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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 28 (1859) · p. Seite 112

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
28 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
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112 den Scbmer; so mancker Eltern birgt, gerahe von diesen Worten begrüßt;u werrek. ES ist ein grpßer Trost, ein fckweres, gewichtiges Versprechen, welche-! unS in die -innere Räumlichkeit begleirft. Prüfen und hören wir, ob uns der Trost geblieben und ob das Versprechen gewährt ^ird. Es war am nW33 als ich die RL»me der israelitischen Taubstummen-Anfialt zum ersten Male betrat; ich wollte rem Gottesdienste beiwohnen, welchermir von allen Seilen als einfach * und zugleich eindrucksvoll geschildert wurde. Ein kleister Tempel — bissen Beschreibung vier Nebensache ist -7 nahm mich auf. Da standen rn $tn vordersten Reiben festlich gekleidet die Taubstummen, Knaben und Mädchen. In ihre» Antlitzt strahlte der größte FestsLmuck — Litz kindliche Freude; auS ihren Äugen funkelte ein restliches Leben — Kraft und Gesundheit, den Meisten ist der Stempel einer höheren Intelligenz aiirgedrückt. Weiche Ruhe und Gefiftung in Haltung unv Geberde! Welch' heilige Stimmung in der ganzen Versammlung! Mußte man es doch lief empsin« den. wie bier an heiliger Ställe Wesen,! gekränkt und zurückgeseyr — im schönsten, im heiligstes Naturrechte' des Menschen durch einetz gütigen, sorgenden Allvater eingesetzt werden in die Rechte deS Geistes, in dessen Wirken und Schaffen. Das ihnen die Natur grausam versagte, soll hier der menschliche Geist, in seinen Bestrebungen durch göttliche Eingabe gelenkt und geleitet, verleiben und nussig machen. Za, wenn sich der Horeb auch m: Voüsinnigen ewig erneuel, ewig von^DMLichle der Offenbarung in.trüben utd in bellen Ze^^^^Werstrahlt, ron ibm berab nock immer semr GvttBftiÄk!^^^ Menschbew zur Wahrheit rufend^ Sturm und L^^^übertöm^ Hier geschieht' die Offenbarung durch dir Wunderkraft deS Geistes, welcher erst dvrfte Sinn^ in's Leben rufen, erst innerlich erwecken muß, bpvor ihre sittliche Wirkung' nach außen dringt. — -7t — m pn ttsst S'O-irrr! . Direktor Deutsch bat sein Wort gehalten.. Jeder der Taubstummen hat -^2 vor sich, in welchem er. man kann sagen, mit inniger mrd freudiger Andacht, betet, — wirklich betet, indem er die Lippen zur hebräischjrn Lauisteüung bewegt. Man sieht eS ihm an, er berrt i mit herzlicher Rührung, weil er sich rstit seinem Gotte, §ven er tief in seinem Herzen tragt, verständigen, mit seinem Volke hierdurch am besten eins suhlen kann. Aber Wahrhaft überrascht wurde ich durch den Vortrag, durchs die Ansprache, welche Herr Deutsch an die Taubstummen bielr. Er stellte die drei NakionaUeste Zsriaels im Vergleichs mir einander auf. wieS den ^ufammsnhanz zwischen Jahreszeit unv Fest in einfacher, klarer und eindrucksvolles Sprache nach und schloß mir einer kernigen Betrachtung derjenigen Lehren, welch? für unser sittliches Leben daraus gewannen werben. Seine Redewar von ergreifender Wirkung! auf die ganze Versammlung, namentlich auf die Taubstummen selbst. Diese lasen ihm jedes Dort' vom Mundei und weyn sie einen ganzen Satz verstanden hatten, blitzte! eS freudig in ihren Augen aut, als wollten sta^sagen: „feott, wir verstehen jedes Wort — sind weder raub Äoch stumm!" Hin und wieder richtete. Direktor Deutsch gar von der Kanzsl herab eine Frage an die Taubstummen und sie wurde richtig beantwortet. Muß es einem wohlgefinnten Zsrarliten nicht wie Musik klingen, wenu er auS solch' gebrechlichem Mund» seine heilige Ursprache vernimmt? Ist es nicht ein Triumph unserer Zeit, daß ihr die Lösung deS prophetischen Orakels: „Und die Tauben werden die Worte Gottes hören" Vorbehalten? Lassen wir immerhin Jene Zeter schreien, welche in der Abnahme deS Formel- Wesens den Untergang Jerusalems betrauern, beweinen; lassen wir auch Jene gewähren, welche mit frecher Hand inS Heiligste greifen, um sich mit den Trümmern der alten Burg Zion ihr Theater aufzubauen: so lange es noch Stätten giebt, wo fern von allem Fanatismus, frei von jedem prunkenden Schauspielwesew'. frisch aus der Quelle der göttliche Labetrunk für Herz unv Gemürh geschöpft wird, fürchten wir für die treue, echte Lehre Israels nichts! In diesem Bewußtsein, in diesem Sinne schreibe ich diese Zeilen, und möchte sie in alle Welt hinausseyden, damit ich einen Mann ehre und preise, der sein ganzes Leben daran gesetzt, gefesselte Zungen zu lösen, tauben Ohren Gehör, Begriffslosen die Erkennrniß von äußeren und inneren Lebenserscheinungen zu verleihen. Wer hat eine Vorstellung von der Schwierigkeit dieser Aufgabe? Da gilt es, den ganzen Bruch zu heilen, den die Natur zwischen Sein und Denken veranlaßt, die ganze Lücke zu füllen, welche zwischen Leben und Bewußtsein blieb. Und dieser Mant hat -es mit unverdroffenem Fleiße bewerkstelligt, daß der Taubstumme nicht .nur der Gesellschaft zurückgegeben, sondern auch eingeführl wurde in den großen Kreis sittlicher und religiöser Begriffe, geistigen Lebens. Heißt daS nicht auch auS einem Felsen eine Quelle schlagen?! Allein nicht um des Lobes willen erhebt der Verständige seine Stimme, ergreift er die Feder. Trägt ja das Gute seinen Lohn in sich selbst; wozu bedürfte es also hier des Lobes? Jedes Lob muß die Aufmunterung bergen: „Geht hin und thuk desgleichen'/' Ich will mit meinem Volke nicht rechten, habe weder Ansehen noch Auftrag dazu, aber bescheiden darf ich bemerken, daß leider für Dollsinnige nicht überall so segensreich gewirkt wird, wie hier für die Taubstummen. Sapientisat. *) Dr. Julius Oppenheimer. *) Auch wir werden die Stunde nicht vergeffen, die wir bei unserer Anwesenheit in Wien vor einigen Jahren in dieser Anstalt, die sich damals noch nichl ihres eigenen LocalS erfreute, verbrachten, und wie uns die Resultate deS DirectorS Deutsch leich erfreuten und erhoben. Wir sprachen es damals in der g. Ztg. d. Jubenlh. ans. Die Redactiom ^Allgemeine Zeitung deS JudenthumS. No. 27. 1859. Leitende Artikel: Zur Situation. — Rechnungsablage des Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur. — Die israelitische Bibelanstrlt. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland:Büdingen. — Preußen: Schueidemühk. Magdeburg, Warmbrmm. — Rußland: Petersburg. C5T Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Th-ler, vieneijährlich *,'4 Thaler. BtrmMvortlicher Redakteur: K. Nabe. Verla- »00 Ballmgärtoer'« ^Bochbaodloog io Leipzig. — Druck voll Alexander Wiede in Leipzig. I

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