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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 26 (1859) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
26 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches BolkMatt. Zur Relehrung und Anterhaltung auf jüdischem HeKiete. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Phllippson in Magdeburg.: , 1 jRo. 26. 1859 ] Bo« dieser .noitfÄrift frfaftn? wö-eatlich eine Nummer. Preis des Iabcgang« I THIr. «ierteljSdriA 7', Ngr. Lll« Bachba»vlu«ge«, Poftämlor «uv Zeiwllgserpetitione« «e-me» Lestelluuge« au. ^6. JaKrg. 2. ^>untial.] R a b b a h. Eine Erzählung aus dem vierten Jahrhundert. Der AriegSfturm rast in Europa. Die Gemüther, seit fünfundvierzig Zähren den Schrecken des Kriegeentwöhnt und mit dem Gedanken eineewigen Friedens vertraut, sind angstvoll ergriffen. Die materiellen Interessen find allseitig bedroht, und wirklicher Verlust und allgemeines Mißtrauen bringen Handel und Gewerbe in völlige Stockung. DaS Gespenst der Noch und der Gefahr steht an allen Schwellen, und was die Wirklichkeit an Uebeln noch nicht bat. daS stellt die erhitzte EinbilkungS. kraft schon 'alS gegenwärtig dar. So komm, lieber Leser, ziehe Dich von diesem überwältigenden Wirrsal zurück, und folge mir auf den, Schwingen der Phantasie in ein fernes Land und eine ferne Zeit. Die Ruhe und Sicherheit, welche die Gegenwart und die Umgebung nicht gewähren, findet der Geist leicht wieder, wenn er sich mn Dingen beschäftigt, die ihm fern liegen und doch seine Theilnahme zu wecken vermögen. Zch fiUtf Dich nach Asien, nach jenem Wundcrlandc, welchedie Wiege der Menschheit, aber auch die Wiege ihrer Cultur und Bildung war. Alles ist un» von dort gekommen, nachdem wir selbst von dort ausgegangen. Eine wundersame SchöpfungSkraft lebte und wirkte dort im Menschengeiste. Aber während in der europäischen Menschheit eine ewige Unruhe bald von einem Gedanken zum anderen, bald von einem Werke zum anderen treibt, fübrt der asiatische Mensch die Idee, die er gefaßt, mit großer Consequenz und unermüdlicher Ausdauer zu einem, bis in'S kleinste Detail vollendeten Gebäude auS; darin beharrt er dann Jahrtausende hindurch. das Leben erstirbt, zuerst in den Enden, dann auch m dem Mittelpunkte deS künstlichen Werkes. daS aber dennoch mitten in der Strömung ' der Zeit noch viele Jahrhunderte bestehen bleibt, und, trotz seiner Versteinerung. auf den sich immer erneuernden Geschlechtern lastet. Ich führe Dich in eine längst verflossene Zeit, in. welcher aber eine mächtige innere Tbättgkeit aut den Trümmern einer alten Welt eine neue gegründet und, aufgebaut ward, welche fortan einige Jahrtausende hindurch die Menschheit umfassen und tragen sollte; wo über den eingestürzten Altären deS HeidenthumS daS Juden* thnm zu einer neuen, gigantischen Gestalt aufschoß, und zugleich die beiden weltbeherrschenden Religionen de» ChristenthumS und deS Islam» von sich hinauSsandte. Derstr in der Zeit und an den Orten, welche den Schauplatz der folgenden Erzählung.— und, wenn der Leser sich mit ihr befreundet, «och einiger anderen — abgeben, arbeitete da- Judenthum seine -traditionellen Formen zu einem vielgestaltigen, aber festgegliederten Svsteme aus. welcheman das talmudifch-rabbinifche Judeurhum nennt, und das zwar daS Wesen der mosaischen Lehre in sich ausgenommen, dennoch aber an Richtung, Chaxakter und Ziel als eine neue Schöpfung de» in Israel webenden Geistes bewachtet werden iuuß, und welchedem versprengten Stamme und in die weüc SSMl versetzten Glauben da- Vaterland und den heiligen Tempel ersetzte. Zu derselben Zeit arbeitete sich da- Christenthum zu der bestimmten unv firirlen Erscheinung auS, welche es noch* beute, in der Kirche, namentlich in der katholischen ist, und zu derselben Zeit hsveitetc sich aus manuichfaltigen religiösen K^mpien 2er ISlüm v»r, oer. iverrige Jahryun- Vene später in die morgen'landische Welt getreten, dieselbe wie mir einem Zauberschlage sich unterwarf. Dahin folge mir. mein Leser, usd mag es mir gelingen, in einem kleinen Gemälde dje großen Bewegungen und T^ie-wdern barzustellen, oder doch anzudeuren, welche in jener Zeit und jenem Lande verwalteten. i I. ‘ Welch' herrliche Laadschaft! Wir stehen auf einem mäßigen Hügel, um deffe» Fuß ein gewaltiger Strom rgstlo» seine Wellen treibt — wer kennet nicht den Namen dteseS mächtigen Gewässer»., dessen Ursprung das heilige Wort im „Garten Cden't fapd,- dieser Länderscheide, welche, eine Grenze zwischen den Sitzen der Nationen, eben so oft überschritten ward in Kampf und Frieden, um die Länder mir einander zu verbinden, und staatlich oder gei- — stig zahllose Nationen unter ern Zepter zu zwingen? ES ist der Euphrat. Weit von Norden her walzr seine Wellen, hier aber macht er einen Dogen gegen Morgen, eine große, üppige Landschaft zu umgürren und dem Bruderstrome, dem Tigris, sich zu nähern, mit dem er in engster Bereinigung nach dem Meere eilt. Drüben, gen Abend, dehnt sich «ine unabsehbare Wüste, an deren Horizonte nur hie und da ein Sandhügel oder dir Paar Baumwipfel einer kleinen Oase den einförmigen gelbrothen Rand unterbrechen. Aber hüben, morgenwärrS. welch« köstliche Ebene! Habens wir ein weites Meer, von großen Inseln bedeckt, oder einen unermeßlichen Garten vor un»? Durch die fruchtbaren Fildrr ziehen sich überall dichte Dartelwälder, und mitten durch beide, wohin da» Auge sich wendet, das Blinken silberner Wasserschlangen, denn

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