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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 29 (1859) · p. Seite 114

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
29 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 114 (sequence 2)
Language
German
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114 ausgeschweift, batte, und einer silbernen Platte, in welche mit persischer Keilschrift der Name „Jfra" tn Gold Lingelegt war. Dann nahm Rabbab Messer und Hammer, schlug dle silberne Platte ab, die er in einen geheimen Schrank verbarg, und zerbrach den Reif in mehrere Stücke. Jetzt trat Miriam wieder ein, und ihr Gatte reichte ihr die Stücke Goldemit den Worten: ..Bringe dies zu unserem Nachbar Simeon, er wkd Dir Denare genug dafür geben, um eine Zeitlang davon leben zu können." Mirjam betrachtet, neugierig da- Dargereichte, fügte aber bald hinzu TMenn aber dietu Ende ist und Du noch nickt zurückgekebrt, was dann?" -» Rabbad seufzte, und sprach endlich: ..Dann wende Dich an Abajih und sage ihm, daß ich Dir erlaubt habe, lbn um ein Darlebn anzugeben." ..Daun ift-es gut", antwortete die Frau und wollte binauseilen. um die Goldstücke bei dem Nachbar Simeon zu verwenden. „Halt, Mirjam", sprach Rabbab bewegt, „bring' mir die Kinder, ich will sie segnen, dann gieb mir einen AbschietSgruß, und der Herr gebe, daß wir unS glückllch Wiedersehen _ Mirjam bolte die beiden Knaben, die anfänglich etwas scheu und —eoll Edriurcht zu der mächtigen Gestalt deS BaterS hinaufschauten; er aber hob sie aus, drückte sie an seine Brust und küßte sie, dann setzte er sienieder, legte die Hände aus ihre kindlichen Häupter und segnete sie. Nach einer kurzen Umarmung seines Weibes, schriir er zur Pforte des HauseS hinaus, wo die königlichen Tradanten ihn erwarteten, die ihn nach der Rtsidenz führen sollten. Rabdah Hane zu sich selbst gesprochen: „Ich will vor Jfra treten ohne die Erinnerung an die Vergangenheit!" Wo ist aber der menschliche Geist, der also Herr über sich wäre, um die Erinnerung an gewaltige Erschütterung^, der Seele, an mächtige Kämpfe und schwere Siege ai« dem wiedrreröffneten Quell de- Gedächlniff.s zu beseitigen? Die Erinnerung stieg mir Rabbab auf raS königliche Roß, und jemebr er fick Klcsiphon näberte, desto unwiderstehlicher ergriff sie die Zügel seines 'Geistes und lenkt, den Widerstrebenden in die verfloffene Zeit seiner Jugend. Seit zehn Jahren batte er die Hauptstadt. deS Reiches, hatte er VaS Resivenzsckloß deS persischen Königs nicht betrete^. Früher batte er dort oft und viel geweilt, und der verstorbene König Schabur 1. sah ihn gern an seinem Hose und dielt ihn hoch in Ebren. Die glänzende Schönheit des jungen israelitischen Schriftgelehrten, sowie der Adel feiner Gesinnung, die Liese seiner Gedankeu, der Umfang seines Wissen- und die Weisheit feines RarbeS machten ihn'zu einem Liebling des judcnfreundlichen Königs. Im Innern des Reiches wogte noch immer der Streit um die Oberherrschaft zwischen den gestürzten Parthern und den siegreichen Persern. Dabei ryiderte den König der gekünstelte Fanatismus der "Magier an, deren Religionsbekenntniß sich in sich schon überlebt' hatte. Schaburs um diesen Stteir zu beschwichtigen, batte, obschon bejahrt, die junge Tochter des letzten Partberkönigs, die schöne Jfra, auö ihrem ZufiuchtSort holen lassen, und pe zu seiner Gattin erhoben. Jfra