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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 28 (1859) · p. Seite 111

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
28 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 111 (sequence 3)
Language
German
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111 I und bestimmt in vcr Seele liegt. Siehe, Mar-Uktcn, egiebt kein Gesetz, es kann kein Gesetz geben. kanicht in einzelnen Fällen Nochtbeil und Zwang in seinem Gefolge hätte. Denn daS Gesetz überhaupt ,st — Beschrankung. und jedeS Gesetz legt dem Menschen Unfrei, heit und Entbehrung auf. dem Einzelnen zu Gunsten Anderer: Da eS aber die« thut ohne Ansehen der Person. ebne Berücksichtigung wen es treffe, so ist da- Gesetz daS Recht, und da« Gesetz biegen und verdrehen Unrecht. Und so sage ich Dir denn, daß LaS Gesetz, wie die Thorath Moscheh eS unS rorschreiht. gehalten werden muß ohne es zu biegen und zu verdrehen. Nur da. wo eS für die einzelnen Fälle nicht auSreicht. wo es in seiner Allgemeinheit angewendet werten muß aus die besonderen Umstände, da tritt die Auslegung ein. nicht aber um. waS eS klar und unzweideutig ausspricht, ganz oder theil» weise aufzuheben und zu verneinen. Die Thorah spricht den Töchtern da- Erbrecht ab. und kein Mensch der Erde darf sagen, sie meine damit nur die unbeweglichen Güter. DaS hieße: das Wo« GotleS verleugnen, und daS soll Niemand, so lange ick am Leben bin.-wenigstennicht, ohne daß ich laut und energisch protestire. Meinst Du. Mar-Ukban. daS heilige Gesetz hat dieohne Grund so unbedingt festgestellt? D7c Jungfrauen Israels sollen nichtbesitzen als ibre Jungfräulichkeit. Sie sollen gefreit werden um ihrer selbst willen, um ihrer Weiblichkeit, um ihrer Keuschheit, um ihrer Zucht willen. Sie sollen nicht zum Gegenstand de- Schachers werden. Sie sollen nicht eine Deute der Habsucht und de« Ehrgeize» fein. Sie sollen nicht der Jnirigue und Berechnung anheim-, fallen. Die Derbindung zwischen dem Sohn und der Tochter Israelist eine Sache Gone-, und da sollen sich die gierigen Hände niedriger Leidenschaften nicht hinein» drängen. 3n Israel soll kein Mädchen reich oder arm sein, außer an Frömmigkeit, Tugend und Fleiß. Da mag eS nun immerhin kommen, daß einmal eine Tochter und ihre Sippschaft in irdischen Nachiheil geräth — wer ist e-, der reich oder arm macht? Und wer verbürgt eS, daß der Rklchtbum zum Glücke, die Armuth zum Unglück gereiche? Und wer sichert eS zu, daß die Fülle nickt schwinde, uuv der Mangel bleibe? Nein. taS Gesetz üben. daS macht reich und erbebet. Gott und seinem Worte Zeugniß geben. daS beglückt! DicS ist meine Antwort, Fürst, meine unwiderrufliche Entscheidung, Abkömmling Davids Und nun ihue waS Deine- AmteS ist. da- Gesetz zu vollsüh» ren, oder werde ibm abfällig -— ich kann nicht ander-. | Willst Du nun da- Lebrhaubauen zu Pumpabitha, so werde ich Dich segnen — aber meinen Entschluß kann eS nicht ändern." Mar-Ukban war bei der Rete RabbahS bald blaß, bald roth geworden. Noch einiger Zeit Hane er sich gefaßt, und sprach ruhig, indem er sich erhob: ..Nun, da Du meine guten Absichten so ganz verkennst, so darf ich sie auch