, wiederholte er den Vorgang ron gestern. So hielt er'- drei Tage. Sein Einschluß war gefaßt. Am anderen Morgen trat er vor den König und erbat sich die Erlaubniß, >och Judäa zurückzukehren. Der König bewilligte eihm.;, vielleicht ahnte er seinen Beweggrund. _ und schätzte ihn um so höher. Schwer ward ihm der Abschied von Ifra. Sie kam ihm, da sie den Zweck seine- Erscheinens nicht kannte, so freundlich, so lächelnd entgegen. Sie schalt ihn, daß er seit drei Tagen nicht zu ihr gekommen, und als sie in sein bleich,- Angesicht schaute, erschrak si« heftig, und fragte ihn mit den süßesten Tönen der Tbeilnahme, was ihm fehle? Mir zitternder Stimme machte Rabbah sie mit seinem Entschlüsse bekannt, Leigte ihr einen Brief' seiner Brüder, in welchem sie von ihm die Rückkehr nach Zudäa verlangten, und daß er sich nicht einbilden solle, dem Quell der Weisheit schon auf den Grund gekommen zu sein. Er solle sich noch einmal im Lande der Väter einen Lehrer suche», um weiter zu führen, was er begonnen. Er sagt« ihr, er sei gekommen, Abschied zu nehmen. Da erblaßte Zfra. „Wie?" rief sie au-, ..Du willst mich verlaffen? Habe ich nickt schon in diesen drei Togen gefühlt, wie schmerzlich mir die Trennung von Dir — wie öde würde meine Zukunft sein, wenn Du ihr fehltest!" Rabbah erwiederte nur: ,.O, theurr Königin, gerade um deffenwillen muß es geschehen!" Da stürzten Thräne« auden Augen Zfra-, sie leg;« ihre Hände vor ihr Antlitz und entwich in da» Nebengemach. Zm ersten Augenblick wollte Rabbab ihr Nacheilen, aber die erste Bewegung, die er machte, ließ ihn die Wunden fühlen, welche die Geißrlhiebe an ihm zurückgelassen. Er starrte noch einige Augenblicke vor sich bin. dann warf er einen Blick d»s tiefsten Wehes auf den Eingang des Zimmers, auwelchem da- Schluchze»