war von blendender Schönbeit, aber nicht minder von ausgezeichnetem Geiste. Ihre Seele dürstete nach Wissen und Erkennmiß, und da grundsätzlich von den Persern ollegriechische Wesen, daS unter der Herrschaft der Partber üppig aufgxhlüht war, verbannt und unterdrückt worden, sah sie sich vergeben» nach Belehrung um. Schabur, in seiner Gutmülhigkeit wünschend, die junge Königin zu befriedigen, führte ihr Rabbah zu. der von da ab daS Amt ihre- Lehrerübernahm. Rabbab, der für feine Religion, ihre Grundsätze und ibre Tradition glühete. batte dennoch auch noch allen anderen Seiten bin auf dem Gebiet deS Wissensich heimisch gemacht. Don Mar-Samuel in die Geheimnisse rer göttlichen Schöpfung eingesührt, und als Jüngling in Judäa mit den Lehren und Pbilofopbemen der Griechen bekannt geworden, imponirte der jungen Königin, daß sie seinen begeisterten Reden mit Begeisterung lauschte. Ist eS da zu verwundern, daß ollmälig in die fügend.' lichen Herzen und unbewußt sich noch andere Gefühle schlicken? Lange Zeit wußten sie nicktS davon. Wenn Rabbad die Stunde hrransehnte, die ihn zus^ jungen Königin berief, wenn er alle anderen Arbeiten ssrtt> Bestrebungen aufgegeben und sich nur mit dem beschäftigte. waS er der Königin vortragen wolle, wenn sich all' sein Sinnen und Trachten aus diesen Gegenstand beschränkte; so rechtfertigte er dies vor sich leibst mit der Wichtigkeit, die es batte, die regierende Königin mit den Grundsätzen der Toleranz vertraut zu machen, und den Lehren des Judentbums zu näbern. Die feckszehnjäbrige Jfra aber füblte ihr Herz, nachdem sie aus ihrem dunkeln Schlupfwinkel an die Spitze deS glänzendsten HofeS von Asien getreten war, so sehr all' ren Freuden und Huldigungen geöffnet, welche ihr dargeboten wurden, daß sie, wenn die Wellen der Gefühle beim Anblick RatbahS und bei der Unterhaltung mit ihm höher ausschlugen und mit lichterem Glanze fich krönten, diefür ganz natürlich hielt und zu den Genüssen zahlte, die ihr als Königin bereitet würven. So gingen Wochen und Monde an ihnen vorüber. Die Sitten der Partber und Perser gestatteten den freien Umgang beider Geschlechter. Erst mit dem JSlam kam die Sittenstrenge der Araber-auch über diese Gebiete Asiens, und verbannte das Weib in die unbedingteste Abgeschiedenheit. Dennoch mußte der Vorzug, den der König unserem Rabbah eingeräumt, und die Gunst, welche die Königin ibm offenbar erwies, den Neid der Höflinge erregen, und nicht lange währte cs, bis dem gurmütbigen Schabur tropfenweise daS Gift der Verdächtigung beigebracht worden. Cchabur nahm sich vor, Lehrer und Schülerin zu beobachten und benutzte in der Sommerresidenz eine^passende Gelegenheit, um ins Geheim, hinter Vorhängen verborgen, der Unterhaltung Beider beizuwobnen. Aber die Verehrung, welche Rabbah vor der Königin empfand und die Sittenreinheit, die im Herzen deS jungen L'brerS deS JudentbumS wohnte, hielten ihn, selbst unbewußt, in solcher Entfernung von Jfra, und prägten jedem Worte so sehr den Charakter des Adels und der Ut.schuld auf, daß der König selbst von der begeisternden Rede Rabbahs. von feinem seinen Benehmen und seiner edlen Haltung so ergriffen ward, daß er im Ueberwallen seineliebevollen Herzens in das Zimmer trat, und die erstaunte Königin nebst ibrem Lehrer mit dem Verdachte bekannt machte, den man ihm gegen sie

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