nicht auSführen. Du würdest iw. Ordern. waS ich Ihue, vorausfetzen, ich wollte Dich^-Kt^ Unrecht verleiten, und fo würden meine Wohlthaten Dich nur zu Jrrthum und Sünde bringt». Sieh, ich wollte mich aufengste mit Dir verbinden, ich wollte Dir zu allen Deinen Plänen meine Macht und mein Ansehen leihen, welche Au-ficht zum Heile de- Volke-! Ich wollte meine Tochter Abigail Deinem Neffen Abaji vermählen:..." Jetzt erblaßte Raibah seinerseits, und Mor-Ukbgn ge» wahrte rschadenfroh. Rqbbäh lieble seinen Reffen väterlich, und wünschte sebnlichst de- ZünglingS heißesten Wunsch zu erfüllen. glck. er wußte auch gar wohl die großen Vortheile her; Verbindung mit den Großen der Erde zu schätzen, deitn ^r selbst hatte eS genugsam erfahren, waS eh beiße, eiinen Weg ohne dieselben sich zu botnen, welche Opfer, welche Kämpfe dakostet,. Errief auS: „Nun, so rbue die» deck. Mar.Ukban! WaS stebt dem entgegen? Wirst Du mich nicht willig finden in Allem waS dem Gesetze nickt^riderspricht?" „Darin brauche m Dich nickt, Rabbah! Darin mußt Du mir von selbst beistehen! Dabedarf keine- Kaufpreise-! Darumi ncch einmal, Rabbah — wähle — entweder Du ziehst Wticl den gewünschten Entscheid, und ich vollführe treulich Allewas ich Dir beute versprochen, auch meine Tochter für Deinen Reffen — oder Du weigerst Dich ferner, und Du kannst nur auf meinen Zorn und meine Rach« rechnen, und die sollen Dich sicherer tteffen. alS meine Belohnungen. Fürwahr, ick, der Fürst von 3stael bin nickt hierhergekommen in die Stabt der listigen und dieblfchen Pumpadithaner, von denen man spricht: gehst Du mzt mit einem von diesen, so wechsele de- AbrndS Deine Herberge; nicht gekommen unter diesearmselige Dach, ohne.entweder^meinen Zweck zu erreichen, oder mei«u»»Lor» fühlet zu lassen." Rab^^Wßvb sich jetzt in der ganzen Größe seiner Gestalt vor dem kleinen Manne wie in erdrückende»W^estiL^ „So i^es dem Pumpadithaner wenigstengelungen, daß Du Dich in Deiner wahren Gestalt gezeigt hast. Geh beim, Mar-Ukban; unter dieseniedrige Dach Hat Tich Niemand gerufen. Aber nicht blos Dein Reichthum, auch Deine Bosheit! ist hier gänzlich fremd!" Der ErilSfürst verließ eilenddaS Gemach und da- HauS. Seine Läufer und Bogenschützen, die vorder Thüre ihn «warteten,'nabmen ihn in die Mitte und eilend und durch Nebenstraßen ging er nach dem prächtigen Gebaute, darin er Wohnung genommen. lForNetzasg folgt.) Ein Besuch im israelitischen Taubstummen- Institute in Wien. - ' 'n "“an r« vrrv cto „Die Tauben »erden höre» die Worte des Ewigen." Diese erhabenen, tiefergreifenden Werte hat Herr Direttor Deutsch al- Sinvfpruch an die Pfosten der Anstalt geschrieben und hätte mit Fug und Recht hinzusetzen können: c-n v'Ndte *ran tot nrcbarri „Und die Stummen «erden-sprechen die Dotte de« lebendigen ' 1 , r Gotte«." ES thut einem Zsrpeliten^ dessen Herz warm schlägt für Humanität und erglüht für sittliche- Leben, dessen Sinn und Geist für seiyen heiligen Glauben lebt und strebt. — eS thur eine» Menschenfreunde wohl, beim Eintritt io diesewahrhaft fürstliche Gebäude, dadoch gerade von fo titsern Leiden bewohnt wird, daden Kummer und

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