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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 26 (1859) · p. Seite 102

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
26 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 102 (sequence 2)
Language
German
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1 102 jjiiic'r tufcreu N4 Wellen des EtzpbralS den -lursu.-.c.l F.uren zu. Umtränzr von Gebüschen, erbeten zaylrctchc Siävre unk stolze Bürgen ibre Mapern. Menschenwohnungen. in Klecken gesammelt, odtr zerstreut, steigen aus jeder Flur. von jeder Höbe, an jjedem Bache, aus jedem Haine auf. Uns überall' Leben. - Auf dem Strom und -den banalen streiten Schaaren »on Sännen und Rachen ibre weäßen^cgel aus, auf dtn Straßen, die ras Hand durchschneidrn. l treibt sich das (Gedränge der Wagen. Reffe und Wandere^. Vor uns.!in mäßiger - Entfernung, liegt eine Stadt, die ibr Haujermeer weit - 'i in debnr. und die im goldenen Minagsstrahl gar prächtig ^schimmert. Welcbe Fülle glänzender Paläste riuß .sie umr 'kbließest. ra immer und immer wieder a-us der Menge aiedugerer Häuser die hoben Zinnen großartiger Bauwerte auffteigeu- und in stolzer Rübe auf ti» geringeren Nachbarn berabruseben scheinen. »Ach. auch, der Name edes Jsraegan; unerkicscr Sratr klingt woblbekaknt in das Ohr lne». dem'die (beschichte seines Volkes nicht 'crlcht gebliebew) und — and -Siel; in seinem H ie selten l — n eckt Freude Es ist Puärpaditha, -die reiche, reich an Palästen und prächtigen Äauren, aber ■ .;;id' reich an Bildung und >Gelel'rsamkeit. de^en Bewohner eines besonderen Scharfsinns und WitzeS sich rühmten. Ju der Zeitin welcher nsir ne hier zu unseren Füßen »tbltcken, war sie eure ganz ijükische Stadt. Nur wenige Bürger ron. ankernn Sranstn und Glauben hatten ihre' 'Wohnstätten daselbst. Eine! uralte Gemeindä. der erste Sammelplatz, rbcils der Juden, die noch auS grauer Vorrerr in Babnlon wohntet, wtzil ihre ^ä»er die Erlaubnis deS PerfcrkönigS lZvrus zur Rückkehr nach den rrümmcrn ron Jcrusalcin yichr benutzten, unk lieber an rcn Ut'crn des Euphrats bei wohlbesetzten Täfeln SebnfuchrSg'esänge nach dem zerbrochenen Zion ansttmmren. als an. den Ufern kcS ZorkanS in Mangel unk! Kampf ka§ tern.rrc Juda wieder amrichteten — und ibeils derer. d:c nach dem zweiten Fall »es Tempels kurrl die grausame Römcrfanst vertrieben. -auch hierher den Wanderstab gesetzt'. Bon bier aus waren sie dann wieder ausgeström: ilber^daS ganze Land, und batten sic> in großen und kleinen Städten Sitze geschaffen, die mehr oder minder durch Fleiß und 'Bildung autstreblen. Aber mmer blickten ne dankbar auf die gsoße und gerühmte Muttergcmcinde. d.ik sic willig dgs „Haupt der Holah" (der Verbannung) nannten. > I Unter der tultsamen Herrschaft der Pcrsec und Par- »bcr haue sich daber die ganze Landschaft zwischen dem Euphrat'und Tigris, ron da, wo sie sich einankir zu nabern beginnen, bis zu ihrer Vereinigung mit Juden bevölkert, welche bald fast die ausschließliche Bewobncrischafr dieser fruchtbaren Ebene bilderen, ss daß diese selbst.