Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 29 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4908862-5999350-6000922--1397-4909959- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem Gebiete. HerauSgegebm von Rabbiner vr. Ludussg Philtppsoa in Magdeburg. ra. Aft 4 nvA 1 B»n birfer Zntlchrist erschti« »SchotNch nie Ru»««,. V«i» de» s»br-; «/» m t a a [910. 29. 1859.] ----- 4» SSSSSfUi^-^SfÄSS1^'! I6- <3i,firS- 3- Quartal.] Rabbah. Eine Erzählung ans dem vierten Jahrhundert. tSottsetzuug au« Rr. 26. 27. n.) IV. ES war ein Zufall, daß der Refch-Glurha den Weg nach seiner Wohnung in der Erregtheit seiner Seele durch Nebengäßchen nahm. Er würde sonst auf einen zweiten Aufzug gestoßen sein, her wiederum in die „Straße der Töpfer" einlenkte und sich zu dem kleinen Hause RabbahS begab, und das Erstaunen und die Neugierde der Einwohner in nicht minderem Grave erregte. ES war ein StaatSbvte zu Pferde, von Kriegern umgeben, denen Läufer in der königlichen Tracht voraneilten. Vor der Pforte stieg er ab, und trug mit großer Feierlichkeit eine Pergamentrolle, die mir allen Zeichen einer königlichen Botschaft umgeben war. in das HauS. Als er in daS Gemach RabbahS trat, erhob sich dieser, verbeugte sich dreimal, nahm die Rolle in Empfang, die er über daS Haupt erhob und an die Brust drückte, schnitt dann den blauen Faden durch, der in einen künstlichen Knoten geschürzt, die Rolle verschloß, wickelte bann die Purpurseide ab, in welche die Rolle gehüllt war. und laS die letztere mit Ehrfurcht. ES war ein Befehl deS GroßvezirS, als Vormundes denoch unmündigen König- SchaburS II., worin eS hieß: „Angesichtdiesebefehle ich Dir. Rabbah bar Nachmani. Lehrer der Söhne Israels. Dich sofort nach der königlichen Residenz zu Ktesiphon zu begeben, wozu Dir der Statthalter von Pumpaditha Maulthiere und angemessene Begleitung stellen wird. Ich theile Dir mit, daß unsere erhabene Herrscherin, die Königin-Wittwe Jfra schwer erkrankt ist, und bewußtlos darnieder liegt. Die heiligen Magier haben auSgesagt. daß die Aerzte der erhabenen Regentin dieser daerlauchte Leben nicht erhalten werden. Nun aber seid Ihr, Söhne der Verbannung, eingeweiht in die Geheimnisse der Schöpfung und besonder- Du, Rabbah, der Du die Bewegung der Sterne kennst, und zu reden weißt von dem Moose an der Felswand bis zur Palme auf der Wüsteninsel, hast in früheren Jahren, da Du am Hofe devon Ormuzd verklönen und in da- Reich de- Lichtegebrachten König- Schabur I. weiltest, oft genug erwiesen, daß Dein Blick in die Tiefen de- Geiste- und die Verborgenheiten de- Leibeelnzu» dringen vermag und Du da- Kranke zu gesunden und da- Gesunde zu erhalten verstehst. Mache Dich also ohne Verzug auf. und eile.hierhe Heilung zu bringen. So der strengsten Ahndung D AIS Rabbah diese Zei!£. um unserer geliebten Königin du Dich weigerst, würdest Du ch auSsetzea." en gelesen, schien er vou der tiefsten Bewegung ergriffen; sein Antlitz erblaßte, sein« Hand zitterte — kaum da; er sich zu beherrschen vermochte. Die Stimme vet Staat-boten weckte ihn ander Verwirrung, die sich f tner bemächtigt hatte. „Was habe ich al- A itwort zu bringe«?" „Ich werde dein Befehlt gehorchen", erwiederte Rabbah mit fast dumpfer Stimme. ' 1 - Der Staat-bote verbeugte und entfernte sich. Rabbah stand noch lange mir verstörter Miene und verschränkten Armen da. in Gefahr!... Jfta soll ich wieder» er leise und von einem Seufzer bemüh geschehen ... eine Wahl bleibt Augenblicke öffnete sich die Thür Kirjam. selne Gattin, trat ein. de» „Die Königin sehen!..." sprach gleitet. „Doch ed mir nicht.. In diesem Gemach-, und Mirjam. „WaS ist va-, Rabbah? schon wieder eine große Botschaft? Da- Volk ist in Auftuhr und belagert die Pforte unsere» Hause-. WaS ist im Werke? Darf ich eS nicht wissen?" „Wohl. Mirjam. Dei Großvezier verlangt «ich; ich muß den Augenblick »ach Ktestphon, der Statthalter wird in kürzester Zeit Roß und Geleite hierhersende», um mich abzuholen." „Und wawird auwir und meinen Kindern? Heut' hat mir der Bäcker noch geliehen,borgen kehrt der Mangel bei unS ein. Und wenn Du nicht! da bist, wer soll ihn vertreiben?" : „Du hast Recht Mtrzam, ich! muß dafür sorgen." Und nach kurzem Bedenken fügte er hinzu: „Geb hinaus und hole mir ein Messer und einen Hammer, und daun besorge mir daS Nothwendige, dessen ich zur Reife bedarf." Mirjam brachte da» B wlaugte bald und entfernte sich wieder. Rabbah schien noch eine Zeit lang mit sich zu kämpfen, dann, wie mit feste« Entschluss,, griff er in den Busen seine- Gewände-, ynv holte einen seltsam geformten Ring hervor, der an eineä seidene« Schnur hing. „Wenn ich noch einmal vor Dich Irrten soll. Jfru; s» sei eohne die Erii uerung au die Vergangenheit, und ohne ein Zeiche» die er Erinnerung." „Er ergriff den RI» g und betrachtete ihn lange: Dieser bestand aueine« starken goldeaen Reit, »er nach innen rund, außen eine viereckige Gestalt, an de» Seite»