Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 25 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
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wenn ich eS beNage. daß dasselbe Dorurtheil, welchedem Abvokalenfiand in Warschau den Beschluß eing,flößt har. den israelitischen Angeklagten seine Deihülfe zu verweigern, so stark auf die Richter eingewirkt hat, um ihnen eine Derurtheilung zu dictiren. Hoffen wir also, mein Herr, mit allen Wohlgesinnten, daß eine Freisprechung daletzte Wort in dieser unglücklichen Angelegenheit sein wird, in der durch ein unbillig,- Verwerfen der gegebenen Ideen, die Gesetzlichkeit gegen die Gerechtigkeit ongerufen ist, und wo der Aufreizer diejenigen vor Gericht der Aufreizung anklagt, die er beleidigt hat. Stellen wir dieser sonderbaren Entscheidung der Warschauer Tribunale diejenige gegenüber, die ein Zribunal zu Neu York auf viel weisere Art bei übrigenganz verschiedenen Umständen getroffen bat. Wir wollen sie in wenigen Worten alö einen Zug der amerikanischen Sitten miltheilen. Ein gewisser Simon Schryer batte einen Streit mit einem gewissen Henry Hyam. Die Vorladung wurde Letzterem am Sonnabend den 5. März diese- Jahrezugestellt, und der Dertheidiqer verlangte die Anullirung. dieser Vorladung vor dem Richter Thompson, weil sein Gewissen ihm nicht erlaube, am Sabbath irgend einen gerichtlichen Act vorzunehmen. Hier ist der Urtheilspruch de- Richters mit den ihn stützenden Beweggründen: „Der Dertheidiger versichert eidlich. daß er genau den Sabbath beobachte, wie ihn dajüdische Gesetz vorschreibt. Es scheint im Gegentheil durch gerichtliche Unter« suchung erwiesen', daß er sich am Sonnabend, den 12, auf einem Packelboot befand, dort Journale kaufte rc.; daß er die Gewobnbeit hat. seinen Laden am Sonnabend geöffnet zu halten, und sich an demselben seinen geschäftlichen Arbeiten, wie an den übrigen Tagen der Woche, binzugeben. Der Gesetze-artikel, auf den der Dertheidiger sich beruft, stellt fest, daß Niemand, dem seine Religion gebietet, und der die Gewohnheit hat, den Tag de- Sabbathals einen von Gott eingesetzten und dem Gottesdienste geweihten Ruhetag zu beobachten, gehalten ist, irgend einem Befehl oder einer bürgerlichen Instanz zu gehorchen. Der frömmste Israelit, wie der gewissenhafteste Christ, kann für nöthig erachten, avl Sonnabend oder Sonntag zu reisen, oder ein Journal zu kaufen; diesind Dinge, die sich sehr gut mit einer strengen Beobachtung dereligiösen Gesetzeverttagen; aber derjenige, der freiwillig am Sonnabend oder Sonntag unn-thige Arbeiten ober Handlungen übernimmt, kann nicht al- Solcher betrachtet werden, der in Wirklichkeit die Heiligkeit de» Sonnabend¬ oder Sonntag» beobachtet. Da dieder Fall ist. Waden Dertheidiger betrifft, so kann er eine Bestimmung nicht beanspruchen, die nur zu Gunsten der fcrupulösen Gewissen getroffen ist. Der Dertheidiger ist also mit seinem Einwurf abgewiesen und zwar mit Erstattung der kosten." Waman auch über die Frage an sich denkt, so muß man doch den Gerechtigkeitssinn de- Richter- Thompson anerkennen; warum muß hingegen zu Parida- Heilig« thum der Gerechtigkeit so oft von Worten wiederhallen, die einem ganz anderen Charakter entlehnt und doppelt verdammen-werth sind wegen de» Talent», welchesie auSspricht? Warum haben wir so oft Gelegenheit, den Ausdruck übler Gedanken. Beweisen von Unduldsamkeit zu rednerischen Mitteln bei dem Advokatenstand zu begegnen: wenn man die Ehre hat. sich JuleS Favre zu nennen (denn von ihm wollen wir spreche»), so muß man die-Flitterwerk der juridischen Beredsamkeit zurückweisen! In einem naurigen Scheidungsprozeß am 16. April vor dem Civilgericht der Seine verhandelt, waren die beiden Stteitenden Israeliten. Ter Mann harte seinem Der« theldiger Cremieur und die Frau JuleS Favre gewählt. Zufällig wurve der Dertheidiger de- Mannebewogen, von dem Glauben sein,- Clienten zu sprechen, und von der Eintracht, welche man, in der Regel im Hausstand der Israeliten bemerkt. „Sie sprechen von Ihrem Glauben, von Ihrer Religion", fiel ihm Herr Favre in die Rede, „die Religion de- Moseerlaubt, seine Frau vor die Thüre zu werfen; der Stifter de» CbristenrhumS hat ge« sagt: Trennet nicht, wa- Gott vereinigt hat!" Diese dramatische oder vielmehr melodramatische Abschweifung würde in den Augen von vernünftigen und unparteiischen Menschen beredter sein, wenn sie durch die Statistik der Ehescheidungen bei den Juden und Christen erhärtet würde; man würde sehen, auf welche Seite die Waage sich neigt. Herr Favre brauchte nur die Augen zu öffnen, um zu sehen, von welcher Seite die Prozesse um Chescheidnng, Alimente. Ehebruch u. s. w. sich recrutiren; die HLu-liche Eintracht ist eine Tugend, welche den Israeliten ihre schlimmsten Feinde zugesiehen;■ sie ist eine Ueberlieferung auunglücklichen Zeiten, welche sie in glücklicheren noch nicht verloren haben. Blumcnlese. Au-züge von Erzählungen. Gleichnissen, Gedanken und Meinungen, wie Erklärungen von Schriftstellen auhebräischen Werken. Bon Joseph Rawicz in Bre-lau. „Ich will ihm eine Gehülfin machen, wie sie ihm zustehr." 1. B. M. 1, 18. R. Jose traf den Propheten Elizahu und ging ihn mit der Frage an, „welche Der« binvlichkeiren erfüllt dit Krau dem Manne al- Gehülfin?" Der Prophet von hohem Range erwiederte ihn belehrend: „Wenn Jemand -eben-mijtel in- Haubringt, kann er sie so ohne jedwede Zubereitung genießen?.. Qder wenn" Jemand sich Stoffe zur Bekleidung anschafft, bedürfen diese zum Behufe der Brauchbarkeit keiner Zurichtung? Eist also faßlich, daß die Frau schon al- Leiterin de- Hau-wesen-, durch Anvrd^en und Verwenden, durch Nachsehen. Einrichten und Zurathehalten di« Stütze de- Manneist. Nicht äußerer Glanz, Geräusch und Aufsehen, sondern Geschicklichkeit, llfiutih, Geduld und Mäßigung sind der Maßstab, nach welche« man den Werth einer Handlung schätzt, und genügt eine Frau ihren verschiedenen Pflichten, so legt sie, ungeachtet an den stilleren, beschränkteren IdreiS dehäu-lichen Lebengewiesen, eine Stärke und Größe det Seele an den Tag, welche diejenige übertrifft, bereu man bedarf zu grpriesenen und ongestaunten Handlungen. In dep liebreichen Beistand ' der Frau findet der Mann eine Erleichterung der -asten seine- Standeynd schöpft Trost, Ruhe und Erquickung. Angenehm und lieblich sein, ist täuschend, und vergänglich die Schönheit; eine gotte-fürchtige Frau ist, die