^ „kaS Land -Israel", genannt ward. Hier erboben sich! die Städte Naharde«, Sura. Machuza, unk vor allen Humpaditha. lediglich von Juden bewohnt unv von Bezirken umgeben, welche eine zahlreiche Bevölkerung in kleineren Städten und Burgen vereinigten. Die die Juden d«t einerseits geordnete und selbstständige Gemeinden bilde«», lohnten ne andererseits den Schutz der Herrschenden Aölkerstamme durch den fleißigsten Anbau des Landes, durch Anlegung und Reinigung der Kanäle, durch Betreibung der nützlichsten Künste, durch Handel und Schifffahrt.! Sie bauen beul Landesherrn nur eine mäßige Kopfunk Grundsteuer zu zahlen, und konnten dafür ungestört nach ihren Gesetzen und den Bestimmungen ihrer Oberhäupter leben. Ihr oberster Vertreter und Oberlichter lebte an: Hofe des Königs in Ktesipbou. wo ev--;u den höchsten Würdenträgern deS Staates gczäblr ward und den Titel Resch- Glutha („Haupt der Vcrbaynten") führte. Aber immer noch fand eine einige Verbindung zwischen dem Israel in Babel und dem Israel in Juräa statt. Penn so tief auch das letztere gebeugt worden, harre es im Reiche des Geistes und Glaubens desto böher sein Haupt wieder erhoben. Verfolgt, niedergetreten und gemordet, batten immer wieder die Lehrer zahlreiche Schüler auf ihre Stüble gesetzt, welche aus den Steinen deS zertrümmerten Tempels ein neucS heiliges Gebäude im Geiste aufzimmcrten. Als die Lebrhäuser in Judäa wieder autgeblühr waren, zogen Schaaren von Babyloniern zum heiligen Lande, um Waffer des Lebens aus den lebendigen O-uellrn alldork zu schöpfen. WiffcnSreich und von den Ucberlieferungen und Denkweisen der Lehrer durchdrungen, kehrten sic zur Heimatb zurück, uni dem unwissenden Volke dort daS Gesetz unv seine Auslegung zu lehren und das Leben nach den neuen Regeln zu ordnen. und. die in Babrilonien so verschiedenen Verhältnisse nach den Schlüssen unv Folgerungen gesetzlich zu gestalten. Bald aber seufzte Judäa unter neuem Druck. An die Stelle des verfolgenden Heirenlbums war daS (fhristenrbum mit noch größerem Haffe gegen die Söhne seiner Mutter getreten, und unter der schweren Last, die cs ihnen aufbürdete, verloren nach und nach die Lehrschulen in Judäa ihren alten Glanz. Desto strahlender ging die Sonne dem babylonischen Juda auf — nach dem immer und überall bewährten Gesetzt dep Vorsehung für Israel, in einer anderen Weltgegenv aufzublübcn, wenn das Geschick-in der einen seine Saaten zertrat und seine Früchte in den Staub t^arf. In Pumvaditha und Sura erboben sich großartige Lehrhäuser, an deren Spitze Meister des Gesetzes standen und Tausende von Schülern zu ihren Füßen versammelten. So wurde Babylonien für viele Jahrhunderte der eigentliche Sitz der jüdischen Leh^und Gelebrsamkni, die erst spat von hier nach dem Westen zurückwanvene, über das Meer nach Europa gelange,, unv dort auf glücklichen Fluren »sich neue Pflanzstätten schuf, als über Asien aus dem Mittelgebirge strömende barbarische Horden dichte Geistesnacht breiteten. Kurze Zeit vor dem Beginne unserer Erzählung waren aber auch über Babylonien politische Stürme hinweggegangen. Aus langer Verborgenheit tauchte ein Geschlecht auf, daS über vierhundert Jahre das Joch deS Dienstes getragen. Ardschir. ein Abkömmling deS altpersischen Königshauses erhob sich aus der Dunkelheit und entfaltete, an der Spitze des Stammes der Chebrin, die Fahne des Aufrubrs gegen die partbische Nation und deren Herrscher Artaban. In einer blutigen Schlacht wurde der setzte der Arsaciven getödtet. und die Herrschaft der Neuperser begründet. Mit diesen war die Flamme des religiösen Fanatismus angefacht. Die Anbeter des FeuerS, die Verehrer deS Ormuzd, die Magier wütheten gegen alles griechische Wesen, seine Anhänger, seine Sitten und Gesetze. Der einmal angefachte Eifer wandte sich auch gegen die Juden. deren politische Selbstständigkeit den i

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